Zwischen Faszination und Furcht | Asien | DW | 19.02.2014
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Asien

Zwischen Faszination und Furcht

Die Beziehungen zwischen China und Deutschland sind so eng wie nie zuvor, besonders wirtschaftlich. Doch wie sehen die Deutschen China und wie die Chinesen Deutschland? Eine Studie ist dieser Frage nachgegangen.

Wie heißt der Staatspräsident Chinas? Würde man Passanten in einer deutschen Fußgängerzone diese Frage stellen, die meisten würden die Antwort nicht wissen. Nur zwei Prozent aller Deutschen ist Chinas Präsident Xi Jinping bekannt. Das geht aus einer Studie des chinesischen Technologiekonzerns Huawei in Zusammenarbeit mit dem GIGA Institut in Hamburg und dem Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid hervor. Für die Studie "Deutschland und China - Wahrnehmung und Realität" wurden sowohl in China als auch in Deutschland jeweils 1000 Menschen sowie 200 Wirtschaftsvertreter und 100 Politiker befragt.

Zwiespältiges Verhältnis

Die Deutschen sehen in Chinas Konjunktur mehrheitlich eine große Chance für die deutsche Wirtschaft. Was die Macher der Studie verwundert: Die große Mehrheit der Befragten in Deutschland hält die Wirtschaftsbeziehungen zu China für genauso wichtig wie die zu den USA. Gleichzeitig sorgt Chinas Aufstieg für ein Gefühl der Bedrohung. Knapp die Hälfte der Befragten sieht die Konkurrenz aus China mit Sorge.

Ähnliches gilt für die Politik. "Unterm Strich haben die Deutschen eine tendenziell kritische Wahrnehmung des internationalen politischen Engagements Chinas", sagt Patrick Köllner, Leiter des GIGA Instituts in Hamburg, das die Daten wissenschaftlich analysiert hat. "Das ist übrigens noch ausgeprägter, wenn sie sich die entsprechenden Werte für die Wirtschaftsentscheider angucken." Nur knapp ein Viertel aller Befragten bewerten Chinas internationales politisches Engagement positiv. Ein niedriger Wert im Vergleich zu Ländern wie Frankreich oder den USA, deren Engagement die Deutschen oft schätzen. Allerdings sehen die Deutschen China positiver als zum Beispiel Russland oder Indien. Umgekehrt haben mehr als zwei Drittel der Chinesen ein positives Bild von Deutschland.

Chinesische Arbeiter stehen am 25.09.2013 an der Fertigungsstraße für den neuen Golf im neu eröffneten Volkswagen Werk in der südchinesischen Metropole Foshan.

Deutsche Firmen wie VW investieren kräftig in China

Auch in den Bereichen Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit sowie der Umwelt- und Klimaschutzpolitik sehen die Deutschen China kritisch. Immerhin: Die Deutschen trauen China in den nächsten fünfzehn Jahren Fortschritte im Umweltschutz zu.

Gleiche Merkmale, trotzdem fremd

Das Interesse am jeweils anderen Land ist groß, aber unterschiedlich. Deutsche interessierten sich besonders für die chinesische Kultur, das Essen oder berühmte Bauwerke in China. Chinesen hingegen schätzen vor allem deutsche Produkte und Marken.

Das Bild der jeweils anderen Kultur sei erstaunlich ähnlich, sagt Yun Schüler-Zhou vom GIGA Institut. "Die Deutschen sehen in China immer noch ein sehr traditionsbehaftetes Land mit Merkmalen wie Höflichkeit, Gemeinschafts- und Familiensinn oder Hierarchieorientierung." Gleichzeitig sähen viele Chinesen Deutschland auch als sehr traditionsreiches Land, auch mit ähnlichen kulturellen Merkmalen. Trotzdem empfindet die Hälfte der befragten Chinesen und knapp sechzig Prozent der Deutschen die andere Kultur als fremd. Dennoch kann sich in beiden Ländern die Mehrheit vorstellen, Freundschaften mit Menschen aus dem jeweils anderen Kulturkreis zu knüpfen.

Jüngere haben positiveres Chinabild

Internationale Austauschstudenten an der HHL Leipzig

Der internationale Studentenaustausch hilft bei der interkulturellen Verständigung

Die Wahrnehmung des jeweils anderen Landes werde sehr stark durch die Berichterstattung in den Medien geprägt, sagt Katja Levy, Professorin für Politik und Recht Chinas an der Freien Universität Berlin im Interview mit der Deutschen Welle. In der Chinaberichterstattung in den deutschen Medien gehe es oft um besondere Ereignisse wie Rekordabsätze der Autoindustrie, Umweltskandale oder Menschenrechtsverletzungen. "Wenn man die Informationen nur aus zweiter Hand erhält, dann sind die natürlich auch sehr stark durch diese zweite Hand, also die Medien, geprägt", so Levy. Das sorge für ein weniger differenziertes Bild.

Aus erster Hand hingegen erleben viele junge Deutsche China. Viele studieren dort, machen Praktika oder arbeiten. Das schlägt sich offenbar auch in der Studie nieder. Junge Deutsche bewerten China viel positiver als Ältere.

Anzeige