Wie uns Sex zu Lügnern macht | Wissen & Umwelt | DW | 08.11.2019
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Neue Studie

Wie uns Sex zu Lügnern macht

Wenn die Aussicht auf Sex besteht, tragen wir nicht nur viel zu dick auf, um zu bekommen, was wir wollen. Wir machen auch vor eiskalten Lügen nicht Halt. Typisch Mann, oder? Mitnichten! Frauen sind kein Stück besser.

Bindenfregattvogel (Fregata minor) in Ecuador (picture-alliance/M. Schuyl)

Wer Sex will, plustert sich gerne auf

"Er lügt, dass sich die Balken biegen, nur um dich ins Bett zu kriegen", sang die Band Die Ärzte bereits 1998. Eine neue Studienreihe der University of Rochester in den USA bestätigt nun, was wir alle längst als Teil des männlichen Naturells akzeptiert hatten. Die Psychologen Gurit Birnbaum und Harry Reis fanden allerdings heraus, dass auch Frauen es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, sobald es um Sex geht.

Das wirklich Ernüchterne ist aber, dass wir mit dem Aufhübschen der Tatsachen bereits bei der geringsten Aussicht auf Sex beginnen. Zumindest dann, wenn unser Gehirn vorher sexuell stimuliert wurde. Doch auch das geht erschreckend schnell: Ein kurzer Blick auf ein erotisches Bild kann reichen und sofort wird im limbischen System des Gehirns eine Kaskade an Reaktionen in Gang gesetzt - oft ohne, dass wir etwas davon merken. In unserem Verhalten macht sich die Erregung dennoch bemerkbar. 

(Nur) Sex im Kopf

Birnbaum und Reis testeten 634 heterosexuelle Frauen und Männer in mehreren Studien auf ihr Bedürfnis, die Realität mehr oder weniger zu verbiegen oder ihr gleich ganz abzuschwören, wenn die Aussicht auf Sex bestand. Die Forscher bildeten dazu zwei Gruppen: die eine wurde sexuell stimuliert, die Kontrollgruppe nicht. 

Mehr dazu: Wird Sex überbewertet?

Zunächst wollten die Forscher herausfinden, inwiefern die Probanden mit den Sex-Gedanken im Kopf bereit waren, die eigene Meinung über Bord zu werfen und sich den Vorstellungen des potentiellen Sexualpartners anzupassen. Um es kurz zu machen: sehr bereit. Jedenfalls viel bereiter als die Kontrollgruppe mit den kühlen Köpfen. 

Wer innerhalb einer Diskussion die Überzeugung des Objekts der Begierde teilt (selbst wenn die der eigenen Vorstellung komplett zuwider läuft), erhöht seine Chancen auf Nähe und damit auf Sex, sagen die Psychologen.

Ähnlich zielführend ist es, zu behaupten, man teile die Vorlieben des anderen. Die Aussicht auf Sex veranlasste die erregten Probanden auch hier viel eher zu abenteuerlichen Behauptungen als die Teilnehmer der Kontrollgruppe.

Mehr dazu: Von auto- bis pansexuell: Wie wir lieben

Darüber, wann die Wahrheit zur halben Wahrheit und dann zur Lüge wird, lässt sich vielleicht streiten. Birnbaum und Reis sind sich indes darüber einig, dass ihre Probanden zu eiskalten Lügnern werden, wenn es um die Zahl früherer Sexualpartner geht. Wer die Chance auf Sex wittert, will auf keinen Fall zu freizügig wirken. Also wird schön nach unten korrigiert. Sieben ist die magische Zahl, fanden die Forscher heraus.

"Ist das Gehirn sexuell stimuliert, wollen sich alle Menschen im bestmöglichen Licht präsentieren. Und das heißt, dass wir uns Fremden gegenüber besser darstellen, als wir eigentlich sind", fasst Birnbaum zusammen. Was sind wir doch für Opfer!

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