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Zentralafrikanische Republik vor demokratischem Test

Mimi Mefo
26. Dezember 2025

Vor Vierfachwahlen wirbt Zentralafrikas Präsident Touadera mit einer besseren Sicherheit nach Jahren des Bürgerkriegs. Doch Kritiker mahnen, das Land zahle einen hohen Preis.

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Zentralafrikanische Republik | Präsident Faustin Archange Touadéra steht vor einem Mikrofon auf einem Podium, er trägt ein weißes Hemd und eine weiße Kappe
Wahlen in der Zentralafrikanischen Republik: Präsident Faustin Archange Touade´ra kündigt seine Kandidatur für eine dritte Amtszeit anBild: Jean-Fernand Koena/DW

Die Zentralafrikanische Republik steht vor einer wichtigen Vierfachwahl am 28. Dezember 2025. Das Volk ist aufgerufen, an einem Tag einen Präsidenten und nationale Abgeordnete zu wählen, gleichzeitig finden Regional- und Lokalwahlen statt.

Dies ist eine logistische und politische Herausforderung für ein Land, das seit Langem von Konflikten und externen Interventionen geprägt ist. Die Wahl findet zudem vor dem Hintergrund einer fragilen wirtschaftlichen Erholung und einer zunehmend komplexen geopolitischen Lage statt.

Im Mittelpunkt des Wahlkampfs steht der amtierende Präsident Faustin-Archange Touadera, der nach den 2023 verabschiedeten Verfassungsänderungen seine dritte Amtszeit anstrebt.

"Schauen Sie sich die Situation im Jahr 2016 an, als ich mein Amt antrat", sagte Touadera in einem Exklusivinterview mit der DW. "Es gab keine staatliche Autorität im ganzen Land. Man konnte ohne Begleitschutz nicht auf die Straße gehen. Unsere Verteidigungskräfte waren nicht existent. Heute sehen wir ein Land, das sich allmählich erholt, das den Kopf wieder hebt." 

Zentralafrikanische Republik Wahlkampf 2020: Menschenmenge, Wahlplakat "Touadera en marche - Espoir de la jeunesse"
Die Glaubwürdigkeit von Wahlprozessen in der Zentralafrikanischen Republik (hier eine Wahlkampf-Veranstaltung 2020) ist umstritten, das gilt auch für die Wahl am 28. Dezember 2025Bild: Xinhua News Agency/picture alliance

Ausländische Unterstützung: ein umstrittenes Thema

Touadera baute seine gesamte Kampagne auf den Sicherheitsgewinnen auf, die er mit der Unterstützung internationaler Partner wie den Vereinten Nationen, aber auch mithilfe bilateraler Verbündeter wie Russland und Ruanda erzielt hatte.

Während die Regierung diese Allianzen als unverzichtbar für die Wiederherstellung der staatlichen Autorität darstellt, warnen Kritiker, die starke Abhängigkeit von ausländischer Unterstützung drohe, den politischen Spielraum im Land weiter einzuschränken und einen ohnehin schon umstrittenen Wahlprozess zu verkomplizieren.

Sicherheit im Mittelpunkt der Kampagne von Touadera

"Der Kampf für Frieden und Sicherheit ist noch nicht vorbei", hatte Touadera vor Tausenden seiner Anhänger in einem vollbesetzten Stadion in Bangui erklärt. Bei seinem Wahlkampfauftakt versprach er, die Streitkräfte weiter zu stärken, um die nationale Einheit zu bewahren.

In seinem Interview mit der DW bekräftigte der Präsident diese Botschaft: "Wir sind von 5000 Soldaten auf heute mehr als 23.000 angewachsen", sagte er und fügte hinzu, dass die zentralafrikanischen Truppen nun gemeinsam mit internationalen Partnern wie der UN-Mission MINUSCA operierten.

Touadera bezeichnete dies als eine "dauerhafte Veränderung der Sicherheitslage", räumte jedoch ein, dass in Gebieten wie Haut-Mbomou weiterhin Unsicherheit herrsche. 

Zentralafrikanische Republik: Vertrieben im eigenen Land

Der Staatschef bezeichnete die verbleibenden bewaffneten Gruppen im Land als "Banditen" und versprach, dass "die Kräfte der öffentlichen Ordnung sich ihnen entgegenstellen werden, um die Bevölkerung zu schützen".

Touadera hob auch den Erfolg der laufenden Entwaffnungsbemühungen als Beweis für den Fortschritt in der Zentralafrikanischen Republik hervor.

"Wir hatten 14 bewaffnete Gruppen identifiziert. Heute haben elf bewaffnete Gruppen ihre Selbstauflösung erklärt", betonte er und argumentierte, dass diese Friedensinitiative die Voraussetzungen für eine weitere Erholung geschaffen habe.

Wiederholte Forderungen nach Veränderung

Der Optimismus des Präsidenten wird unterdessen von seinem Hauptkonkurrenten Anicet-Georges Dologuele heftig angefochten.

Dologuele, der Touadera sowohl bei den Präsidentschaftswahlen 2016 als auch 2020 unterlag, hat den Behörden vorgeworfen, vergangene Wahlen manipuliert zu haben.

Für ihn ist die bevorstehende Wahl ein Kampf gegen das, was er als systematischen Betrug bezeichnet. "Jeder weiß, dass es Diebstahl war - zwei Diebstähle", sagte er gegenüber der DW. "Was ich jetzt tun muss, ist, mir meinen Sieg nicht mehr stehlen zu lassen."

Dologueles Wahlkampf wurde jedoch von einer Reihe rechtlicher und administrativer Streitigkeiten überschattet: Er musste seine französische Staatsbürgerschaft aufgeben, um den neuen verfassungsrechtlichen Anforderungen zu entsprechen. Demnach dürfen Kandidaten nur die Staatsbürgerschaft der Zentralafrikanischen Republik besitzen.

Später entzogen ihm Gerichte auch seinen zentralafrikanischen Pass, was zu einer Beschwerde bei der Behörde für Menschenrechte der Vereinten Nationen führte. Trotzdem bleibt er zumindest vorerst auf dem Stimmzettel. 

Zentralafrikanische Republik | Ein Wähler steckt seinen Stimmzettel in eine Wahlurne
Ein Referendum in 2023 über eine neue Verfassung machte die dritte Amtszeit für Präsident Faustin Touadera erst möglichBild: Barbara Debout/AFP

Opposition setzt stark auf Wirtschaftsthemen

Dologuele beschreibt die Wahl als eine "Entscheidung über das Überleben der Nation, eine Entscheidung zwischen Resignation und Hoffnung". Hauptthema seiner Kampagne ist die Wirtschaftslage, für die er die jetzige Regierung verantwortlich macht: "Wir haben keine Wirtschaft mehr. Was ist das für ein Land, das nichts produziert und nichts exportiert?", so Dologuele gegenüber der DW.

Solche Kritikpunkte an der Regierung sind neues Feuer für die Forderungen der Opposition, die Wahlen zu verschieben. Bereits zuvor hatten Meldungen über schleppende Vorbereitungen und Zweifel an der Nationalen Wahlbehörde (ANE) Rufe nach einer Verschiebung laut werden lassen. Eine breite Koalition von Oppositionsparteien, der "Republikanische Block zur Verteidigung der Verfassung vom März 2016", hat sogar einen Boykott der Wahlen angekündigt, weil sie diese als nicht transparent genug bezeichnet.

Während die ANE darauf besteht, für die Durchführung der Wahlen bereit zu sein, betonen Oppositionsgruppen, ungelöste logistische und Transparenzprobleme und eine schlechte Information der Wahlberechtigten könnten die Glaubwürdigkeit der Endergebnisse untergraben.

Junge Wähler zwischen Hoffnung und Enttäuschung

Die bevorstehenden Wahlen in der Zentralafrikanischen Republik haben auch für junge Wähler, von denen viele zum ersten Mal ihre Stimme abgeben dürfen, eine besondere Bedeutung. Nach Angaben der Wahlbehörde werden voraussichtlich rund 2,3 Millionen Wähler an der Wahl teilnehmen, darunter fast 750.000 - ein knappes Drittel - neu registrierte Wähler.

In Bangui sprach die DW mit jungen Menschen, die ihrer Frustration Luft machten - aber auch vorsichtige Hoffnung zum Ausdruck brachten. "Unser Anliegen ist es vor allem, Stabilität zu erreichen, damit die Behörden günstige Bedingungen für die Söhne und Töchter des Landes schaffen können, damit sie arbeiten können", sagte Brunel, ein angehender Schmuckhersteller am Kunsthandwerkszentrum von Bangui.

An der Universität von Bangui betonte die Studentin Leslie Monika die Notwendigkeit einer Bildungsreform. "Ich möchte, dass das Bildungsministerium mehr Strenge walten lässt, um Korruption zu bekämpfen und Bildung wirklich wertzuschätzen", sagte sie und warnte, schwache Institutionen und mangelnde Unterstützung für junge Menschen würden die Jugend dazu drängen, ihr Glück im Ausland zu suchen.

Für andere, wie den jungen Metallarbeiter Icome Ikar, sind Sicherheit und Arbeitsplätze zwei untrennbare Seiten derselben Medaille, die gleichermaßen angegangen werden müssen. "Wenn das Land sicher ist, können wir ordentlich arbeiten und unsere Familien ernähren", sagte er der DW. 

Zentralafrikanische Republik 2025 | Jean-Pierre Lacroix, UNO-Untergeneralsekretär für Friedensoperationen, im Interview
Die Sicherheitslage in der Zentralafrikanischen Republik hat sich laut UN-Untergeneralsekretär Jean-Pierre Lacroix deutlich verbessertBild: Jean-Fernand Koena/DW

UN sieht "bedeutende Fortschritte"

Die Wahlen werden unter Beobachtung der MINUSCA stattfinden. Sie gibt an, während der Wahlen auch logistische Unterstützung und Sicherheit gewährleisten zu wollen.

Bei seinem Besuch in Bangui Ende November äußerte sich Jean-Pierre Lacroix, Untergeneralsekretär der Vereinten Nationen für Friedenssicherungseinsätze, vorsichtig optimistisch und erklärte: "Die Sicherheitslage hat sich verbessert; es wurden bedeutende Fortschritte erzielt."

Die Durchführung glaubwürdiger Wahlen würde dazu beitragen, "die Grundlagen für Entwicklung und wirtschaftlichen Fortschritt zu festigen und damit allen Zentralafrikanern, insbesondere den jungen Menschen, Perspektiven zu eröffnen", fügte er hinzu.

Seit der Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1960 hat die Zentralafrikanische Republik wiederholte Staatsstreiche, Rebellionen und Bürgerkriege erlebt. Die Wahl am 28. Dezember wird weithin als Test dafür angesehen, ob das Land zu dauerhafter Stabilität gelangen kann – oder ob es das Risiko einer Vertiefung der politischen Spaltung eingeht.