ZDF soll nicht mehr aus Türkei berichten | Aktuell Europa | DW | 01.03.2019
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Pressefreiheit

ZDF soll nicht mehr aus Türkei berichten

Unter den Auslandskorrespondenten, die in der Türkei auf einen neuen Presseausweis warten, sind auch bekannte Gesichter. Manche Journalisten arbeiten seit Jahrzehnten dort. Das Auswärtige Amt macht Druck.

ZDF-Landeszentrale Bayern neu (picture-alliance/dpa/A. Gebert)

ZDF-Gebäude in München (Symbolbild)

Die Türkei lässt den Auslandskorrespondenten des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) nicht länger von dort berichten. Jörg Brase, der das Studio Istanbul leitet, habe keine Akkreditierung mehr erhalten, teilte der Sender in Mainz mit. Eine Begründung sei nicht genannt worden. "Die Türkei entzieht dem ZDF damit die Möglichkeit der Berichterstattung", erklärte die stellvertretende Chefredakteurin Bettina Schausten. Nachdem das ZDF Jahrzehnte in Istanbul vertreten war, sei dies "vollkommen unverständlich".

Schausten kündigte an, Widerspruch einzulegen. Sie wies darauf hin, der Sender stimme sein Vorgehen mit dem Auswärtigen Amt in Berlin ab. Das Ministerium teilte unterdessen mit, Staatssekretär Andreas Michaelis habe ein Telefonat mit dem türkischen Botschafter in Berlin geführt. Darin habe er "nachdrückilch gegen die Entscheidung der türkischen Behörden protestiert" und eine Rücknahme gefordert, sagte Außenamtssprecherin Maria Adebahr.

Nach 22 Jahren unerwünscht

Insgesamt warten rund 80 ausländische Journalisten in der Türkei auf einen neuen Presseausweis - nachdem die alten Akkreditierungen zum Jahresende abliefen. Unter ihnen sind zahlreiche Deutsche. Einige arbeiten bereits seit Jahrzehnten im Land wie Thomas Seibert, der für den Berliner "Tagesspiegel" schreibt. Seibert war 22 Jahre durchgehend in der Türkei akkreditiert. Auch er will sich gegen die Entscheidung der Behörden wehren.

Regierungssprecher Steffen Seibert betonte die hohe Bedeutung der Meinungs- und Pressefreiheit. Er hob hervor, in Deutschland sei kritische Berichterstattung "zu keiner Zeit ein Ablehnungsgrund" für eine Akkreditierung von Journalisten.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) hatte am Donnerstag erklärt, die Türkei müsse umgehend dafür sorgen, dass Korrespondenten aus anderen Ländern dort frei arbeiten können. ROG-Geschäftsführer Christian Mihr sagte, Journalisten die Akkreditierung zu verweigern, sei "ein dreister Versuch, unabhängige Auslandsberichterstattung einzuschränken". Die Akkreditierung gilt in der Türkei als Arbeitserlaubnis, sie ist aber auch Voraussetzung für eine Aufenthaltsgenehmigung.

Aus dem Land gedrängt

Die türkischen Medien stehen seit langem unter Druck, aber auch für Auslandskorrespondenten werden die Bedingungen immer schwieriger. So verließ beispielsweise "Stern"-Korrespondent Raphael Geiger im Jahr 2017 die Türkei, weil sein Verlängerungsantrag weder abgelehnt noch positiv beschieden wurde. Im Jahr zuvor wurde der "Spiegel"-Korrespondent Hasnain Kazim auf diese Weise gezwungen, die Türkei zu verlassen.

jj/uh (afp, tagesspiegel)

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