″Wir sind doch keine Bananenrepublik″ | Aktuell Deutschland | DW | 08.07.2018
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SPD-Chefin empört sich über US-Botschafter

"Wir sind doch keine Bananenrepublik"

Es ist nicht das erste Mal, dass US-Botschafter Richard Grenell Kritik auf sich zieht. Jetzt hat SPD-Chefin Andrea Nahles seine Gespräche mit der Automobilindustrie über die Senkung von Einfuhrzöllen heftig kritisiert.

"Mir ist neu, dass Botschafter über derlei Fragen verhandeln", sagte Nahles der "Welt am Sonntag". "Was sind das für Methoden?". Grenell solle endlich lernen, was seine Rolle sei. "Wenn die amerikanische Regierung mit uns über Zölle reden will, ist das eine Sache zwischen dem Handelsminister in Washington und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier", sagte Nahles. "Wir sind doch keine Bananenrepublik".

Grenell hatte sich zuletzt nach Angaben aus Branchenkreisen mit den Chefs führender deutscher Autokonzerne getroffen. Dabei soll er die beidseitige Aufhebung jeglicher Autozölle vorgeschlagen haben. An dem Treffen in Berlin auf Einladung Grenells nahmen die Vorstandschefs Herbert Diess (VW), Dieter Zetsche (Daimler), Harald Krüger (BMW) und Elmar Degenhart (Continental) sowie der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes, teil.

Deutschland Berlin Akkreditierung Richard Allen Grenell, neuer US-Botschafter (Getty Images/AFP/O. Andersen)

Richard Grenell, der US-Botschafter für Deutschland, interpretiert seine Rolle neu (Archivbild)

Laut US-Botschaft handelte es sich dabei aber nicht um ein formales Angebot. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich offen für den Vorschlag gezeigt, aber auch darauf verwiesen, dass eine solche Regelung auf alle Länder übertragen werden müsste, mit denen die Europäische Union Autos handelt. US-Präsident Donald Trump hat der EU mit Strafzöllen auf Autoimporte in Höhe von 20 Prozent gedroht. Die EU warnte daraufhin vor massiven Gegenmaßnahmen.

Grenell arbeitete zuletzt als Kommentator und Berater

Es ist nicht das erste Mal, dass der US-Botschafter in die Kritik gerät. Bereits Anfang Juni hatte er sich offen für eine konservative Wende in Europa eingesetzt - auch damals ein Novum: Sich in den Wettstreit von Parteien im Gastland einzumischen, das ist für Diplomaten ein Tabu. Eigentlich. Aber Grenell scheint seine Aufgabe gänzlich anders zu interpretieren.

Der Botschafter arbeitete zuletzt als Kommentator und Berater. Er hatte in der Amtszeit des republikanischen Präsidenten George W. Bush von 2001 bis 2008 als Sprecher für vier UN-Botschafter der USA gedient. 2012 arbeitete Grenell kurzzeitig für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney.

nob/rb (dpa, afp, rtr)