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KonflikteIran

Wie lange kann der Iran einen Krieg logistisch durchhalten?

4. März 2026

Im Krieg mit den USA und Israel ist der Iran weitgehend auf sich selbst gestellt. Das Regime in Teheran setzt vor allem auf eigene Raketen- und Drohnensysteme und will nicht kapitulieren.

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Iran Teheran 2026 | Rauchsäule nach US-israelischem Luftangriff nahe dem Azadi-Turm
Rauchsäule nach US‑israelischem Luftangriff nahe dem Azadi-(Freiheit)-Turm im Zentrum der Hauptstadt TeheranBild: Hamid Vakili/Parspix/ABACAPRESS/IMAGO

Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten habe sich der Iran auf einen langen Krieg vorbereitet, betonte Ali Laridschani, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats, am dritten Tag des Krieges. Laridschani wiederholte damit, was auch andere (Noch-)Funktionäre der Islamischen Republik seit dem 28. Februar ankündigen: "Wir werden uns verteidigen, koste es, was es wolle."

Seit dem 28. Februar führen die USA und Israel eine koordinierte, massive Militäroffensive gegen den Iran. Die Angriffe richten sich gezielt gegen Führungspersönlichkeiten sowie militärische und staatliche Einrichtungen.

Der Iran reagiert mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie auf US-Stützpunkte in den Nachbarländern am Persischen Golf. Allein die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) waren nach eigenen Angaben Hunderten  Angriffen aus dem Iran ausgesetzt.

Bis Mittwoch, den 4. März, hat der Iran laut Admiral Brad Cooper, dem Chef des US-Regionalkommandos für den Nahen Osten (Centcom), mehr als 500 ballistische Raketen und über 2000 Drohnen abgefeuert. Er warf dem Iran vor, dabei wahllos Zivilisten anzugreifen.

Vereinigte Arabische Emirate Abu Dhabi 2026 | Pressekonferenz zur Abwehr iranischer Angriffe
Daten über das Abfangen iranischer Angriffe durch die Luftverteidigung der Vereinigten Arabischen Emirate wurden vom Verteidigungsministerium während einer Pressekonferenz in Abu Dhabi am 3. März 2026 präsentiertBild: Ryan Lim/AFP/Getty Images

"Wir wissen nicht genau, wie viele ballistische Raketen und Drohnen der Iran tatsächlich besitzt", sagte ein Waffenexperte im Gespräch mit der DW, der namentlich nicht genannt werden möchte. Er bekräftigte dabei zugleich eine These, die seit Beginn des Krieges im Kreis von Militärexperten diskutiert wird: Hätte der Iran im Oktober 2024 - als Vergeltung für die Ermordung des Hamas-Führers Ismail Haniyeh in Teheran - Israel nicht mit Hunderten Raketen angegriffen, hätte er nicht die Büchse der Pandora für sich selbst geöffnet. 

Mit dem Angriff habe der Iran nämlich die Schwäche seines Langstreckenraketenprogramms offengelegt. Die Langstreckenraketen konnten ihre Ziele nicht präzise treffen. Das Raketenprogramm habe dadurch nicht nur an Abschreckungspotenzial verloren, sondern auch eine psychologische Schwelle in der direkten Konfrontation überschritten.

Logistik und Produktion von Raketen und Drohnen

Zu Beginn des Krieges am Samstag ging das israelische Militär davon aus, dass der Iran über rund 2500 ballistische Raketen verfügt. Neben den vom Iran abgefeuerten Raketen dürfte sich der Bestand auch dadurch verringert haben, dass bei Bombenangriffen Israels und des US-Militärs seither zahlreiche weitere zerstört oder in ihren Lager-Tunneln verschüttet wurden.

Satellitenbilder, die derzeit im Netz kursieren, sollen Angriffe auf Raketenbasen in Kermanshah, Karaj, Khorramabad und Tabriz Nord zeigen. Zu sehen sind offenbar eingestürzte Tunneleingänge von unterirdischen Lagerarsenalen, die durch jüngste Angriffe zerstört worden sein sollen.

"Wir sehen zudem, dass mobile Raketenwerfer mit großem Nachdruck verfolgt werden", sagte der Waffenexperte. "Was vor fünf Jahren noch sehr schwierig war, ist heute aufgrund technologischer Fortschritte möglich. Dennoch bleibt die Frage, wie viele dieser Systeme tatsächlich zerstört wurden."

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Wie viele Raketen allerdings vor dem absehbaren Krieg aus diesen Lagern herausgeholt und im Land verteilt wurden, und wie viele Raketenwerfer noch vorhanden sind, ist nicht bekannt.

Der Iran soll zudem beim Tempo der Drohnenproduktion flexibel reagieren können. Es handelt sich dabei nicht um große, leicht sichtbare Produktionsanlagen. Geleakten russischen Dokumenten zufolge kann Teheran monatlich rund 5000 Drohnen produzieren. Die Drohnen werden von einem einfachen Gerüst abgefeuert, das in wenigen Stunden gebaut wird.

Die Herstellung einer dieser Drohnen mit den Namen Shahed soll den Iran mehrere tausend Dollar kosten. Eine Patriot-Abfangrakete kostet dagegen bis zu etwa drei Millionen Dollar pro Stück.

Mit seinen Kurzstreckenraketen und Drohnen hat der Iran am Wochenende und Montag laut einer Analyse der New York Times, die basierend auf Satellitenbildern und verifizierten Videos erstellt wurde, Strukturen beschädigt, die Teil von Kommunikations- und Radarsystemen auf mindestens sieben US-Militärstützpunkten im Nahen Osten sind oder sich in deren Nähe befinden.

Die Angriffe auf diese Standorte deuten darauf hin, dass der Iran die Kommunikations- und Koordinationsfähigkeit des US-Militärs stören wollte. Die Kommunikationsinfrastruktur des US-Militärs wird streng geheim gehalten, was es schwierig macht, genau festzustellen, welche Systeme betroffen sein könnten.

Folgen für Bevölkerung und Region

"Der Iran wird versuchen, den Krieg zu verlängern und spielt auf Zeit", sagt der Professor für Internationale Beziehungen an der London School of Economics, Fawaz Gerges, im Gespräch mit der DW.

"Die iranische Führung hatte Zeit, ihre Handlungen zu planen und zu koordinieren. Ich denke, sie bereiten sich auf einen langen Krieg vor." Das übergeordnete Ziel des iranischen Regimes sei im Grunde Resilienz, also die Fähigkeit zum Durchhalten, um die ersten, zweiten und dritten Schocks zu absorbieren und dann weiterhin Widerstand zu leisten.

Iran Minab 2026 | Gräber werden für die Opfer eines israelischen Angriffs auf eine Schule vorbereitet
Gräber werden für die Opfer eines Angriffs in der Stadt Minab vorbereitet Bild: Iranian Foreign Media Department/WANA/REUTERS

Die Kosten des Krieges trägt vor allem die Bevölkerung im Iran, die den Angriffen schutzlos ausgeliefert ist. Auch wenn die USA und Israel nach eigenen Angaben gezielte Schläge durchführen, sind in dicht besiedelten Städten hohe Kollateralschäden kaum zu vermeiden.

Bereits am ersten Tag wurde nach iranischen Angaben eine Grundschule in der Stadt Minab im Süden des Landes getroffen. Iranische Staatsmedien zeigten am Dienstag Bilder von Massenbeerdigungen für 168 Kinder im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren sowie für ihre Lehrkräfte. Die Vereinten Nationen bezeichneten den Angriff als "absolut schockierend" und forderten eine Untersuchung.

Israel bestritt einen Angriff auf die Schule in Minab, die rund 40 Kilometer vom Golf von Oman entfernt liegt. Die USA, die mit mehreren Flugzeugträgern im Arabischen Meer präsent sind, kündigten an, den Vorfall zu überprüfen.

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