Zehntausende demonstrieren gegen Festnahme | Aktuell Asien | DW | 11.07.2020
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Russland

Zehntausende demonstrieren gegen Festnahme

In der russischen Region Chabarowsk sind die Bürger empört: Der Geheimdienst hat ihren Gouverneur abgeholt. Es ist nicht das erste Mal, dass ranghohe Staatsbeamte unerwartet tief fallen. Doch die Gegenwehr ist neu.

Zehntausende Menschen haben gegen die Festnahme des Regionalgouverneurs von Chabarowsk, Sergej Furgal, demonstriert. In der gleichnamigen Stadt sprachen Beobachter von den größten Protesten seit Jahren. Auch andernorts gingen zahlreiche Menschen in der Region im äußersten Osten Russlands auf die Straße.

Kundgebungsteilnehmer riefen "Freiheit", "Moskau, geh weg!" und "Putin ist ein Dieb". Mindestens 40.000 Unterschriften stehen inzwischen unter einer Petition zur Freilassung des Gouverneurs. Dessen Sprecherin, Nadeschda Tomtschenko, dankte auf Instagram für die Unterstützung und ermutigte die Demonstranten: "Wir sind sicher, dass sie erhört werden." Selten habe die Region eine solche Einmütigkeit erlebt.

Vorwurf: Auftragsmord

Furgal war am Donnerstag von Mitarbeitern des Inlandsgeheimdienstes FSB abgeholt worden. Am Freitag hatte ein Gericht in Moskau Untersuchungshaft angeordnet. Dem 50-Jährigen wird angelastet, er habe vor 15 Jahren mehrere Morde an Geschäftsleuten in Auftrag gegeben. Er selbst bestreitet alle Vorwürfe.

Russland Noskau | Prozess Sergej Furgal, Gouverneur Chabarowsk (Getty Images/AFP/D. Dilkoff)

Regionalgouverneur Sergej Furgal am Freitag in Moskau

Seit 2018 ist Furgal oberster Beamter der Region. Damals hatte er bei der Gouverneurswahl fast 70 Prozent der Stimmen geholt und den Kandidaten der Kremlpartei Einiges Russland besiegt. Vor allem Furgals Partei, die ultranationalistische LDPR von Wladimir Schirinowski, sieht ein politisches Vorgehen gegen ihren Politiker und vermutet, er könnte den Machthabern in Moskau ein Dorn im Auge sein.

Immer wieder gab es in Russland zuletzt Prozesse gegen ranghohe Staatsbeamte, auch gegen Mitglieder der Kremlpartei. Allein in diesem Jahrzehnt wurden mindestens zehn Gouverneure zu Gefängnisstrafen verurteilt oder sie sitzen noch in Untersuchungshaft.

jj/qu (dpa, afp)

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