Zum Tod des Erziehungspapstes Jesper Juul | Kultur | DW | 28.07.2019
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Gesellschaft

Zum Tod des Erziehungspapstes Jesper Juul

Er war Schiffsjunge, Tellerwäscher und Erziehungspapst für viele Eltern. In rund 40 Büchern brachte der Däne sein Credo auf den Punkt: "Lieben Sie Ihre Kinder doch einfach." Jetzt starb Jesper Juul mit 71 Jahren.

Wer Kinder hat, hat wahrscheinlich auch einen, wenn nicht mehrere Erziehungsratgeber Jepsers Juuls im Regal stehen. Seine zahlreichen Werke sind fast alle Bestseller und ein wenig wie Bibeln für gestresste Eltern – nicht nur in seiner Heimat Dänemark, sondern rund um den Globus. Sie tragen Titel wie "Elterncoaching: Gelassen erziehen", "Nein aus Liebe" oder "Grenzen, Nähe, Respekt: Auf dem Weg zur kompetenten Eltern-Kind-Beziehung".

Vom Tellerwäscher zum Erziehungspapst

Jesper Juul wurde am 18. April 1948 in der dänischen Hafenstadt Vordingborg geboren. Nachdem er die Schule abgeschlossen hatte, ging er zur See und arbeite als Küchenjunge. Das Geld fürs Studium verdiente er sich als Erd- und Betonarbeiter, Barkeeper und Tellerwäscher. Er schloss in Geschichte und Religion ab und arbeitete zunächst als Lehrer und Sozialpädagoge.

Bei einem Seminar lernte er den US-amerikanischen Psychiater und Familientherapeuten Walter Kempler und den dänischen Kinderpsychiater Mogens A. Lund kennen, die zu seinen Mentoren und Freunden wurden. Juul begann eine Ausbildung zum Familientherapeuten und gründete 1979 gemeinsam mit Lund, dessen Frau und in Kooperation mit Kempler das "Kempler Institute of Scandinavia", das sich der Familientherapie verschrieben hat. 25 Jahre später hob er das "Familylab" aus der Taufe, das sich auf die Beratung von Eltern in Erziehungsfragen spezialisierte. Juul wurde zum gefragten Experten, der in zahlreichen Talkshows und bei Podiumsdiskussionen ein gern gesehener Gast war. 

Jesper Juul (picture-alliance/dpa/L. Henriksen)

Immer freundlich: Jesper Juul beantwortete Eltern auch auf der Straße Erziehungsfragen

Gleiche Rechte für Eltern und Kinder 

Zentrales Thema von Juuls Arbeit sei die "Gleichwürdigkeit" gewesen, so Mathias Voelchert, Leiter des deutschen Familylab. Gemeint sei damit, dass Kinder und Schwache dieselben Rechte wie andere in der Gesellschaft hätten. "Es ist die Pflicht der Starken, für die Schwachen zu sorgen und sie nicht auszubeuten oder schlecht zu behandeln." Ähnlich äußerte sich die Pädagogin und Autorin Susanne Mierau gegenüber dem Deutschlandfunk: "Wir haben ja schon seit langer Zeit eine Bewegung dahin, dass Kinder mehr gesehen werden, dass die Bedürfnisse mehr gesehen werden", so Mierau. "Jesper Juul hat das sehr breit vermittelt, also sehr, sehr viele Menschen erreichen können mit seinen Büchern. Das hat wesentlich verändert, dass die Kinder mehr gesehen wurden."

Vor Juul habe es geheißen, Kinder müssten sich unterordnen, führt die Pädagogin aus. Der Therapeut habe dagegen gehalten und gleichzeitig klar gemacht, dass man den Weg zwischen Grenzen und Freiheit finden müsse. Sein wichtigster Rat an alle Eltern: "Lieben Sie Ihre Kinder doch einfach."

Vom "furchtbaren zum weichen Vater" 

Dass das manchmal leichter gesagt als getan ist, wenn der Nachwuchs die Nerven strapaziert, hat Juul allerdings auch eingestanden. "In den ersten Lebensjahren meines Sohnes war ich einer der furchtbarsten Väter, die man sich vorstellen kann", sagte er einmal. Er habe seinem Sprössling auch mal einen Klaps auf den Hintern verpasst. Erst mit den Jahren sei er dann ein eher weicher Vater geworden.

In den letzten Jahren saß Juul wegen einer schweren Nervenkrankheit vom Bauchnabel abwärts gelähmt im Rollstuhl, sagte Mathias Voelchert der Deutschen Presseagentur dpa. Juul habe seit Jahren starke Schmerzen gehabt, gegen die auch Medikamente nicht geholfen hätten. "Er hat jetzt sieben Jahre gekämpft, jetzt ging es nicht mehr." Der Pädagoge wurde 71 Jahre alt.

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