Zwei Deutsche im Sudan entführt | Politik | DW | 23.06.2010
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Politik

Zwei Deutsche im Sudan entführt

Unbekannte haben in der sudanesischen Krisenregion Darfur zwei deutsche Entwicklungshelfer verschleppt. Sie waren dort für das Technische Hilfswerk im Einsatz. Das Auswärtige Amt in Berlin bemüht sich um Aufklärung.

Landkarte Sudan / Deutsche Flagge (Grafik: AP/DW)

Im Sudan kommt es immer wieder zu Entführungen

Die Kidnapper schlugen in den Abendstunden zu. Sieben Männer, vier von ihnen mit Gewehren bewaffnet, drangen in die Büros des Technischen Hilfswerks in der Stadt Niala ein. Sie überwältigten einen einheimischen Wachmann und schnappten sich die beiden Deutschen, wie der Sprecher der gemeinsamen Friedensmission von Vereinten Nationen und Afrikanischer Union (UNAMID), Kemal Saiki, am Mittwoch (23.06.2010) berichtete.

Die Entführer seien in Zivil gewesen. Sie hätten ihre Gefangenen in ein Fahrzeug verfrachtet und seien in Richtung der Stadt Kass gefahren, nördlich von Niala. Niala ist die Hauptstadt von Süd-Darfur. Der einheimische Wachmann sei später außerhalb von Niala wieder auf freien Fuß gesetzt worden, so der Sprecher.

Örtliche Behörden eingeschaltet

UN-Blauhelmsoldaten auf einem Fahrzeug (Foto: AP)

Wurden kürzlich Ziel blutiger Angriffe: Soldaten der UN-Friedensmission in Darfur

Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte, dass zwei Deutsche in der sudanesischen Krisenregion Darfur vermisst werden. Außenamtssprecher Andreas Peschke sagte, die deutsche Botschaft in dem Land sei eingeschaltet. Sie bemühe sich in Zusammenarbeit mit den dortigen Behörden um Aufklärung.

Erst vor wenigen Tagen hatten Unbekannte im westsudanesischen Darfur drei Blauhelm-Soldaten der dortigen UN-Friedensmission (UNAMID) getötet und einen weiteren schwer verletzt. Am Wochenende waren bei Zusammenstößen zwischen verfeindeten Nomadengruppen mindestens 40 Menschen getötet worden. Nach UN-Angaben hatte Streit um Weideland und Wasser die tödliche Auseinandersetzung ausgelöst.

Unterstützung für Rückkehrer

Die Friedenstruppen sichern vor allem die Flüchtlingslager und Dörfer in der Region. In Darfur herrscht seit 2003 ein erbitterter Bürgerkrieg. Dabei starben nach Schätzungen der Vereinten Nationen rund 300.000 Menschen. Mehr als 2,7 Millionen wurden in die Flucht getrieben. Von ihnen leben mehr als eine Million in Flüchtlingslagern.

Flüchtlingslager in Darfur (Foto: dpa)

Mehr als eine Million Menschen leben in Flüchtlingslagern in Darfur

Das THW ist seit 2004 in dem nordostafrikanischen Land tätig. Seine Hauptaufgabe ist der Aufbau der Trinkwasserversorgung für Rückkehrer in den Südsudan. Außerdem führt das Hilfswerk Reparaturen aller Art für UN- und andere Hilfsorganisationen aus. Darüber hinaus unterstützen 31 deutsche Soldaten die Friedensmissionen der Vereinten Nationen im Sudan, UNMIS und UNAMID. Deutsche Polizisten helfen bei der Beratung und Ausbildung lokaler Kräfte.

Entführungen werden immer häufiger

Nachdem der Internationale Strafgerichtshof im März 2009 einen Haftbefehl gegen den sudanesischen Präsidenten Omar el Baschir wegen Kriegsverbrechen in Darfur ausstellte, war es vermehrt zu Entführungen ausländischer Entwicklungshelfer gekommen. Die meisten von ihnen wurden unverletzt wieder freigelassen.

Porträt Baschir mit Logo Strafgerichtshof (Foto: dpa)

Wird per Haftbefehl gesucht: Staatschef Omar el Baschir

Im Mai allerdings wurde eine amerikanische Entwicklungshelferin verschleppt, die sich immer noch in der Gewalt ihrer Kidnapper befindet. Zuvor, Mitte März, war ein verschleppter französischer Entwicklungshelfer freigekommen, der fünf Monate in der Gewalt von Entführern verbracht hatte.


Autorin: Eleonore Uhlich (dpa, afp, rtr)
Redaktion: Hajo Felten

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