Zwölf Jahre Haft für von Weizsäcker-Mörder | Aktuell Deutschland | DW | 08.07.2020
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Justiz

Zwölf Jahre Haft für von Weizsäcker-Mörder

Fast acht Monate nach dem tödlichen Angriff auf den Mediziner Fritz von Weizsäcker ist der Angeklagte verurteilt worden. Das Berliner Landgericht berücksichtigte den psychischen Zustand des Täters.

Wegen der tödlichen Messerattacke auf den Sohn des Ex-Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker wurde Gregor S. zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt. Den Urteilsspruch nahm er mit unbewegter Miene zur Kenntnis. Der Angeklagte hatte in seinem Schlusswort noch einmal betont, er sei ein politischer Attentäter und nicht geisteskrank. Mit seinem Anschlag habe er den Staat herausfordern wollen.

Die Staatsanwaltschaft hatte 14 Jahre Haft wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung sowie die Unterbringung des 57-Jährigen in einer psychiatrischen Klinik gefordert. Eigentlich wäre bei Mord eine lebenslange Freiheitsstrafe zwingend. Die Staatsanwaltschaft berücksichtigte allerdings die verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten, die ihm im Prozess von einem Gutachter attestiert wurde.

Hass auf die von Weizsäckers

Gregor S. wurde vorgeworfen, den Arzt Fritz von Weizsäcker am Abend des 19. November 2019 in der Charlottenburger Schlosspark-Klinik mit einem gezielten Stich in den Hals ermordet zu haben. Der Angeklagte räumte die Tat bereits in der polizeilichen Vernehmung ein. Als Motiv gab er Hass auf die Familie des Getöteten an - insbesondere auf dessen Vater.

Fritz von Weizsäcker getötet worden (picture-alliance/dpa/M. Gambarini)

Der ermordete Fritz von Weizsäcker (zweiter von links) mit Schwester, Mutter und dem damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck beim Staatsakt für seinen verstorbenen Vater Richard von Weizsäcker im Februar 2015

Der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker war in den 1960er-Jahren in der Geschäftsführung des Chemieunternehmens Boehringer Ingelheim tätig. Diese war einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel" zufolge an der Herstellung des Entlaubungsmittels Agent Orange beteiligt, was der Konzern zurückweist.

Agent Orange wurde im Vietnamkrieg in großen Mengen von der US-Armee versprüht. Das hochgiftige Herbizid tötete nach Schätzungen der vietnamesischen Regierung bis zu drei Millionen Menschen. Gregor S. gibt der gesamten Familie von Weizsäcker eine Mitschuld daran und wollte sich nach eigenen Angaben dafür rächen.

Der Mediziner Fritz von Weizsäcker war nach Stationen in Freiburg, Boston und Zürich seit 2005 Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin an der Schlosspark-Klinik in Berlin. Sein Vater Richard (1920-2015) war drei Jahre lang Regierender Bürgermeister Berlins, anschließend war der CDU-Politiker Bundespräsident von 1984 bis 1994.

Vereidigung Richard von Weizsäcker 1984 (picture-alliance/dpa/H. Ossinger)

Richard von Weizsäcker bei seiner Vereidigung als Bundespräsident

hf/qu (dpa, afp)

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