Wie die Taliban die Pressefreiheit bedrohen | Welt | DW | 30.08.2021
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Welt

Wie die Taliban die Pressefreiheit bedrohen

Die Taliban versprachen Pressefreiheit und "keine Drohungen" gegen Journalisten in Afghanistan. Einschüchterung und Gewalt zeigen jedoch, wie leer diese Versprechen sind.

Anfang August entmachteten die Taliban die afghanische Regierung - kurz darauf gab ein Sprecher der radikal-islamischen Gruppe eine Reihe von öffentlichen Versprechen ab. Der Ton wirkte versöhnlich. Es werde "keine Drohungen" gegen Journalisten geben, hieß es am 17. August. Doch das entpuppte sich spätestens zehn Tage später als Lüge, die Taliban-Kämpfer greifen weiterhin Journalisten und ihre Familien an

Was behaupteten die Taliban konkret?

Die Taliban stellten konkret drei Behauptungen in Bezug auf Journalisten auf. Ihr Sprecher Zabihullah Mujahid sagte:

  1. "Journalisten, die für staatliche oder private Medien arbeiten, sind keine Kriminellen und keiner von ihnen wird strafrechtlich verfolgt werden."
  2. "Es wird keine Drohungen gegen sie geben. Wenn Journalisten mancherorts zuhause geblieben sind, dann wegen der Kriegssituation. Sie werden bald wieder wie früher arbeiten können."
  3. "Ich versichere den Medien noch einmal, dass wir uns für die Medien innerhalb unseres kulturellen Rahmens einsetzen. Private Medien können weiterhin frei und unabhängig sein, sie können ihre Arbeit fortsetzen - mit einigen Aufforderungen an diese Medien."

Diese Äußerungen stießen sofort auf Zweifel und Skepsis - denn bisher wurden Journalisten häufig von den Taliban verletzt, festgenommen oder getötet. Weniger als zwei Wochen vor der Pressekonferenz der Taliban hatten mutmaßliche Taliban-Kämpfer den afghanischen Journalisten Toofan Omar getötet. 

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Was ist seit der Pressekonferenz passiert?

Die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen (ROG) teilte der DW mit, sie habe sieben Fälle registriert, in denen afghanische Reporter und Fotografen von den Taliban körperlich angegriffen worden seien. Die Journalistin Nahid Bashardost und der TOLOnews-Reporter Ziar Khan Yaad waren zwei davon. 

Yaad und sein Kameramann sollen am vergangenen Mittwoch mit einer Waffe angegriffen worden sein. Die beiden hatten über Armut in Kabul berichtet, als sie verprügelt wurden, sagte Yaad im DW-Interview. Zudem sei ihre Ausrüstung, einschließlich Mobiltelefonen und Kameras, beschlagnahmt worden.

Der Journalist sagte zudem, dass die Taliban weiterhin an sein Telefon gingen, wenn Freunde und Familienangehörige versuchten, ihn unter der Handynummer zu erreichen. Außerdem hätten die Kämpfer nach der Privatadresse des Reporters gefragt. "Meine Familie musste ihr Zuhause verlassen und in eine andere Gegend ziehen", erklärt Yaad. "Meine Familie macht sich Sorgen um mich, und ich mache mir Sorgen um meine Familie."

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Journalisten in Afghanistan in Lebensgefahr

Zudem wurden zwölf Journalisten von den Taliban vorübergehend verhaftet. Dem Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) zufolge wurden die Häuser von mindestens zwei Medienleuten durchsucht. Nach der Machtübernahme der Taliban habe es zudem Durchsuchungen in Wohnungen von mindestens vier anderen Nachrichtenjournalisten und Mitarbeitern von Nachrichtenagenturen gegeben.

Taliban-Kämpfer haben bei der Verfolgung eines Journalisten der Deutschen Welle einen von dessen Familienangehörigen erschossen und einen weiteren schwer verletzt. Die Taliban haben die Häuser von mindestens drei DW-Journalisten durchsucht. Kollegen von anderen Medien wurden entführt oder getötet.

Auch private afghanische Nachrichtenorganisationen berichten von täglichen Drohungen gegen ihre Journalisten.

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Medienorganisationen fordern klare Definitionen

Medienorganisationen und Aktivisten fordern die Taliban auf, klarzustellen, was die Formulierung "frei und unabhängig" für private Medien bedeutet und wie die Medien innerhalb des "kulturellen Rahmens" der extremistischen Gruppe agieren sollen. Der Sprecher der Reporter ohne Grenzen sagte im DW-Interview: "Wir fordern die Taliban auf, klare und schriftliche Regeln für die Presse zu erlassen, um willkürliche Situationen zu vermeiden, wie wir sie in den letzten Tagen beobachtet haben."

Der Generalsekretär Christophe Deloire von ROG sagte zudem in einem Statement: "Wir fordern sie auf, Bedingungen für einen Journalismus zu garantieren, der diesen Namen verdient."

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