Wer wird Unions-Kanzlerkandidat: Armin Laschet oder Markus Söder? | Deutschland | DW | 12.04.2021
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Machtkampf um Kanzlerkandidatur

Wer wird Unions-Kanzlerkandidat: Armin Laschet oder Markus Söder?

CDU und CSU sind Schwesterparteien und bilden gemeinsam die Union. Und wie Schwestern so sind: Eine Konkurrenz in einer Grundsatzfrage kann hässlich werden.

Deutschland Münster 2019 | Markus Söder, MP Bayern & Armin Laschet, MP Nordrhein-Westfalen

Wollen beide Bundeskanzler werden: Armin Laschet (l.) und Markus Söder

Die Union im Showdown. Wer soll die C-Parteien als Kanzlerkandidat in die Bundestagswahl Ende September führen, wer soll um das Erbe von Angela Merkel kämpfen? Die beiden wichtigsten deutschen Ministerpräsidenten, der Nordrhein-Westfale Armin Laschet (CDU) und der Bayer Markus Söder (CSU), wollen beide - doch nur einer kann gewinnen. Solche Konkurrenz sind die C-Parteien nicht gewohnt. Am Montagmittag sprach sich das CDU-Präsidium erwartungsgemäß für Laschet aus. Doch formell ist das noch keine abschließende Entscheidung - entschieden ist also noch nichts.

Wie kam es dazu? "Wenn die CDU bereit wäre und es will, mich zu unterstützen, dann stehe ich bereit", verkündete Söder am Sonntagnachmittag. Damit gab er jenen Spekulationen Feuer, die angesichts guter Umfragewerte für Söder und ernüchternder Werte für Laschet längst blühten. Dass der 54-jährige bayerische Landesvater sich selbst jeden Job zutraut, daran lässt er geradezu traditionell keine Zweifel.

"Freundschaftlich"

Die beiden werden die Personalie nicht mehr untereinander klären. Sie hätten, sagt Söder, zuvor einen "langen, sehr freundschaftlichen" Austausch gehabt und sähen sich beide als "bereit und geeignet". Laschet beeilte sich am Sonntag klarzustellen, dass er Kandidat für die Kür des Kanzlerkandidaten bleibe. Schließlich hatte der sechs Jahre ältere Rheinländer schon vor Wochen seinen Hut in den Ring geworfen.

Seitdem ringt die CDU-Spitze um Haltung und Geschlossenheit. Denn Söder sitzt in Bayern und im CSU-Lager fest im Sattel und hat seine Truppen sortiert. Laschet hat es da schwerer. Er ist erst seit Mitte Januar CDU-Chef und seitdem wirbelig einerseits um Präsenz und andererseits um Eintracht der zerstrittenen Partei bemüht. Aber Geschlossenheit konnte er bislang nicht erreichen.

Ein Ringen

Noch am Sonntagabend saß Laschet mit weiteren Führungskräften seiner Partei bei einem sogenannten Geheimtreffen zusammen. Die Zusammenkunft war so "geheim", dass es wirklich jedes Medium auf seinen Online-Seiten vermeldete. Denn Gesprächsbedarf ist da. So stützen Laschets Stellvertreter ihn an der Parteispitze, hören aber selber Söder-Jubel von ihrer Parteibasis. Es ist ein Ringen.

"Es kommt gar nicht so sehr darauf an, was die Präsidien der CDU und CSU sagen, weil die Präsidien stehen ja immer zu ihren Vorleuten", sagt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am Montagmorgen auf RTL/ntv. "Es kommt darauf an, dass wir eine Lösung finden, die von weiten Teilen der Union getragen werden kann." Altmaier, ein Getreuer von Angela Merkel, die mit der Kür des potenziellen Nachfolgers noch deutlicher zur bald scheidenden Kanzlerin wird, äußert sich nicht allzu oft zu parteipolitischen Themen.

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"Allein der Wahlsieg"

Und das scheint der springende Punkt. Die CDU-Spitze muss nicht einmal auf die Meinungsumfragen in der Gesamtbevölkerung schauen, die seit Wochen Söder deutlich vor Laschet sehen. Nein, einige CDU-Bundestagsabgeordnete hatten schon in der vorigen Woche, ausgesprochen ungewöhnlich, ihre Unterstützung für den CSU-Mann Söder angekündigt. Laschet erscheint ihnen zu fahrig, vielleicht auch zu nah an Merkel. Mit Söder verbinden sie die Hoffnung auf frischeren Wind im lange nicht durchgelüfteten Unions-Milieu.

Wie nervös die Spitzenkräfte und die Strippenzieher im Hintergrund sind, erfuhr der CDU-Mann Norbert Röttgen. Es gehe nun nicht um Laschet oder Söder, "sondern allein um den Wahlsieg der Union", mahnte er am Sonntag in Interviews. Danach müsse sich alles richten. Röttgen ist einer der Klügsten im CDU-Lager, aber er ist eigensinnig genug, um in der Parteispitze nicht viele Freunde zu haben. Nach seinem Vorstoß, der als Plädoyer für Söder verstanden wurde, kanzelten ihn mehrere Parteikollegen in der "Bild"-Zeitung regelrecht ab. Das sorgt für Solidarität anderer Abgeordneter - mit Röttgen. Von "Einschüchterungskommandos" ist die Rede.

"Einhellig" für Söder

Noch während die CDU-Parteispitze am Montagmorgen für Stunden zusammensaß, ergriff ein kompletter CDU-Landesverband die Initiative. Eigentlich ist das ein Affront. Das Präsidium der Berliner Christdemokraten kündigte seine Unterstützung für Söder als gemeinsamen Kanzlerkandidaten von CDU und CSU an. Und zwar "einhellig", betonte das Präsidium in einem Tweet.

Nun ist Berlin wahrlich keiner der besonders wichtigen oder großen Landesverbände der CDU. Aber hier ergab sich ein promptes Stimmungsbild. Aus mehreren der größeren Landesverbände hörte man von Abgeordneten kritische Töne zu Laschet. An der Basis daheim gebe es zuhauf Stimmen, die "Bloß nicht Armin Laschet" forderten.

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Die CDU-Spitze so, die Fraktion so?

Immer deutlicher zeichnet sich ein Gegensatz ab zwischen der CDU-Spitze, die sich jetzt auf Laschet festgelegt hat, und Teilen der Bundestagsfraktion oder Teilen der Basis. "Die Fraktion muss in der Kandidatenfrage einbezogen werden. Alles andere wäre ein schwerer Vertrauensverlust. Zur Erinnerung: Kein Kandidat wird Kanzler ohne die Fraktion…" Das bekräftigte Montagmorgen in aller Deutlichkeit zwar ein CSU-Bundestagsabgeordneter, der Außenpolitiker Thomas Erndl. Aber seinem Tweet gaben auch CDU-Parlamentarier ein "Like". Erndl: "Wir Abgeordnete können die Stimmung im ganzen Land am besten einschätzen."

Am späten Montagnachmittag treten in München schließlich Söder und CSU-Generalsekretär Markus Blume nach einer Präsidiumssitzung vor die Kameras. Blume nennt Söder dabei den "bestgeeigneten Kanzlerkandidaten der Union" und kündigt Gespräche mit der Schwesterpartei in Delegationsstärke an. Das sei dann der "Beginn der Beratungen", die aber nicht "endlos" sein sollten. Und Söder verweist betont freundlich auf Äußerungen aus diversen CDU-Landesverbänden, die sich für ihn aussprächen: Niedersachsen, Thüringen, Berlin, Rheinland-Pfalz. Es gebe noch Diskussionsbedarf. Der nächste Akt wird die Sitzung der Unionsfraktion am Dienstagnachmittag. Ausgang: offen.

Die Festlegung, ob Laschet oder Söder Kanzlerkandidat der Union wird, könnte sich also noch hinziehen. Dabei eilt die Zeit. Denn der derzeitige wichtigste politische Gegner, die Grünen, gehen geradezu elegant auf die Bekanntgabe ihrer Spitzenpersonalie zu. Am nächsten Montag wollen sie nach einem bislang bemerkenswert geräuschlosen Vorlauf sagen, ob Robert Habeck (51) oder Annalena Baerbock (40) für das Kanzleramt ins Rennen geschickt wird.

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Der anschwellende Chor der Baerbock-Kritiker aus der Union verrät nicht nur die Gegnerschaft oder die Furcht der nach wie vor männlich dominierten C-Parteien, gleich wieder von einer Frau regiert zu werden. Manches da klingt nach Neid. "Der Anspruch der Union muss sein, die Nummer eins zu sein", sagte Söder am Sonntag. "Der Hauptgegner sind die Grünen."

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