Wie funktioniert Financial Fairplay? | Sport | DW | 21.05.2019
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Sanktionsmittel der UEFA

Wie funktioniert Financial Fairplay?

Dem frisch gekürten Meister Manchester City droht wegen Verstößen gegen das Financial Fairplay der UEFA der Ausschluss von der Champions-League-Saison 2019/20. Was genau ist Financial Fairplay und wie funktioniert es?

1. Was ist Financial Fairplay und seit wann besteht es?

Die UEFA sagt über ihr unter dem Namen "Financial Fairplay" (FFP) laufendes Regelwerk: "Beim Financial Fairplay geht es darum, die finanzielle Gesundheit des europäischen Klubfußballs zu verbessern." Das Regelwerk wurde im Jahr 2010 als Nachfolge-Konzept des UEFA-Klublizenzierungsverfahrens vorgestellt und 2013 eingeführt. Es soll verhindern, dass Klubs mehr Geld ausgeben, als sie einnehmen und ihnen laut UEFA so dabei helfen, langfristig nicht in finanzielle Nöte zu geraten. Der damalige UEFA-Präsident Michel Platini sagte 2010 es müsse etwas "gegen das Finanz-Doping" getan werden.

2. Wieviel Geld dürfen die Klubs ausgeben? 

Michel Platini (Getty Images/P. Schmidli)

Unter UEFA-Präsident Michel Platini wurde Financial Fairplay 2013 eingeführt

Laut dem UEFA-Reglement dürfen Klubs im sogenannten Bewertungszeitraum (drei Jahre) fünf Mio. Euro mehr ausgeben, als sie einnehmen. Der Verlust darf auf maximal 30 Mio. Euro ansteigen, vorausgesetzt der oder die Klubeigentümer oder ein Investor können diesen Verlust unmittelbar auffangen. Seit 2015 gilt die Regelung, dass Investitionen in Stadien, Trainingseinrichtungen, Juniorenförderung und Frauenfußball in der Berechnung nicht berücksichtigt werden müssen.

Die unmittelbar mit dem Spielbetrieb der Profis zusammenhängenden Kosten wie Transferausgaben und Spieler- und Trainergehälter müssen laut Financial Fairplay im Gleichgewicht mit den Einnahmen aus TV-Vermarktung, dem Spielbetrieb im eigenen Stadion und sämtlichen kommerziellen Aktivitäten, wie dem Verkauf von Fanartikeln, stehen. Die Klubs müssen unter allen Umständen ihre Transfer- und Gehaltsverpflichtungen erfüllen und dürfen Kosten nicht in die Zukunft verschieben, um Zahlen zu einem gewissen Zeitpunkt zu schönen.

3. Wird Sponsoring in der Berechnung berücksichtigt?

Sponsoring ist im Financial-Fairplay-Reglement eine Grauzone. Die UEFA-Regel besagt: "Schießt ein Klubbesitzer durch einen Sponsoringvertrag mit einem Unternehmen, zu dem er in Beziehung steht, Geld ein, wird das zuständige UEFA-Organ Ermittlungen vornehmen und gegebenenfalls die Berechnung des Break-even-Ergebnisses für die Sponsoring-Einnahmen den Marktpreisen entsprechend anpassen." Diese Formulierung ist keine klare Grundlage und lässt bei der Frage, welcher Vorgang wie gegen die Regeln verstößt, Interpretationsspielraum seitens der UEFA zu, die in jedem Einzelfall auch eine Einzelentscheidung trifft. Dieser Punkt im Reglement ist anfällig für Missbrauch.  

4. Welche Konsequenzen bringen Regelbrüche mit sich?

Zur Durchsetzung des Financial Fairplay wurde von der UEFA die Finanzkontrollkammer für Klubs (FKKK) eingerichtet. Sie spricht in der Regel Warnungen, Bußgelder und Transfersperren aus, die von Klubs wie Manchester City und Paris Saint-Germain in der Vergangenheit bereits missachtet wurden. Das Spektrum der Sanktionen ist vielfältig und sieht den Abzug von Punkten, das Erteilen von Transfersperren und den Ausschluss aus UEFA-Wettbewerben, was aktuell Man City droht, vor.

5. Hat PSG bei der Verpflichtung von Neymar gegen das FFP verstoßen? 

Paris Saint-Germain Vorstellung Neymar (picture-alliance/PA Wire/J. Brady)

Der Transfer von Neymar zu PSG soll 222 Mio. Euro gekostet haben und unter dubiosen Umständen zu Stande gekommen sein

Im Fall des Neymar-Transfers von Barcelona zu PSG gelangte die UEFA zu dem Schluss, dass das Vorgehen von PSG eine Untersuchung rechtfertige. PSG legte jedoch beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) Berufung ein. Der CAS urteilte im vergangenen März zugunsten von PSG und entschied auch, dass der Fall in Zukunft nicht wieder aufgenommen werden kann. Der Neymar-Transfer hatte ein Volumen von 222 Millionen Euro. Es steht der Verdacht im Raum, dass die Summe in Teilen, als zusätzliches Sponsoring deklariert, von der Qatar Tourist Authority (QTA) an Barcelona gezahlt wurde, um die Financial-Fairplay-Regel zu umgehen. 

6. Ist das Financial Fairplay juristisch fundiert ?

Die UEFA sagt, dass  das Financial Fairplay EU-Recht entspricht und erklärt weiter: "Die UEFA war im ständigen Dialog mit der Europäischen Kommission über das Financial Fairplay und hat stets Unterstützung für die Initiative erhalten." Juristische Anfechtungen hat das jedoch nicht verhindert. Jean-Louis Dupont, ein belgischer Anwalt, der 1995 eine Schlüsselrolle auf dem Weg zum für Transfers im europäischen Fußball bedeutenden "Bosman-Urteil" spielte, legte 2013 Klage ein. Als Begründung führte er an, dass das Financial Fairplay aus seiner Sicht gegen das europäische Wettbewerbsrecht verstoße. Der Europäische Gerichtshof lehnte die Klage ab. 

7. Wohin fließen durch Financial Fairplay verursachte Bußgelder? 

Die UEFA weist darauf hin, dass sie Bußgelder nicht behält und sie stattdessen nach einer dafür geschaffenen Formel unter den Klubs verteilt. 80 Prozent der eingenommenen Bußgelder werden demnach gleichmäßig auf die Teams, die in der Gruppenphase der Champions und Europa League antreten, verteilt. In der Saison 2016/17 beispielsweise waren das 78.300 Euro pro Verein. Die restlichen 20 Prozent des Geldes werden unter den Vereinen, die in den Qualifikationsrunden zu diesen Wettbewerben gescheitert sind, aufgeteilt.