World-Vision-Chef finanzierte Hamas mit Millionen | Aktuell Nahost | DW | 04.08.2016
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Aktuell Nahost

World-Vision-Chef finanzierte Hamas mit Millionen

Westliche Hilfsgelder sollten in humanitäre und landwirtschaftliche Projekte im Gazastreifen fließen. Stattdessen wurde wohl die radikale Hamas finanziert. Der palästinensische Chef von World Vision wurde nun angeklagt.

Chef der Hilfsorganisation World Vision im Gazastreifen, Mohammed el-Halabi (Foto: Reuters/D. Grunshpan)

Schwere Vorwürfe gegen den Chef der Hilfsorganisation World Vision in Gaza, Mohammed el-Halabi

Der palästinensische Chef der Hilfsorganisation World Vision im Gazastreifen, Mohammed el-Halabi, soll über Jahre westliche Hilfsgelder in Millionenhöhe an die im Gazastreifen herrschende Hamas weitergeleitet haben. Halabi sei am 15. Juni am Eres-Kontrollpunkt zwischen Israel und dem Gazastreifen wegen Terrorfinanzierung festgenommen und angeklagt worden, teilte Israels Inlandsgeheimdienst Schin Bet mit. Die Vorwürfe des Inlandsgeheimdienstes sind schwerwiegend: Halabi sei heimlich Mitglied des militärischen Hamas-Arms und habe seit seinem Amtsantritt 2010 jedes Jahr 6,5 Millionen Euro aus dem Budget der christlichen Nichtregierungsorganisation veruntreut, um damit die Hamas und ihren bewaffneten Kampf zu unterstützen. Das entspricht 60 Prozent des jährlichen Gesamthaushalts von World Vision im Gazastreifen.

Tunnelbau und Waffenkäufe statt Medikamentenlieferungen

Die Hamas habe die Finanzmittel, die unter anderem aus Europa und den USA stammten, in militärische Projekte wie den Bau unterirdischer Tunnel sowie Waffenkäufe investiert. El-Halabi habe ein komplexes System zur Weiterleitung der Gelder an Hamas entwickelt - etwa unter dem Deckmantel humanitärer und landwirtschaftlicher Projekte. Der Fall beweise "den zynischen Missbrauch, den Hamas mit internationalen Hilfsmitteln treibt", hieß es in der Mitteilung.

Das Vorhaben soll schon lange geplant gewesen sein. Den Ermittlern zufolge wurde Halabi 2004 von der Hamas rekrutiert, um World Vision zu infiltrieren. Seit 2005 arbeitete er für das Hilfswerk, fünf Jahre später rückte er an die Spitze von World Vision im Gazastreifen auf. Nach Angaben von Schin Bet wusste die Leitung des Hilfswerks, das weltweit mehr als 40.000 Angestellte beschäftige, nichts von den Machenschaften Halabis.

"Regelmäßige interne Revisionen"

World Vision wies die Anschuldigungen zurück. Aufgrund der derzeit verfügbaren Informationen sehe das Hilfswerk "keinen Grund zu der Annahme, dass die Behauptungen wahr sind", hieß es in einer Stellungnahme. Die Arbeit von World Vision im Gazastreifen werde regelmäßig intern überprüft und auch unabhängigen Kontrollen unterzogen. Ebenso nannte ein Sprecher der radikalislamischen Hamas in Gaza die Vorwürfe eine "Lüge".

Das christliche Hilfswerk hat seinen Sitz in den USA und arbeitet eng mit den Vereinten Nationen zusammen. In Israel und in den Palästinensergebieten ist World Vision seit 1975 im Einsatz. Im Gazastreifen half die Organisation im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben fast 90.000 Menschen.

pab/kle (afp, dpa)

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