Wird Sparen bald bestraft? | Wirtschaft | DW | 27.10.2016
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Weltspartag

Wird Sparen bald bestraft?

Am 28. Oktober ist in diesem Jahr Weltspartag. Viele Kinder bringen an diesem Tag ihr Erspartes zur Bank oder zur Sparkasse. Doch immer mehr Eltern zweifeln angesichts der Nullzinsen an der Sinnhaftigkeit dieses Rituals.

Im Jahr 1924 haben die Teilnehmer des ersten Internationalen Sparkassenkongresses in Mailand den letzten Werktag im Oktober zum Weltspartag erklärt. Seitdem wird er von den Geldinstituten jedes Jahr am 31. Oktober begangen. In Deutschland wird er jedoch in der Regel um einen Tag vorgezogen, da der 31. Oktober in einigen Bundesländern ein Feiertag ist. Aufgrund des Wochenendes fällt er in diesem Jahr bereits auf den 28. Oktober, denn am Weltspartag sollen alle Geldinstitute geöffnet haben.

Eingeführt wurde der Weltspartag, um den Gedanken des Sparens weltweit zu erhalten und weiterzugeben. Vor allem der pädagogische Aspekt steht dabei im Vordergrund. Kindern soll die Bedeutung des Sparens für ihre Zukunft nähergebracht werden. Dahinter verbirgt sich eine einfache Logik: Das Sparen schafft die Grundlage, um sich ein finanzielles Polster für später aufzubauen und die eigene Zukunft zu sichern.

Allerdings stellen sich immer mehr Eltern die Frage, ob sich Sparen überhaupt noch lohnt in Zeiten der Null- oder Minizinsen. Tatsächlich bereitet die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) der Bevölkerung inzwischen die größten Sorgen um ihre finanzielle Zukunft. Der Anteil der Menschen, die die Zinspolitik der EZB als ihre Hauptsorge nennen, ist innerhalb eines Jahres um 17 Punkte von 41 auf 58 Prozent gestiegen, ergab eine Umfrage der Sparkassen unter rund 1 800 Bundesbürgern, dem "Vermögensbarometer" der Sparkassen.

"Das Vertrauen bröckelt"

"Damit ist die Niedrigst- und Negativzinsphase endgültig in der Mitte der Gesellschaft angekommen", sagt der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Georg Fahrenschon. "Der Wegfall von Zins- und Zinseszinseffekt wird für die Menschen zu einer immer größeren Belastung. " Seine Schlussfolgerung: "Das Vertrauen der Menschen, mit ihren Sparanstrengungen ausreichend für das Alter vorsorgen zu können, bröckelt."

Die EZB hat den Leitzins auf null gesenkt. Zudem verlangt sie von den Geschäftsbanken einen Negativzins von 0,4 Prozent, wenn diese über Nacht Geld bei der Notenbank parken. Damit will die EZB die Kreditvergabe und die Wirtschaft in der Eurozone ankurbeln. Bisher ohne großen Erfolg.

Die Sparer allerdings spüren die Geldpolitik sehr wohl. Auf dem Tagesgeld- und Girokonto gibt es bei zahlreichen Banken und Sparkassen gar keine Zinsen mehr. Da vielen Deutschen aber Sicherheit beim Anlegen viel wichtiger ist als Rendite, landen dennoch hohe Summen auf den Konten mit einer Nullverzinsung. 57 Prozent nennen Sicherheit als wichtigstes Anlagekriterium. Zum Vergleich: Rendite wählen nur 22 Prozent.

Sicherheitsbedürfnis steigt

Auf die Minizinsen reagiert nur ein Teil der Sparer, in dem sie mehr sparen wollen. Das geben in der Umfrage fünf Prozent an. Zwölf Prozent wollen weniger Geld beiseitelegen. Insgesamt wird nach wie vor viel gespart: Die Sparquote - also der Anteil am verfügbaren Einkommen, der gespart wird - betrug im vergangenen Jahr 9,7 Prozent und lag damit sogar geringfügig höher als 2014.

Auch wenn sie Sorgen haben, sind immer noch 52 Prozent der befragten Bürger mit ihrer finanziellen Situation zufrieden. Allerdings sinkt diese Rate von Jahr zu Jahr. So waren 2015 noch 56 Prozent und 2014 sogar noch 58 Prozent der Befragten mit sich und ihren Finanzen im reinen. Dagegen ist das Sicherheitsbedürfnis der Sparer erheblich gestiegen. Für fast zwei von drei Befragten ist die Einlagensicherheit das wichtigste Kriterium, doch nur noch 27 Prozent glauben, dass ihr Erspartes bei der Bank oder Sparkasse sicher ist.

Skeptisch ist also der deutsche Sparer – skeptisch und risikoscheu. Nur jeder Zehnte ist bei der Geldanlage in Zeiten der Niedrigzinsen bereit, für mehr Rendite auch mehr Risiko in Kauf zu nehmen und seine Geldanlagen entsprechend umzuschichten. Innerhalb von zwei Jahren hat sich dieser Anteil mehr als halbiert.

Geldgeschäfte (picture alliance/dpa Themendienst)

Längst nicht jeder hat Geld zum Sparen übrig

Im Trend: Die eigene Immobilie

Allerdings kann nicht jeder Geld auf die hohe Kante legen. So sparen bereits 36 Prozent der Menschen in Deutschland nichts fürs Alter. Und 16 Prozent sparen überhaupt nicht. Das dürfte aber nicht an mangelndem Willen, sondern am niedrigen Einkommen liegen: So sparen 59 Prozent der Haushalte mit einem Nettoeinkommen von weniger als 1000 Euro nichts für die Altersvorsorge. Ihnen fehlt am Monatsende schlicht das Geld dafür.

Aber auch diejenigen, die sparen, glauben oftmals nicht, dass ihre Bemühungen wirklich erfolgreich sind. Nur gut die Hälfte der Deutschen, die fürs Alter vorsorgen, meint, auf diese Weise auch die gewünschte finanzielle Absicherung zu erreichen. Rund 30 Prozent sind sich da nicht sicher, und 18 Prozent, also fast jeder Fünfte, gehen davon aus, dass dies nicht der Fall sein wird. Knapp die Hälfte der Befragten ist also skeptisch, ob ihre Altersvorsorge überhaupt das bringt, was sie sich von ihr erhofft.

Auch hier zeigt sich eine Art Trendwende - weg vom Sparkonto und hin zur heiß ersehnten eigenen Immobilie. Fast 60 Prozent sind überzeugt, dass die selbst genutzte Wohnung oder das eigene Haus am besten für den Vermögensaufbau geeignet sind. Das sind noch einmal sechs Prozentpunkte mehr als 2015. Der langfristige Vergleich zeigt den Trend zur Immobilie noch deutlicher. Seit 2007 - also kurz vor Ausbruch der globalen Finanzkrise - hat die Zahl derer, die die eigenen vier Wände als zum Vermögensaufbau geeignet bezeichnen mehr als verdoppelt.