″Wir sind an deiner Seite mein Bruder!″ | Fußball | DW | 24.07.2018
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Reaktionen

"Wir sind an deiner Seite mein Bruder!"

Der Rücktritt von Mesut Özil schlägt auch international hohe Wellen. Von Unterstützung in der Türkei bis zu gekränktem Nationalstolz - wir dokumentieren einige der Pressestimmen.

TÜRKEI

Sabah: "Mesut Özil hat das schönste Tor gegen den Rassismus geschossen." Er habe "Stopp" gesagt gegen die zunehmende Migranten-Feindlichkeit und den Rassismus in Europa und dem "rassistischen Gesicht" des Westens den Spiegel vorgehalten.

Takvim: "Wir sind an Deiner Seite mein Bruder!"

Fanatik: "Du bist nicht alleine."

GROSSBRITANNIEN

Guardian: "Özil ist der Inbegriff des Migranten der nicht reinpasst. Seine Eltern kommen aus der Schwarzmeerstadt Zonguldak, wuchsen aber im westdeutschen Gelsenkirchen auf. Er ist ein Superstar bei Arsenal, der seine Antwort auf einen deutsch-türkischen Streit auf Englisch twittert. Indem sie von ihrer gegenseitigen Kritik zehren, um die in der Mitte zu isolieren, zeigen die Reaktionen der Hardliner auf beiden Seiten eine Symbiose. Deutschland und die Türkei ähneln sich darin, dass in beiden Ländern Ideen von "Rasse" und "Blut" weiterhin die Nation definieren."

Telegraph: "Mit der extremen Rechten in Frankreich, die sich beschwert, dass 15 Spieler der 23-köpfigen Mannschaft des Landes afrikanische Wurzeln (meist in den ehemaligen französischen Kolonien) haben, sowie Lukaku, der auf die Vorurteile hinweist, mit denen er in Belgien zu kämpfen hatte (auch Großbritannien hat bedeutende Probleme mit einem abwegigen Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit), zeigt der Fußball nicht den Weg für die Politik, sondern geht in ihren Flammen auf."

Daily Mail: "Mesut Özils Rückzug aus dem internationalen Fußball ist das tragische Ende einer glorreichen Karriere (...) einer der besten Mittelfeldspieler Deutschlands wurde von einem Symbol der Integration zu einer Gestalt der toxischen öffentlichen Debatte."

ITALIEN:

La Repubblica: "Nachdem sich das Idol von Millionen junger Türken zum Abschied gezwungen gesehen hat, besteht die Gefahr, sich mit einer Minderheit wiederzufinden, deren Herz nur für ein einziges Land schlagen könnte. Und das könnte nicht Deutschland sein."

SPANIEN:

El País: "Die Vorwürfe des Fußballers zeigen, dass die Grundlage der ethnischen und kulturellen Integration, die das Bild des Siegers von 2014 zeigen sollte, nicht wirklich solide ist. Der Aufstieg der extremen Rechten, die sich in den 90 Sitzen zeigt, die die AfD bei den Bundestagswahlen 2017 gewann, scheinen die bittere Sicht des Fußballers zu stützen."

RUSSLAND:

Kommersant: "Der Mittelfeldspieler Mesut Özil hat mitgeteilt, dass er nicht mehr für die deutsche Nationalmannschaft antritt. In einer anderen Situation hätte dieser Schritt keine große Aufmerksamkeit erregt, aber im Fall von Özil hat es einen Skandal ausgelöst."

ÖSTERREICH:

Kurier: "Es ging am Ende nicht mehr darum, dass Özil sich im türkischen Wahlkampf mit einem Autokraten fotografieren ließ, der Gegner seiner Politik einsperren lässt. Vielmehr warf man Özil vor, kein echter Deutscher zu sein, sich nicht mit seinem Geburtsland zu identifizieren. Plötzlich war Nationalismus der übelsten Sorte im Spiel, der, wie eigentlich immer, am Ende in Rassismus umschlug."

Standard: "Um Erdogan geht es aber vor allem auf den zweiten Blick. Vielmehr geht es um gekränkten Nationalstolz, eine beleidigt geführte Integrationsdebatte und um blanken Rassismus. Nicht weniger. Mit dem Foto zertrümmerten Özil und Gündogan jene Integrationsluftschlösser, deren Fundament vielmehr Assimilation ist."

tk/ck (dpa)