Zölle und deutsche Autos ″made in the US″ | Wirtschaft | DW | 24.05.2018
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Welthandel

Zölle und deutsche Autos "made in the US"

Nun also Autos für den Import in die USA. Der Präsident lässt prüfen, ob für sie Zölle in Höhe von bis zu 25 Prozent gelten sollen. Aber wen soll das eigentlich treffen? Deutsche Auto-Konzerne bauen ja auch in den USA.

Vielleicht hätte Donald Trump vor seiner jüngsten Ankündigung in Sachen Strafzoll erst einmal eine Reise in den Südosten seines Landes antreten sollen. Ein paar Hundert Meilen sind es nur von einem deutschen Autohersteller zum anderen. Daimler, Volkswagen und BMW haben sich hier, in den Bundesstaaten Tennessee, Alabama und South Carolina, niedergelassen, und was machen sie dort? Sie bauen deutsche Autos "made in USA" .

Ob die auch gemeint waren, als es um die Gefahr für die nationale Sicherheit ging, die durch die große Anzahl ausländischer Autos auf den Straßen Amerikas ausgehen soll, ist nicht ganz klar. Mit dem Rückgriff auf den Paragrafen, der die Abkehr von Gefahren für die nationale Sicherheit regelt, begründet die US-Regierung jedenfalls das Ansinnen, neue hohe Zölle auf Autos zu erheben, die aus dem Ausland eingeführt werden.

Produzenten vor Ort 

Ein Blick in die Statistik zeigt aber, dass nicht alles ausländisch ist, was in den USA nach Daimler, BMW und Co. aussieht. Die deutschen Hersteller - als hätten sie Trump kommen sehen - haben in den vergangenen Jahren ihre Produktion in den USA ordentlich ausgebaut. Allein von 2009 bis 2016 vervierfachten sie die Zahl der im Land gebauten Autos nahezu. Zuletzt waren es mehr als 800.000. Europäische Hersteller insgesamt fertigten nach Zahlen des Marktforschers Autodata rund 30 Prozent ihrer 2017 in den USA verkauften Fahrzeuge vor Ort. Deutlich mehr sind das bei Japanern und Koreanern, sie produzieren 70 Prozent ihrer Autos dort.

Großes Gewicht für die deutsche Branche haben zudem die deutschen Zulieferer, auch sie engagieren sich seit Jahren auf dem US-Markt als Produzenten vor Ort. Im Laufe von zwei Jahrzehnten haben sie die Zahl eigener Fabriken im Land auf 265 gesteigert, bilanzierte der deutsche Verband der Automobilindustrie VDA.

BMW Werk in Spartanburg (BMW AG)

BMW Werk in Spartanburg im US-Bundesstaat South Carolina

Damit beschäftigen die Deutschen in ihrer Branche in den USA alles in allem gut 115.000 Menschen. Fast ein Drittel von ihnen baut deutsche Autos in den US-Fabriken von Volkswagen und all den anderen. Sie fertigen dabei mehr Autos in den USA, als aus Deutschland importiert werden. Und sie bauen mehr als Autos, als sie auf dem US-Markt absetzen: Rund 430.000 Autos exportieren sie wieder aus den USA heraus.

Auch Mexiko und Kanada?

Die dürften nun nach aller Vernunft nicht von neuen Zöllen getroffen werden. Wohl aber die insgesamt rund eine Million Autos deutscher Produzenten, die etwa 2016 in die USA eingeführt wurden. Davon kamen zwar nur knapp 500.000 aus Deutschland selbst - übrigens ein Viertel weniger als noch 2013 - aber deutsche Hersteller bauen ihre Autos längst auch in Kanada oder vor allem Mexiko. Von dort gehen sie in die USA. Die beiden Länder will Trump zu einer Neufassung des NAFTA-Freihandelsabkommens bewegen - auch sie wären von den Autozöllen betroffen. 

Infografik Autoimporte in die USA 2017 DE

 

Die USA sind für die deutschen Autobauer der wichtigste Markt nach China. Noch größer ist das Gewicht, das der US-Markt für Hersteller aus Japan hat. Toyota hat in den USA einen Marktanteil von 14 Prozent - mehr als jeder andere ausländische Autokonzern. Auch der japanische Honda-Konzern kommt noch auf 9,3, Prozent. Alle deutschen Autobauer zusammen bringen es derweil auf einen US-Marktanteil von etwas mehr als sieben Prozent - egal ob die Autos in Deutschland, Mexiko oder eben den USA gebaut sind.

Kein Wunder, dass die Börsen ziemlich unwirsch auf die neuesten Autopläne Trumps reagierten. Autowerte gerieten unter die Räder: Aktien von Mazda verloren in Tokio mehr als fünf Prozent. Toyota gaben drei Prozent nach. "Die Stimmung im Autosektor ist mies", sagte Takashi Ito von Nomura Securities. Das traf auch die Lage in Frankfurt, hier starteten die deutschen Autowerte entsprechend schlecht in den Tag: Die Papiere von BMW bis zu 3,1 Prozent schwächer, bei Daimler lag das Minus bei etwa 2,2 Prozent. Auch für VW ging es abwärts, die Vorzugsaktien knickten zunächst um rund 1,9 Prozent ein.

Dieselgate (picture-alliance/dpa/F. Gentsch)

Auch VW-Aktien knickten ein

"Die Stimmung ist mies"

Die deutsche Autobranche zeigte sich "nicht überrascht", so VDA-Präsident Bernhard Matthes. Man besorge die Entwicklung aber "mit Sorge". Tatsächlich wären die möglichen US-Autozölle für Deutschland durchaus teuer. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt würde um etwa 5,0 Milliarden Euro niedriger liegen als bei den derzeit geltenden Zöllen, wie das ifo Institut in München berechnet hat. Das sind 0,16 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts. "Kein Land hätte höhere absolute Verluste durch einen solchen Zoll zu befürchten als Deutschland", sagt Gabriel Felbermayr, Leiter des ifo Zentrums für Außenhandel.

Allerdings raten Experten auch dazu, die Kirche im Dorf zu lassen, wenn es um die tatsächlichen Gefahren für die deutschen Autobauer durch den Trump-Vorstoß geht. "USA war einmal das Zentrum für die Autobranche", urteilt etwa der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. "Diese Zeiten sind längst vorbei und werden nicht wieder kommen."

"Insgesamt sind die USA in den letzten Jahren für die deutschen Autobauer unwichtiger geworden", so Dudenhöffer. Noch würden etwa zehn Prozent der Fahrzeuge von Daimler und BMW in den USA verkauft. Im VW-Konzern seien es deutlich weniger als zehn Prozent. "Dabei wird in den nächsten Jahren die Bedeutung der USA weiter schrumpfen, denn der Markt ist gesättigt und hat kein Wachstumspotential." Die Wachstumsmärkte liegen heute, so sieht es der Experte, in China und Indien.

ar/bea (dpa, rtr – VDA)

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