Wie Spanien durch die Hitzewelle kommt | Europa | DW | 15.08.2022
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Hitzesommer im Klimawandel

Wie Spanien durch die Hitzewelle kommt

Schutzräume, Wasser sparen, Fassaden begrünen: Spaniens Behörden versuchen, mit Notmaßnahmen Hitze und Trockenheit erträglich zu machen und die Auswirkungen des Klimawandels abzuschwächen. Ein Überblick.

Ein Paar liegt im Gras, dir Frau hält einen geöffneten Fächer in der Hand

Abkühlen im Park: In Großstädten wie Madrid ist die Hitze in der Wohnung oft kaum auszuhalten

Hitzewelle

In diesem Juli wurden in Spanien nach Angaben des Ministeriums für ökologische Transformation (Miteco) die höchsten Temperaturen seit 1961 registriert. In mehreren Städten zeigt das Thermometer zeitweise mehr als 44 Grad an. Der Durchschnittswert erhöhte sich gegenüber dem Zeitraum 1981 bis 2010 um 2,7 Grad auf 25,6 Grad Celsius.   

Nach einem Bericht des spanischen Fernsehsenders RTVE haben einige Städte in Spanien deswegen sogenannte klimatische Schutzräume eingerichtet, in denen die Temperatur auf 26 Grad heruntergekühlt wird. Dazu gehören Bibliotheken, Sportzentren, Museen und Schulen. Die Schutzräume richten sich insbesondere an ältere Menschen, Familien mit Kleinkindern und Neugeborenen sowie chronisch Kranke.

Waldbrände

In Europa sind in diesem Jahr bereits 660.000 Hektar Land in Flammen aufgegangen. Die größte Fläche wurde mit 265.000 Hektar nach Daten des europäischen Waldbrand-Informationssystems Effis in Spanien vernichtet.

Um die Waldbrände zumindest im nächsten Jahr besser eindämmen zu können, hat die spanische Regierung am 1. August ein Dekret erlassen, das die Autonomen Gemeinschaften - Verwaltungseinheiten ähnlich den deutschen Bundesländern - ab sofort verpflichtet, jedes Jahr bis zum 31. Oktober Pläne zur Prävention und zum Löschen von Bränden für das Folgejahr auszuarbeiten. Demnach haben die Regionalregierungen nun drei Monate Zeit, beispielsweise konkrete Angaben zur Anzahl von vorgehaltenen Löschfahrzeugen, Personal und Ausrüstung zu machen und besonders gefährdete Gebiete und Zeiträume auszuweisen. 

Für das am schlimmsten von Waldbränden betroffene Gebiet, den Gebirgszug Sierra de la Culebra in der Provinz Zamora im Nordwesten Spaniens, hat das Ministerium für ökologische Transformation (Miteco) bereits vier Firmen mit der Wiederaufforstung beauftragt. Kosten: Zwei Millionen Euro.

Ein Feuerwehrmann mit einer Schaufel vor einem Meer aus Flammen in einer Graslandschaft

Im Gebirge Sierra de la Culebra im Nordwesten Spaniens sind über 20.000 Hektar Heide und Wald in Flammen aufgegangen

Sinkende Wasserreserven

Nach Miteco-Angaben haben wegen der anhaltenden Hitze und Trockenheit die Wasserreserven in Spanien einen historischen Tiefstand erreicht. Das monatlich aktualisierte Informationsblatt vom 9. August weist einen Stand von 21.730 Kubikmetern auf, dies entspricht 39 Prozentdes Fassungsvermögens. 

Kommunen in ganz Spanien und autonome Regionen, insbesondere Galizien, Katalonien und Andalusien, haben deshalb Maßnahmen erlassen, um den Wasserverbrauch einzuschränken. Dazu gehören Einschränkungen bei der Wasserversorgung in der Nacht, das Abschalten von Duschen am Strand sowie Verbote, Grünflächen zu wässern, Autos zu waschen und Swimmingpools aufzufüllen. 

Zwei Menschen und ein Schwimmsteg auf dem trockenen Boden des Stausees, im Hintergrund das Wasser

Bedrohlicher Wassermangel: Der Stausee La Vinuela bei Malaga ist fast ausgetrocknet

Ansteigende Meerestemperaturen

Das Mittelmeer ist dabei, sich in eine europäische Karibik zu verwandeln. Nach Angaben des spanischen Instituts für mediterrane Umweltforschung (Ceam) hat sich die durchschnittliche Wassertemperatur zwischen 1982 und 2021 um 1,32 Grad Celsius erhöht.

"Seit den 80er Jahren ist die Meerestemperatur an der Mittelmeerküste doppelt so stark angestiegen wie die Lufttemperatur", erklärt Jorge Olcina, Leiter des Klimalabors an der Universität von Alicante, in der spanischen Tageszeitung El País. Seit dem 20. Juli pendele die Wassertemperatur an den spanischen Küsten zwischen 28 und 29 Grad.

Der Grund laut Olcina: "Heiße Luftmassen aus der Sahara stauen sich auf der Wasseroberfläche und erwärmen diese immer schneller. Die Lufttemperaturen im Mittelmeerraum sind seit 1908 um 0,7 Grad Celsius gestiegen, das Meer hingegen um 1,4 Grad."

Zwei Frauen sonnen sich auf Liegen an einer Strandpromenade, im Hinterrgund Segelboote

Keine Abkühlung in Sicht: Nicht nur die Lufttemperaturen, auch die Meerestemperaturen steigen an

Eine der Folgen sei, dass die Temperaturen auch nachts weniger absinken, denn die Luft werde nicht mehr durch eine kühle Meeresbrise gekühlt. Außerdem führten steigende Meerestemperaturen dazu, dass Stürme und Unwetter zunähmen.

Als Schutzmaßnahme fordert Olcina eine Überarbeitung der Gesetzgebung zur küstennahen Bebauung. Auch die Tourismusbranche müsse sich dringend an die extremeren Temperaturen anpassen. In den Städten müsse es mehr Schatten geben, Häuserfassaden und Dächer müssten begrünt werden. 

Im Frühjahr 2021 hat Spaniens Parlament das "Gesetz zu Klimawandel und Energieumstellung" verabschiedet. Es soll dazu beitragen, dass das Land bis 2050 klimaneutral wird. Zu den Zielen gehört unter anderem die Steigerung des Anteils der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung auf 42 Prozent bis 2030 und das Aus für Verbrennermotoren bis 2040.

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema