Wieder Sportler im Iran hingerichtet | Aktuell Nahost | DW | 25.01.2021
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Keine Begnadigung

Wieder Sportler im Iran hingerichtet

Üblicher Strafvollzug im Land mit einer Todesstrafe? Oder die erneute Gewalttat eines Regimes gegen einen Sportler? Im Iran ist eine weitere Hinrichtung eines Ringers bekanntgeworden.

Fünf Monate nach der Exekution von Navid Afkari ist im Iran wieder ein Ringer wegen eines Tötungsdelikts hingerichtet worden. Nach Angaben des Nachrichtenportals Aftabnews und anderen Medienberichten bestätigte die Justizbehörde der Provinz Chusestan in Südwesten des Landes, dass der 30-jährige Mehdi-Ali Hosseini am Montag im Gefängnis der Provinzstadt Desful gehängt worden sei. 

Hosseini hatte 2015 bei einem Streit in der Stadt Andimeschk einen Jugendlichen getötet und war deshalb von einem Gericht zum Tode verurteilt worden. Nach fünf Jahren wurde vom obersten Gericht das Todesurteil bestätigt. 

Das Prinzip der Blutrache 

Im Iran gilt nach islamischem Recht in solchen Fällen das Prinzip der "Ghissas" oder Blutrache. Dementsprechend kann in einem Mordfall die Familie des Opfers entscheiden, ob der Täter hingerichtet wird oder nicht. Mehrere prominente Ringer im Land hatten in den vergangenen Wochen bei der Familie des Opfers um eine Begnadigung Hosseinis gebeten. Medienberichten zufolge war Hosseini als Ringer regional aktiv und nicht Mitglied der iranischen Nationalmannschaft.

Im September vergangenen Jahres war der Ringer Afkari hingerichtet worden. Er hatte nach Angaben der iranischen Justiz 2018 bei einer Protestdemonstration in Schiras im Südiran einen Sicherheitsbeamten getötet und die Tat gestanden. Der Sportler, seine Familie und Menschenrechtsorganisationen führten dagegen an, das Geständnis sei durch Folter erzwungen worden. Die Hinrichtung wurde im In- und Ausland scharf verurteilt. Die iranische Justiz wies die Kritik zurück und betonte, dass politisch motivierter Druck des Auslands das geltende islamische Recht nicht untergraben werde.

ml/wa (dpa, ARD)