Zocker warten auf das nächste Krypto-Hoch | Wirtschaft | DW | 27.08.2018
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Kryptowährungen

Zocker warten auf das nächste Krypto-Hoch

Ein Einbruch beim Bitcoin und anderen Digitalwährungen hat Investoren große Verluste beschert. Einige Zocker sind aber von einer Erholung überzeugt. Voraussetzung: Die Kryptowährungen schaffen es in den Mainstream.

Einige selbsternannte Influencer in den sozialen Medien sagen den Kryptowährungen einmal mehr eine "verrückte Erholung" voraus. Doch die meisten Klein-Investoren schauen nur sehnsüchtig auf den Stand vom letzten Dezember: Fast 20.000 Dollar war der Bitocin damals wert - jetzt steht er aktuell unter 6000 Dollar. Ein ähnliches Schicksal erlitten auch Ethereum, Litecoin, Dash, Ripple und viele andere Kryptowährungen. 

War 2017 das Jahr der Digitalwährungen, sind die Gewinne in diesem Jahr bereits wieder abgeschmolzen. "Die Spekulanten bestimmen momentan den Preis", sagt der Blockchain-Spezialist Dominik Rehse vom Deutschen Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Gespräch mit der DW. "Aber es ist wirklich unmöglich zu sagen, wohin die Reise geht." Peter Hetherington, Chef der Online-Trading Plattform IG, geht in der Financial Times davon aus, dass das Interesse an den Digitalwährungen zurückgegangen ist.

Der schlechte Ruf der Kryptos

Zwar haben die Kryptowährungen etliche Befürworter in der digitalen Welt, doch im Finanzsektor ist man weiter skeptisch. Schon bei Aufkommen der Digitalwährungen verspottete man diese als Schneeballsysteme, als Kanäle des organisierten Verbrechens. Dem Bitcoin wurde sogar nachgesagt, dass der Islamische Staat damit sein Geld bewege.  Der derzeitige CEO und Chairman von JPMorgan Chase & Co. bezeichnete den Bitcoin als "Betrug", bevor er zugab, dass die Blockchain-Technologie "real" ist.

Neben den Zweiflern gibt es auch etliche etablierte Investoren, die sich zunehmend für die neuen Währungen interessieren. So hat im vergangenen Monat der US-Investment Gigant BlackRock den Aufbau einer Arbeitsgruppe zum Thema Blockchain und Digitalwährungen bekannt gegeben. Nach dieser Nachricht ging der Bitcoin um fünf Prozent nach oben. Die Akzeptanz sei ein wichtiger Schritt, für das weitere Wachstum der Digitalwährungen, sagt Dominik Rehse vom ZEW. "Es geht darum, wie Regulatoren nun auf die neue Technologie reagieren und ob sich die Kryptowährungen auch einen produktiven Nutzen haben - jenseits der Tatsache, dass sie als Zahlungsmittel außerhalb des bestehenden Finanzsystems genutzt werden."

Schon im Mai haben die Finanzminister der G20-Länder in Argentinien vereinbart, die Digitalwährungen zu einem gewissen Grad regulieren zu wollen. Einige Länder haben sich bereits bewegt: Russland diskutiert aktuell ein neues Gesetz im Parlament. Japan plant laut Rehse eine eigene Digitalwährung für die Olympischen Sommerspiele in Tokio im Jahr 2020. Viele andere Länder - darunter auch Deutschland - blieben zögerlich, den Digitalwährungen Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen sie wachsen könnten. "Die Regierungen sollten aufpassen, dass sie diese Innovation nicht verschlafen, die weite Teile der Wirtschaft antreibt", so Rehse.

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Verschlüsseltes Geld – realer Wert

Wichtigste Voraussetzung: Stabilität

Die gewaltigen Kursausschläge dieses Jahres sind eine stärkere Form dessen, was auch den Aktienmärkten widerfahren ist. Die Gefahr eines globalen Handelskrieges und die Unsicherheiten über die Wachstumsaussichten verschiedener Tech-Firmen in den USA haben die Aktienkurse in Bewegung versetzt, allerdings in geringerem Ausmaß.

Damit Kryptowährungen eine größere Akzeptanz erlangen, muss ihre Volatilität eingeschränkt werden - dafür könnten sowohl Regulierungen sorgen als auch ein verstärktes Engagement globaler Player auf den Finanzmärkten. "Es geht Kryptowährungen wie Ländern mit hohen Inflationsraten, die oft mit instabilen Währungskursen zu kämpfen haben. Damit sie zu allgemein akzeptierten Zahlungsmitteln werden können, müssen sie stabiler werden", sagt Rehse.

Es werden nur wenige bleiben

Seit der Einführung der Bitcoins sind etwa 1000 ähnliche digitale Währungen bereits auf der Strecke geblieben. Trotzdem gibt es noch immer etwa 2000 Kryptowährungen, was viele Experten dazu verleitet, eine Konsolidierung in naher Zukunft vorherzusagen. Immerhin haben, so die Financial Times, nur 15 Zahlungsmittel einen Marktkapitalisierungswert von mehr als einer Milliarde Dollar.

Dominik Rehse vom ZEW warnt, dass Cyber-Kriminelle eine der großen Währungsplattformen angreifen könnten. Zum Beispiel Etherum, auf dessen Technologie viele andere digitale Anwendungen basieren - das könnte "all diese Währungen veraltet dastehen lassen".

Gleichzeitig dürfte der immense Energieverbrauch der meisten Blockchains beim "Schürfen" und Verwalten der Währungen reguliert werden. Das könnte für viele Währungsplattformen das Aus bedeuten.

Die Krypto-Unternehmer hoffen, dass nicht etwa Interventionen von Regierungen oder Regulierungen das Geschäft verändern, sondern dass neue Erfindungen zu neuem Wachstum führen. "Jede neue Technologie, die den Energieverbrauch von Blockchains reduziert", sagt Rehse voraus, "wird zu neuem Interesse an Kryptowährungen führen und die Zzahl neuer Münzen ansteigen lassen."

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