Winnetou-Komponist Martin Böttcher ist tot | Filme | DW | 22.04.2019
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Filmmusik

Winnetou-Komponist Martin Böttcher ist tot

Er schrieb die unverkennbaren Melodien der Winnetou-Filme und komponierte die Musik zu Hunderten Kino- und Fernsehproduktionen. Jetzt ist Martin Böttcher im Alter von 91 gestorben.

Wer an die Winnetou-Filme denkt, hat sofort seine Melodien im Kopf: Martin Böttcher hat diese Klassiker der deutschen Filmmusik komponiert. Zehn Karl-May-Streifen untermalte er musikalisch für die Leinwand. Damit wurde Böttcher zu einem der erfolgreichsten Filmkomponisten Deutschlands.

1962 führte seine Old-Shatterhand-Melodie 17 Wochen lang die deutschen Charts an und verkaufte sich mehr als 100.000 Mal. Gelesen hat er dennoch kein einziges Karl-May-Buch, wie er der Deutschen Presse-Agentur vor knapp zwei Jahren zu seinem 90. Geburtstag verriet: "Ich habe die Geschichten so oft gesehen, da brauchte ich sie nicht zu lesen."

Ehrenhäuptling wurde er auch so: Die Karl-May-Spiele von Bad Segeberg verliehen ihm den Häuptlingsnamen "Großer Vater der Melodien". Wenn Apachenhäuptling Winnetou dort in das Freilichttheater am Kalkberg einritt, dann nicht ohne die berühmte Filmmelodie.

Sein Debüt als Komponist bei einer Spielfilm-Produktion gab Böttcher, der am 17. Juni 1927 in Berlin geboren wurde, 1955 in "Der Hauptmann und sein Held". Schon der zweite Film wurde ein großer Erfolg: "Die Halbstarken" (1956) mit Horst Buchholz. Unermüdlich vertonte der Musiker danach immer neue Geschichten zunächst für das Kino, später vor allem für das Fernsehen. Darunter Heinz Rühmanns Pater-Brown-Filme und Edgar-Wallace-Verfilmungen. 

Der Komponist erhielt für seine Arbeit zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz am Bande und die Ehrenmitgliedschaft in der US-amerikanischen Max Steiner Society - neben Benny Goodman, Frank Sinatra und anderen.

Den Weg nach Hollywood ging er nicht, doch es gab Melodien zu Hollywood-Erfolgen, um die er Kollegen beneidete. "Die Stücke von Henry Mancini zum Beispiel, der unter anderem für 'Frühstück bei Tiffany' komponiert hat. Und natürlich Ennio Morricones 'Spiel mir das Lied vom Tod'."

Jazz-Gitarrist Böttcher, der seit einem Sturz als Kind auf einem Ohr nichts mehr hörte, hatte sich während des Krieges in der Gefangenschaft das Gitarrenspiel selbst beigebracht. Nach dem Krieg führte ihn der Weg nach Hamburg, wo er im Tanz- und Unterhaltungsorchester des Nordwestdeutschen Rundfunks anfing. 1954 entschied der ausgebildete Pilot sich endgültig fürs Komponieren. Als "Meister großartiger Filmmusiken, die zeitlos sind", würdigte ihn 2016 die Jury des Deutschen Musikautorenpreises, als sie ihn für sein Lebenswerk auszeichnete. "Seine Musik geht direkt ins Herz."

Martin Böttcher ist in der Nacht zu Samstag im Alter von 91 Jahren gestorben, wie seine Tochter Betsy Schlüter am Montag der Deutschen Presse-Agentur bestätigte.

ka/AR (dpa, BR)

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