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Wie Migräne entsteht und wie man sie behandeln kann

Fred Schwaller
4. August 2023

Eine Migräne, das sind vor allem unerträgliche Kopfschmerzen. Sie können Stunden oder auch Tage andauern und lassen Betroffene schier verzweifeln. Was aber löst Migräne aus und vor allem: Welche Therapien gibt es?

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Frau vor rosafarbenem Hintergrund hält sich die Hände an die Schläfen
Unerträgliche Kopfschmerzen sind ein Symptom bei MigräneBild: YAY Images/Imago Image

Eine Migräne beginnt meist mit einem starken, schmerzenden Pochen im Kopf. Im besten Fall können sich Betroffene bei diesen ersten Anzeichen in einen dunklen Raum zurückziehen, sich ins Bett legen und warten, dass die Attacke vorübergeht. 

Migräne ist nicht einfach nur schlimmes Kopfweh. Sie kann heftige Auswirkungen auf den gesamten Körper haben. Viele Menschen, die unter chronischer Migräne leiden, verbringen jeden Monat mehr als die Hälfte der Tage in einem Schmerzzustand. Laut dem National Center for Biotechnology Information, NCBI, sind weltweit knapp 14 Prozent der Frauen und knapp 7 Prozent der Männer betroffen. 

Migräne durch ein überempfindliches Gehirn

Bei Migräne sind die neuronalen Verbindungen im Gehirn überdurchschnittlich empfindlich. Verglichen mit Menschen, die nicht unter Migräne leiden, reagieren Betroffene eher auf kleinste Veränderungen in der Umwelt als andere. Das kann ein Wetterumschwung sein oder starke Gerüche.

Wenn die Neuronen dadurch sensibilisiert werden, senden sie Signale an das Gehirn, die dann Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit und andere Migränesymptome auslösen. Die Neuronen befinden sich auch in der Nähe von Blutgefäßen, weshalb Kopfschmerzen sich anfühlen können, als würden sie zusammen mit dem Herzschlag pulsieren.

Laut Paul Durham, Migräneforscher an der Missouri State University in den USA, ist Migräne eine Krankheit, die in erster Linie das Gehirn betrifft, aber auch in anderen Bereichen des Körpers spürbar sein kann.

"Andere Systeme wie das Immun-, Verdauungs- und Herz-Kreislauf-System tragen zur Migräne bei. Wenn man also nur einen Aspekt der Migräne mit Analgetika [Schmerzmitteln] bekämpft, ist es unwahrscheinlich, dass alle Symptome gelindert werden und sich die Lebensqualität des Patienten verbessert", sagt Durham.

Rotwein wird in ein Glas gegossen
Rotwein kann Migräne auslösenBild: PHILIPPE DESMAZES/AFP/Getty Images

Was können Auslöser für Migräne sein?

Vieles kann eine Migräne auslösen, und jede Person reagiert anders. Die häufigsten Auslöser sind:

1. Helles Licht und laute Geräusche.

2. Starke Gerüche wie Parfüm, Rauch oder bestimmte stark riechende Lebensmittel.

3. Schlafmangel, schlechte Schlafqualität oder Jetlag.

4. Hunger oder Dehydrierung.

5. Zu viel Koffein.

6. Alkohol, insbesondere Rotwein.

7. Hormonschwankungen, wie sie vor oder während der Periode, Schwangerschaft oder Menopause auftreten.

8. Ernährung und Lebensmittel, insbesondere industriell verarbeitete Lebensmittel und solche, die raffinierten Zucker enthalten.

9. Stress.

Von diesen Faktoren ist Stress laut Durham der entscheidende. "Diese Faktoren fördern ein übererregbares Nervensystem, das anfälliger für die Auslöser von Migräne ist. Stress ist ein wichtiger Aspekt in der modernen Gesellschaft."

Wie man Migränesymptome lindern kann

Es gibt Möglichkeiten, die Schwere einer Migräne zu beeinflussen oder auch zu verhindern, dass sich Kopfschmerzen überhaupt erst zu einer ausgewachsenen Migräne entwickeln.

Es kann helfen, viel zu trinken, sich einen Eisbeutel auf die Stirn zu legen oder auch, sich in einem ruhigen, dunklen Raum auszuruhen, denn so kann Stress abgebaut werden.

Viele Patienten lernen, ihre Migräne durch eine kognitive Verhaltenstherapie (CBT) zu lindern. Damit lässt sich die Krankheit zwar nicht behandeln, aber man kann lernen, mit den Schmerzen umzugehen und die Auslöser der Migräne zu verstehen.

Manche behaupten, dass auch Achtsamkeitsübungen helfen können. Allerdings gibt es in Studien kaum Belege dafür, dass sie sich langfristig auf Kopfschmerzen oder Migränesymptome auswirken.

Frau vor zugezogenem Vorhang
Ein abgedunkelter Raum hilft den meisten Migränepatienten erst einmalBild: Anna Gowthorpe/empics/picture alliance

Welche Therapien gibt es?

Es gibt einige klinisch erfolgreiche Migräne-Medikamente:

1. Monoklonale Antikörper. Diese neuen Migränemedikamente blockieren die Wirkung eines Proteins namens CGRP. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Migränesymptomen, da sie die Neuronen in den Hirnhäuten sensibilisieren.

2. Triptane: Eine Klasse von Medikamenten, die an bestimmte Arten von Serotoninrezeptoren im Körper binden und eine schmerzlindernde Wirkung haben.

3. Analgetika wie Paracetamol oder Aspirin können Kopfschmerzen wirksam lindern, helfen aber in der Regel nicht bei chronischen Migränesymptomen.

Der Nachweis von CGRP-Antikörpern und Triptanen zur Behandlung von Migräne ist besonders stichhaltig, da sich die Lebensqualität der Patienten nach der Einnahme dieser Medikamente deutlich verbessert. Allerdings ist die Wirksamkeit individuell und nicht alle Patienten erleben eine Linderung ihrer Migräne.

Ein weiteres Problem ist, dass sich die Behandlungen in der Regel auf die Linderung der Kopfschmerzen konzentrieren. Das bedeutet, dass andere Symptome wie Übelkeit, Lichtempfindlichkeit und Müdigkeit oft bestehen bleiben.

Erfolge in der Migränebehandlung

Forschende arbeiten intensiv daran, bestehende Behandlungslücken zu schließen. Es gibt vielversprechende Kandidaten, die derzeit untersucht werden:

1. Neuromodulationsgeräte: e-TNS (externe Trigeminusnervenstimulation), eine Behandlung, bei der die Gesichtsnerven mit geringer Leistung elektrisch stimuliert werden. Studien zeigen klinische Erfolge bei der Behandlung von Migräne. Das Gerät ist jedoch noch nicht für die Anwendung bei Patienten zugelassen.

2. Oxytocin: Hormonelle Oxytocin-Nasensprays könnten die Häufigkeit von Migräne, insbesondere bei Frauen, wirksam und sicher reduzieren.

3. Bestimmte Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel, sogenannte Nutrazeutika: Traubenkernextrakt, Kakao oder Hühnerbrühe etwa verringern bei einigen Menschen die Häufigkeit von Migräneanfällen. Das konnte Paul Durham mit seiner Forschung zeigen.

"Ich glaube nicht, dass Nutrazeutika jemals Medikamente ersetzen sollten, aber sie könnten eine weitere Option zur Behandlung von Migräne sein. Mir gefällt, was Hippokrates sagte: 'Lass die Nahrung deine Medizin sein'", sagt Durham.