Werder: Kohfeldt beschenkt sich selbst | Sport | DW | 05.10.2018
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Bundesliga

Werder: Kohfeldt beschenkt sich selbst

Werder Bremen setzt seinen Aufwärtstrend fort und besiegt den VfL Wolfsburg. Der Aufschwung der Hanseaten hängt eng mit Trainer Florian Kohfeldt zusammen, der seinen Geburtstag kaum besser hätte verbringen können.

Anzusehen war es ihm nicht, dass er seinen Ehrentag hatte. Florian Kohfeldt stand am Freitagabend im Flutlicht-getränkten Weserstadion am Spielfeldrand und wirkte überaus konzentriert. An seinen 36. Geburtstag schien er sich nicht eine Sekunde lang zu erinnern, während die Partie zwischen Werder Bremen und dem VfL Wolfsburg lief. Am Ende siegte das Kohfeldt-Team knapp und etwas glücklich mit 2:0 (1:0) - und für den Coach wurde es doch noch ein voll umfänglicher Feiertag.  

Anfänglich schien es aber überhaupt nicht Kohfeldts Tag zu werden. Der Trainer der Bremer wirkte unzufrieden mit seinem Team, schüttelte immer wieder den Kopf und verstand die Welt nicht mehr. Seine Spieler hatten nicht gerade die beste Form gegen die Niedersachsen erwischt. Das druckvolle Spiel, diese Vehemenz, die die Hanseaten zuletzt vor allem auf dem heimischen Rasen auszeichnete, war lange Zeit einfach nicht vorhanden. Erst in der 35. Minute erlöste Davy Klaassen seinen Trainer erstmals ein wenig und erzielte die Führung für Werder.

Werder-Aufschwung seit der Trainer da ist

Kohfeldt wirbelte zuvor mit seinen Armen, gab mündliche Anweisungen an seine Profis und lebte die Bewegungen und Pässe seiner Profis mit. Das Geburtstagskind wirkte fast verzweifelt. Schließlich hatten die Hanseaten die Gelegenheit, zumindest über Nacht auf den zweiten Tabellenplatz vorzurücken. Was nach vielen Jahren in den unteren Tabellenregionen geradezu eine Wohltat für alle Beteiligten ist. Dass dies am Ende Tabellenplatz zwei werden sollte, daran dürfte der Coach während der Partie lange Zeit gezweifelt haben.  

An diesem Abend schwang ein wenig Glück mit, doch die Richtung der Bremer ist eindeutig. Dieser Werder-Aufschwung und die Möglichkeit, nach vielen Jahren des Darbens wieder in die vorderen Tabellenregionen vorzudringen, ist eng mit der Arbeit des jungen Fußballlehrers verbunden. Seit Kohfeldt im vergangenen Oktober das Amt von Alexander Nouri übernommen hat, hat der Klub nach und nach seine ureigene DNA wiedergefunden. Kombinations-sicherer Offensivfußball prägt wieder die Bemühungen der Bremer.

Bei Werder passt es derzeit

Wie gut Trainer und Team derzeit zueinander passen, davon zeugt Nuri Sahins Statement über seinen neuen Coach, den er seit seinem Wechsel von Borussia Dortmund an die Weser erst seit ein paar Wochen kennt. "Er brennt für diesen Verein und seinen Job. Er hat eine sehr positive Zukunft, wenn er so weitermacht", sagte Mittelfeldspieler Sahin über Kohfeldt.   

Der 36-Jährige hat ganz Werder wieder diese Lust auf mutigen Offensivfußball eingeimpft. Lieber einmal mehr nach vorne als nach hinten passen. Und dafür auch ein wenig mehr Risiko eingehen, als es in der Bundesliga Usus ist. Auch wenn das Kohfeldt-Team dies noch nicht immer über 90 Minuten auf das Feld bekommt, und der Coach am Seitenrand leiden muss, weil seine Spieler wie gegen Nürnberg und auch gegen Wolfsburg urplötzlich in Passivität verfallen. 

Die Spieler lassen sich zudem messen an den Branchen-unüblichen Ankündigungen der Bremer, wieder in den internationalen Fußball zurück zu wollen. Und sie scheinen auf dem richtigen Weg mit dieser Marschroute zu sein. 

Eggestein erlöst die Bremer

Dass Johannes Eggestein vier Minuten vor dem Ende das 2:0 erzielte, der Spieler den Kohfeldt nur Augenblicke zuvor eingewechselt hatte, war die Pointe für den Coach an diesem für ihn besonderen Abend. Kohfeldt beschenkte sich selbst. Es war das 16. Heimspiel ohne Niederlage für die Bremer; ein Vereins-Rekord.  

Dass Kapitän Max Kruse, der extrovertierte Offensivspieler der Bremer, persönlich das Geburtstags-Geschenk der Mannschaft für den Coach besorgt hat, sagt viel aus über die derzeitige interne Struktur bei den Hanseaten. Kohfeldt darf sich feiern lassen.

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