″Zahlreiche Fragen″ nach Susannas Tod | Aktuell Deutschland | DW | 08.06.2018
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Gewaltverbrechen

"Zahlreiche Fragen" nach Susannas Tod

Der gewaltsame Tod einer 14-Jährigen aus Mainz ist nicht nur ein erschütterndes Verbrechen. Der Fall ist politisch hochbrisant, denn es gab Warnzeichen. Und der Tatverdächtige konnte sich wohl in den Irak absetzen.

Deutschland | Todesfall Susanna, Wiesbaden (picture-alliance/dpa/B. Roessler)

Kerzen vor dem Haus von Susannas Mutter in Mainz

Vergewaltigt, getötet, verscharrt - das Schicksal von Susanna macht traurig und wütend. Durch die grausame Tat dürfte zudem die Debatte um kriminelle Flüchtlinge und den Umgang mit abgelehnten Asylbewerbern neue Nahrung bekommen.

Nachdem die Ermittlungsbehörden zunächst von zwei mutmaßlichen Tätern ausgingen, steht nach neuen Erkenntnissen nun ein Geflüchteter unter dringendem Tatverdacht: ein 20 Jahre alter Iraker. Ein Türke, ebenfalls Asylbewerber, war zunächst festgenommen, aber noch am Donnerstagabend wieder freigelassen worden. Der dringende Tatverdacht gegen den 35-Jährigen habe sich nicht erhärtet, teilte die zuständige Staatsanwaltschaft in Wiesbaden mit.

Ungehinderte Ausreise

Der Iraker soll sich Anfang Juni in seine Heimat abgesetzt haben. Ali B. sei mit seiner Familie von Düsseldorf aus erst nach Istanbul in der Türkei und von dort aus weiter nach Erbil im Nordirak geflogen, heißt es. Die Flugtickets seien dabei auf andere Namen ausgestellt gewesen, berichtete Wiesbadens Polizeipräsident Stefan Müller. Ein Abgleich mit den Namen auf ihren Aufenthaltsgenehmigungen habe nicht stattgefunden.

Ali B. war im Herbst 2015 nach Deutschland gekommen, er wurde seitdem bereits mehrfach polizeilich auffällig. Auch war er kürzlich schon verdächtigt worden, ein elfjähriges Mädchen vergewaltigt zu haben. Der Vorwurf habe sich dann aber nicht erhärten lassen, so die Behörden.

"Abscheulich"

Die Leiche der seit mehr als zwei Wochen vermissten Jüdin Susanna war am Mittwoch in einem schwer zugänglichen Gelände bei Wiesbaden-Erbenheim gefunden worden. Nach der Obduktion müsse von einem Sexual- und Gewaltverbrechen ausgegangen werden, sagte Oberstaatsanwalt Oliver Kuhn. Die 14-Jährige sei durch "Gewalteinwirkung auf den Hals" getötet worden.

Eine Reihe von Politikern verschiedener Parteien äußerte sich bestürzt über die Tat und die Flucht des mutmaßlichen Täters. FDP-Chef Christian Linder sagte der "Bild"-Zeitung, das "abscheuliche Verbrechen" werfe "zahlreiche Fragen" auf: "Warum konnte der Täter samt Familie offenbar unter falschem Namen ausreisen?"

Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock forderte, "der oder die Täter müssen mit der ganzen Härte des Rechtsstaats bestraft werden". Es dürfe sich aber auch niemand "anmaßen, den Tod dieses Mädchens zu missbrauchen, um Hass zu säen".

Leichenfundstelle in Wiesbaden (picture-alliance/dpa/A. Dedert)

In einem Gebüsch wurde die seit dem 22. Mai vermisste Susanna entdeckt

AfD-Fraktionschefin Alice Weidel machte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für das Gewaltverbrechen mitverantwortlich und forderte den Rücktritt der gesamten Bundesregierung. Susanna sei ein "weiteres Opfer der heuchlerischen und egoistischen Willkommenspolitik" der Kanzlerin, sagte sie in einem über Twitter verbreiteten Video. Der tatverdächtige Iraker sei 2015 "mit dem Asylansturm" ins Land gekommen, nach Recht und Gesetz hätte er niemals einreisen dürfen und Deutschland längst verlassen müssen, betonte Weidel.

wa/haz (dpa, afp)

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