Wohnhaus in Israel von Rakete getroffen | Aktuell Nahost | DW | 25.03.2019
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Nahost-Konflikt

Wohnhaus in Israel von Rakete getroffen

Nördlich von Tel Aviv hat eine Rakete ein Wohnhaus getroffen. Sieben Menschen wurden verletzt, das Haus ging in Flammen auf. Nach Militärangaben wurde die Rakete aus dem palästinensischen Gazastreifen abgefeuert.

Video ansehen 00:43

Netanjahu kündigt "kraftvolle" Reaktion an

In der israelischen Ortschaft Mischmeret nordöstlich der Küstenmetropole Tel Aviv ist nach Polizeiangaben ein Wohnhaus direkt von einer Rakete getroffen worden. Dabei wurden nach Angaben von Sanitätern sieben Menschen verletzt, darunter auch Kinder. Eine Armeesprecherin in Tel Aviv bestätigte, man habe einen Raketenabschuss aus dem Gazastreifen festgestellt. In der israelischen Gemeinschaftssiedlung habe es zuvor Raketenalarm gegeben. 

Nach Angaben des Rettungsdienstes Magen David Adom waren unter den Verletzten auch drei Kinder - ein Baby, ein dreijähriges Kleinkind und eine Zwölfjährige. Eine 60-jährige und eine 30-jährige Frau seien unter anderem durch Raketensplitter verletzt worden. Zudem würden einige Menschen wegen Schocks behandelt. Das beschossene Haus ging in Flammen auf. Die Polizei sperrte das Gebiet ab. 

Israelische Medien berichteten, es würden Truppen zur Verstärkung an die Grenze zum Palästinensergebiet geschickt. Zwei zusätzliche Infanterie-Brigaden und Panzertruppen seien für den Einsatz mobilisiert worden.

 

Der überraschende Angriff erfolgte mitten im israelischen Wahlkampf, zwei Wochen vor der Parlamentswahl. Militante Palästinenser feuern häufig Raketen auf das Grenzgebiet um den Gazastreifen ab. Es ist jedoch ungewöhnlich, dass ein Geschoss so weit entfernt von dem Küstenstreifen einschlägt. 

Am 14. März hatte es den ersten palästinensischen Raketenangriff auf die Küstenmetropole Tel Aviv seit dem Gaza-Krieg 2014 gegeben. Daraufhin hatte Israels Luftwaffe rund 100 Ziele in dem Palästinensergebiet am Mittelmeer bombardiert. Nach israelischen Angaben wurden unter anderem eine unterirdische Einrichtung zum Bau von Raketen und ein Komplex, in dem die Hamas militante Aktionen im Westjordanland plane, getroffen. Sowohl die Hamas als auch die Gruppe Islamischer Dschihad erklärten damals, sie seien nicht für den Raketenbeschuss verantwortlich.

Der Konflikt mit der im Gazastreifen herrschenden Hamas hatte sich zuletzt wieder verschärft. An der Grenze zu Israel kommt es wieder verstärkt zu teilweise gewaltsamen Protesten. Am Sonntagabend hatten israelische Panzer nach Armeeangaben Hamas-Posten in dem Palästinensergebiet beschossen. Militante Palästinenser hätten zuvor Flugkörper mit Sprengsätzen nach Israel geschickt und Soldaten an der Grenze mit Sprengsätzen beworfen. 

Palästinensische Demonstranten an der Grenze des Gazastreifens (Archivbild)

Palästinensische Demonstranten an der Grenze des Gazastreifens (Archivbild)

Seit Beginn der Proteste vor einem Jahr sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums an der Gaza-Grenze mehr als 260 Palästinenser getötet und Tausende verletzt worden. Die Demonstranten fordern unter anderem ein Ende der seit mehr als einem Jahrzehnt andauernden Blockade des Palästinensergebiets am Mittelmeer. Israel und Ägypten begründen die Blockade mit Sicherheitsinteressen. 

Die Hamas wird von der EU, Israel und den USA als Terrororganisation eingestuft. In dem Küstenstreifen leben rund zwei Millionen Menschen unter schwierigen Bedingungen. Es mangelt unter anderem an Trinkwasser und Strom. 

Ein Plakat in Tel Aviv zeigt Israels Premier Netanjahu (r.) mit US-Präsident Trump

Ein Plakat in Tel Aviv zeigt Israels Premier Netanjahu (r.) mit US-Präsident Trump

Netanjahu verkürzt wegen Raketenangriff US-Reise

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu soll am Montagabend von US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus empfangen werden. Netanjahu erklärte nun, er werde seine US-Reise verkürzen. "Es gab hier einen bösartigen Angriff auf den Staat Israel, und wir werden mit Nachdruck reagieren", sagte Netanjahu nach Angaben seines Büros. Er wolle direkt nach einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump zurückreisen, "um unsere Aktionen aus der Nähe zu leiten".

Das Treffen steht unter besonderer Beobachtung, weil Trump in der vergangenen Woche angekündigt hatte, die Golanhöhen als israelisches Staatsgebiet anzuerkennen. Nach Angaben von Israels Außenminister Israel Katz will Trump dazu heute ein Dekret unterschreiben. Trumps Ankündigung zu den Golanhöhen wurde in der vergangenen Woche von Israel begeistert aufgenommen, jedoch von arabischer Seite, der EU und weiteren Staaten zurückgewiesen. Seit dem Sechs-Tage-Krieg 1967 hält Israel einen Großteil der Golanhöhen besetzt, 1981 folgte die Annexion des Gebiets. Die Staatengemeinschaft erkennt die Annexion nicht an.

stu/as (dpa, afp)
 

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema