Wird das Klimaziel von 1,5 Grad verfehlt? | Wissen & Umwelt | DW | 10.08.2016
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Wissen & Umwelt

Wird das Klimaziel von 1,5 Grad verfehlt?

Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre steigt weiter ungebremst und es wird immer wärmer. Neueste Daten belegen, dass es schwer wird, die Klimaziele von Paris zu erreichen. Aber warum ist das 1,5-Grad-Ziel so wichtig?

Der aktuelle Bericht der US-Wetter- und Meeresbehörde (NOAA) zeichnet ein erschreckendes Bild des weltweit beschleunigten Klimawandels. Für die 300-Seiten starke Studie werten rund 450 Wissenschaftler aus aller Welt zehntausende Messdaten aus.

Dem Bericht zufolge stieg bis 2015 die Temperatur auf der Erde im Durchschnitt um einen Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau. Zugleich gab es 2015 wieder neue Wärmerekorde und Wetterextreme. China, Russland und viele Regionen in Südamerika verzeichneten im vergangenen Jahr die höchsten jemals gemessenen Durchschnittstemperaturen. In Europa, den USA und Afrika wurden die zweithöchsten Temperaturrekorde seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gemessen.

Zugleich waren mit dem globalen Temperaturanstieg und dem starken Klimaphänomen El Niño zahlreiche Unwetter mit Hitzewellen, Rekorddürren, Stürmen, sintflutartige Regenfällen und Hochwasserkatastrophen verbunden. El Niño entsteht durch die Erwärmung im Pazifik. Zudem zeichnet sich nach bisherigen Analysen das Jahr 2016 als neues Hitzerekordjahr ab.

Hochwasser in Bangladesch (Dhaka). Frau schiebt ihre Habe auf einem kleinen Handwagen (Foto: EPA/ABIR ABDULLAH)

Hochwasser in Bangladesch: Starkregenereignisse nehmen durch den Klimawandel zu.

Steigender Meeresspiegel durch Eisschmelze

Nach Angaben der Klimaforscher lag die durchschnittliche Oberflächentemperatur in der Arktis 2015 schon 2,8 Grad höher als zu Beginn der Temperaturaufzeichnungen am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Mit dem Temperaturanstieg nehmen die Eismassen im Meer und auf den Bergen zunehmend ab. Das führt zu einem Anstieg des Meeresspiegels um etwa 3,3 Millimeter pro Jahr. Seit 1993 stiegen die Weltmeere so um insgesamt sieben Zentimeter.

Kritische CO2-Konzentration in der Atmosphäre

Alarmierend ist vor allem auch die weitere, ungebremste Zunahme der CO2-Konzentration in der Atmosphäre die maßgeblich zur Erderwärmung beiträgt. Vor der Industrialisierung lag die CO2 Konzentration bei 280 ppm (parts per million). 2015 lag sie laut NOAA bei fast 400 ppm und stieg im Vergleich zum Vorjahr um 2,2 ppm.

Klimawissenschaftler prognostizieren, dass mit der derzeitigen CO2-Konzentration in der Atmosphäre im trägen Klimasystem noch steigende Temperaturen in den nächsten Jahrzehnten verbunden sind. "Eine Temperaturerhöhung um 1,2 bis 1,3 Grad in den nächsten Jahrzehnten ist bei dieser Konzentration wahrscheinlich im Vergleich zum vorindustriellen Niveau", erklärt Jacob Schewe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK ). "Wenn wir jetzt aufhören würden Treibhausgase auszustoßen, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass wir noch knapp unter 1,5 Grad bleiben".

Hält der CO2-Ausstoß jedoch wie bisher an, so wird es sehr unwahrscheinlich, dass die Menscheit ihr auf der Pariser Klimakonferenz gesetztes 1,5- oder selbst ein Zwei-Grad-Ziel noch einhalten kann. "Wenn wir es schaffen, bis 2050 ganz aus den fossilen Brennstoffen auszusteigen, so hat man noch eine Chance, dass man unter 1,5 Grad bleibt oder nur ein wenig darüber hinaus schießt", so Schewe.

Venedig: Hochwasser auf dem Markusplatz. eine Touristin wartet mit ihrem Koffer durch das Wasser (Foto: AP)

Die Stadt Venedig würde beim einem stark steigenden Meerespiegel langfristig untergehen.

Warum ist das 1,5-Grad-Ziel so wichtig?

Eine Erwärmung von nur 1,5 Grad über das vorindustrielle Niveau hat für die Erde bereits erhebliche Folgen. Die Schäden durch Wetterextreme nehmen noch mehr zu, die Korallenriffe sind dann weltweit bedroht und der Meerespiegel würde bis zum Jahr 2300 um 1,5 Meter ansteigen.

Bei zwei Grad hingegen zeigen Projektionen von PIK einen Anstieg von 2-3 Metern bis 2300, und das riesige Eisschild Grönlands könnte dann seinen Kipp-Punkt bereits überschritten haben. Für Inseln und zahlreiche Küstenstädte wäre dies eine Katastrophe.

Jenseits von zwei Grad steuert die Welt zudem auf einen vollständigen Eisverlust auf der Nordhalbkugel zu. Es würde zu einem weiteren Anstieg des Meeresspiegel führen.

Pariser Klimaziele noch erreichbar?

Mit dem weiterhin ungebremsten Ausstoß von Treibhausgasen sind die gesetzten Klimaziele nicht erreichbar. Die meisten Szenarien zur Begrenzung der Erderwärmung gehen davon aus, dass neben dem Ausstieg aus der fossilen Energienutzung bis zur Mitte dieses Jahrhunderts zusätzlich noch CO2 aufwendig aus der Atmosphäre entfernt werden muss, um so das Klima zu stabilisieren und Klimaschäden und Katastrophen zu minimieren.

Die Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre ist jedoch viel teurer als die Vermeidung und so fordern Klimaexperten den Ausstieg aus der fossilen Energienutzung schon innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte.

Der Umbau der Energieversorgung in diesem kurzen Zeitraum ist jedoch eine sehr große Herausforderung für Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Anderseits ist ein schneller Umstieg sinnvoll, da so die Klimaschäden und Kosten vor allem für künftige Generationen vermindert werden.

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