Wie viel Gott braucht Europa? | Kultur | DW | 13.09.2007
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Kultur

Wie viel Gott braucht Europa?

Im Jahr 313 n. Chr. setzte der römische Kaiser, Konstantin der Große, der Christen-Verfolgung ein Ende. Nach dem Verfall des weströmischen Reiches, herrschten die Römer in Byzanz, im oströmischen Reich, weitere Tausend Jahre. Im VI. Jahrhundert machte der byzantinische Kaiser Justinian I. das Christentum zur offiziellen Religion des Imperiums. Im vierten Jahrhundert erreichte der christliche Glaube auch die Germanen. Die Christianisierung Europas war nicht mehr aufzuhalten.

Europa ist vom Christenturm geprägt - das wollten auch die Christen im EU-Vertrag anerkannt sehen. Aber auch wenn das christliche Erbe Europas nicht direkt erwähnt ist, "man muss sehen, dass es in diesem Vertrag eine klare Beschreibung der Werte gibt, die man als christliche Werte bezeichnen kann", sagt Pöttering. Christen sollten "nicht resignieren."

Griechen, Römer, Muslime, die Aufklärung, die Arbeiterbewegung, die Philosophie und vieles Andere hätte in die Präambel gleichermaßen gepasst - dazu wird es aber nicht kommen.

Eine scheinbare Diskussion

"Die Union achtet den Status, den Kirchen und religiöse Vereinigungen oder Gemeinschaften in den Mitgliedstaaten nach deren Rechtsvorschriften genießen, und beeinträchtigt ihn nicht", steht im Artikel I-52 des neuen EU-Vertrages, unter dem so genannten "Status der Kirchen und weltanschaulichen Gemeinschaften".

Die Debatte um die Präambel ist nur eine scheinbare Diskussion, meint der Internationale Bund der Atheisten und Konfessionslosen (IBKA). "Die Präambel ist Lyrik und hat keine rechtliche Bedeutung. Das wirklich entscheidende ist der Kirchenartikel, der im neuen EU-Vertrag übernommen werden soll. Darüber wird leider überhaupt nicht gesprochen", sagt Rudolf Ladwig, IBKA-Vorsitzender. Im Verfassungsentwurf regelt Artikel 46, wie Nichtregierungsorganisationen an der EU teilhaben könnten. "Dieser Artikel passt nicht auf die katholische Kirche, weil sie die Kriterien nicht erfüllt - sie ist eine zutiefst hierarchische und nicht demokratische Organisation, die die Menschenrechtserklärung nicht anerkennt. In einer Form von Geheimverhandlungen einigte man sich auf den Kirchenartikel. Plötzlich war er da, ohne dass man darüber diskutieren konnte, und garantierte den bisherigen Status der Kirchen sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene."

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