Zehn Jahre Deutsch-Vietnamesische Hochschule | Asien | DW | 07.09.2018
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Asien

Zehn Jahre Deutsch-Vietnamesische Hochschule

Die Deutsch-Vietnamesische Hochschule (VGU) in Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) feiert dieser Tage zehnjähriges Bestehen. Stephan Geifes vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) zieht eine Bilanz dieser Kooperation.

DW: Welches sind einige der Kennziffern, um sich eine Vorstellung vom Umfang und Schwerpunkt dieser deutsch-vietnamesischen Zusammenarbeit im Hochschulbereich zu machen?

Geifes: Die deutsch vietnamesische Hochschule hat in den zehn Jahren, die sie jetzt existiert, über 700 Absolventen hervorgebracht, im Wesentlichen in den Ingenieurwissenschaften. Diese Zahl ist gut, wenn Sie bedenken, dass es überwiegend Masterstudierende sind und dass die Masterstudiengänge klein sind. Es ist keine Massenuniversität, sie hat zurzeit rund 1400 Studierende.

Es ist eine deutsch-vietnamesische Universitätsgründung nach vietnamesischem Recht, die zunächst mit ein paar Studiengängen angefangen hat und zurzeit elf Studiengänge mit Bachelor- und Master-Abschluss anbietet. Für ihren Ausbau hat sie von der Weltbank einen 200-Millionen-Dollar-Kredit bekommen und ist gerade dabei, einen Campus für 5000 Studierende zu bauen.

Stephan Geifes (DAAD)

Stephan Geifes, Bereichsleiter Transnationale Bildung und Kooperationsprogramme des DAAD

Was ist das Besondere an dieser Art der Hochschulkooperation?

Es ist eine bi-nationale Hochschule, von denen es weitere auf der Welt gibt - an etwa zehn ist Deutschland beteiligt. Das Besondere daran ist, dass es Hochschulen lokalen Rechts sind, also vietnamesisch, ägyptisch usw., dass aber die Lehrinhalte aus Deutschland stammen und gemeinsam mit Deutschland verantwortet werden.

Das Besondere an der VGU ist, dass alle Absolventen einen deutschen Abschluss bekommen. Jeder Studiengang wird von einer deutschen Hochschule verantwortet, es ist ein deutsches Curriculum, das an die vietnamesischen Bedürfnisse angepasst wird. Anfangs wurde überwiegend von deutschem Lehrpersonal unterrichtet und dann sukzessive von vietnamesischem, das nach deutschen Qualitätskriterien berufen wird.

Bi-nationale Hochschulen sind ein besonderes Merkmal deutschen Engagements im Bereich transnationaler Bildung. Dahinter steckt, dass jetzt Bildungsinhalte mobil zu Studierenden sind, und nicht mehr nur die Studierenden mobil zu den Bildungsinhalten, dass also die Vietnamesen nicht zwingend nach Deutschland kommen müssen, um von den hiesigen Angeboten zu profitieren. Gleichzeitig steigt die Zahl der Vietnamesen, die nach Deutschland zum Studium kommen, weiterhin an. Ich würde sogar die These vertreten, dass die Präsenz der deutsch-vietnamesischen Hochschule die Attraktivität des Studienstandorts Deutschland in Vietnam nochmal verstärkt hat.

Vietnam Saigon Studierende der VGU (VGU)

Freude über deutschen Uni-Abschluss in Vietnam

Was ist mit dem vielzitierten Brain-Drain, also der Abwanderung qualifizierter Kräfte aus den Ländern, die eigentlich von ihnen profitieren sollten?

Ich glaube, dass bi-nationale Hochschulen oder überhaupt transnationale Bildungsangebote ein sehr gutes Instrument gegen den Brain-Drain sind und eher für das, was man "Brain Circulation" nennen könnte. In unserem Fall bleiben die Studierenden in einer entscheidenden Lebensphase in Vietnam, so dass sich die Frage der Rückkehr nicht stellt. Das heißt, die bi-nationale Hochschule ist eine Form der Kooperation, die weder auf Brain Drain abzielt noch ihn befördert.

Natürlich gibt es Studierende, die nach dem Master-Abschluss in Vietnam an der deutschen Partnerhochschule promovieren. Das ist auch gewollt und ist auch einer der Gründe, warum sich deutsche Hochschulen hier so sehr engagieren, weil sie Doktoranden für gemeinsame Promotionen gewinnen wollen. Aber auch eine Promotion ist nicht unbedingt der Einstieg, um in Deutschland zu bleiben, viele davon gehen dann auch wieder zurück.

Inwiefern profitiert auch die deutsche Seite von dieser Kooperation?

Deutschland profitiert in mehrfacher Weise. Einmal wird dadurch die Internationalisierung der deutschen Hochschulen gestärkt, da deutsche Hochschullehrer im Ausland lehren und Erfahrung mit ausländischen Studierenden gewinnen, was wiederum dieser Gruppe in Deutschland zugute kommen kann.

Gefördert werden auch die wissenschaftlichen Interessen der deutschen Hochschulen, die über diese Studiengänge mit ihren vietnamesischen Partnern Forschungsprojekte anschieben und Promotionen betreuen und Doktoranden gewinnen. Und schließlich sind diese Absolventen auch von der deutschen Wirtschaft in Vietnam nachgefragt. Es gibt deutsche Unternehmen in Vietnam, Adidas zum Beispiel, die Stipendien für das Studium an der VGO vergeben, weil sie Absolventen bekommen, die den deutschen Qualifikationsansprüchen entsprechen.

Vietnam Saigon Studierende der VGU (VGU)

Bei jungen Vietnamesen beliebt - Ausbildung nach deutschen Lehrplänen

Was können Sie zur Zusammenarbeit mit der Vietnam generell sagen, in dem ein von Deutschland völlig verschiedenes politisches System herrscht?

Natürlich ist nichts reibungslos. Aber es kommt darauf an, was im Endergebnis herauskommt. Und es gibt einen starken Willen der vietnamesischen Seite, diese Hochschule zum Erfolg zu führen. Als die VGU gegründet wurde, hat Vietnam auch verschiedene andere bi-nationale Hochschulen ins Land geholt, unter anderem aus Frankreich. Das Ziel war, "New Model Universities" zu schaffen, die auch ein bisschen miteinander in Konkurrenz gesetzt wurden, um zu gucken, was bringen diese Länder mit und was ist da übertragbar auf das vietnamesische Hochschulwesen. Neulich ist auch eine vietnamesisch-japanische Hochschule gegründet worden.

Vietnam war mit diesem Vorgehen, jedenfalls vor zehn Jahren noch, international ziemlich weit voraus. Jetzt macht das auch beispielsweise Ägypten, das 100.000 neue Studienplätze schaffen will, aber nicht mit einer neuen, kaum zu steuernden Mega-Uni wie in Kairo mit bis zu 400.000 Studierenden, sondern das auf zehn bi-nationale Hochschulen verteilen will.

Stephan Geifes ist beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) zuständig für den Bereich transnationale Bildung und Kooperationsprogramme.