Wenn ein Dax Geburtstag hat | Wirtschaft | DW | 01.07.2018
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Deutscher Aktienindex

Wenn ein Dax Geburtstag hat

Zur Geburtstagsparty gibt es eine Torte aus Buttercreme und Erdbeeren. Dreißig Jahre Dax - das will gefeiert werden. Denn die Geschichte des Aktienindex ist auch ein Stück Wirtschaftsgeschichte.

Am 1. Juli 1988 wurde der Deutsche Aktienindex erstmals berechnet. 1163,52 Punkte standen da auf der Anzeigetafel - denn die Gründer hatten ihn zurückgerechnet auf den 1. Januar 1988. Im Januar dieses Jahres erreichte das Börsenbarometer einen Stand von mehr als 13.500 Punkten, wenn es auch in den letzten Wochen wieder abwärts ging. Die Schwankungen der Wertentwicklung in den vergangenen 30 Jahren waren heftig. So erinnert Hans-Jörg Naumer, Leiter der Kapitalmarkt-Analyse bei der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors (AGI) etwa an die Asien- und Russlandkrise, an die Technologieblase zur Jahrtausendwende und natürlich die Finanz- und Euro-Staatsschuldenkrise vor zehn Jahren.

Ein Index fürs Volk

Erfunden hat den Dax Frank Mella, der damals bei der Börsenzeitung Redakteur war. Die Idee: Man wollte einen Börsenindex für den Finanzplatz Deutschland berechnen. Bis dahin hatte es verschiedene andere Indizes gegeben, darunter etwa den FAZ-Index, der 100 Werte abbildet. Doch ein einheitlicher Aktienindex - das sei ein sehr wichtiger Schritt gewesen, meint Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Denn seither könne man nun international die verschiedenen Indizes vergleichen. "Ein solcher Index ist wie ein technischer Standard in der Industrie", erklärt Nieding. Außerdem habe man mit dem einheitlichen Börsenbarometer das Augenmerk der breiten Bevölkerung auf das Thema Börse gelenkt. Über das Auf und Ab des Dax wird heute selbstverständlich auch in den Nachrichtensendungen des Fernsehens berichtet.

Zwar hat es in den vergangenen 30 Jahren so manchen Wandel gegeben in der Zusammensetzung des Dax, denn in ihm sind die nach Umsatz und Marktkapitalisierung 30 größten börsennotierten Aktiengesellschaften Deutschlands enthalten. Welche das sind, das wird viermal im Jahr überprüft. Die Veränderungen zeigen sich etwa bei den Banken, aber auch in anderen Branchen: die Dresdner Bank ist inzwischen in der Commerzbank aufgegangen, Mannesmann wurde von Vodafone übernommen und dann zerschlagen, Karstadt und Kaufhof sind längst nicht mehr selbst börsennotiert.

Börse in Frankfurt Dax-Konzerne im Aufwind (picture-alliance/dpa/F. Rumpenhorst)

Blick in den Handelssaal an der Deutschen Börse in Frankfurt

Kein wirklichkeitsgetreues Abbild mehr

Der Dax soll eigentlich ein Abbild der deutschen Wirtschaft sein. Das aber sei nur unzureichend der Fall, meint Dirk Schiereck, Professor für Unternehmensfinanzierung an der TU Darmstadt. "Der Maschinenbau oder auch die Bauwirtschaft sind im Dax nur unzureichend vertreten", kritisiert er. Deshalb plädiert er für eine Ausweitung des Dax auf 50 Werte: Denn dass der Index mit 30 Werten konzipiert wurde, liegt vor allem daran, dass er dem amerikanischen Dow Jones Industrial Index mit eben 30 Unternehmen nachempfunden wurde. Auch die Zusammensetzung in den einzelnen Bereichen zeige, dass die deutsche Wirtschaft, die ja vor allem mittelständisch geprägt ist, anders vertreten wäre.

Als Beispiel nennt Schiereck den Technologiesektor: "Siemens und SAP als Dax-Werte strahlen da nicht so viel Dynamik aus", meint er. Wenn man hingegen den Dax erweitern würde, wären dann auch Werte wie Wirecard, United Internet oder Software AG vertreten. Weil viele Unternehmen in Deutschland nicht börsennotiert sind, werde der Dax zwar nie die deutsche Wirtschaft vollständig widerspiegeln. Aber die Struktur wäre insgesamt besser abgebildet. "Wenn der Dax 50 Werte umfassen würde, dann wäre das keine Revolution, sondern eine langsame Anpassung", meint er, der Maschinenbau wäre dann mit einem Gewicht von drei bis vier Prozent vertreten statt wie bisher mit knapp zwei.

Augen auf die Nebenwerte!

In einer Studie hat Schiereck die Vor- und Nachteile erforscht: der Wunsch vieler institutioneller Investoren nach einem umfänglicheren Dax sei dabei gar nicht so groß. Vielmehr hätten einige Fondsmanager ausdrücklich betont, es sei so einfacher, die Wertentwicklung des Dax mit ihren Fonds zu übertreffen. Das ist natürlich gute Werbung für die Fondsgesellschaften. Aber auch andere Gründe sprechen gegen eine Ausweitung: Die Unternehmen, die dadurch womöglich aufsteigen würden, seien gar nicht so angetan: "Lieber König im MDax als knapp im Dax", sei da die Haltung. Im MDax sind die 50 nächstgrößten Werte notiert. Und auch bei den großen Dax-Firmen sei das Echo in der Umfrage seines Instituts "verhalten" gewesen.

Die Deutsche Börse wird zwar zum September den MDax auf 60 Werte erweitern, den kleineren SDax von 50 auf 70. Aber den Dax 30 tastet sie nicht an. "Der ist etabliert, und etwas Etabliertes wirft man nicht so leicht über den Haufen", glaubt DSW-Vizepräsident Nieding. Ein Grund dürfte auch sein, dass man dann die Produkte anpassen müssten die auf den Dax als Basis ausgerichtet sind - das sind allein 200.000 Finanzprodukte, darunter 18 Indexfonds, die den Dax nachbilden. Der Index habe sich in der Praxis bewährt, sagt Nieding und rät, nicht nur auf den Dax 30 zu schauen, sondern eben auch auf den MDax, in dem viel mehr Mittelständler notiert seien. So hat der MDax in den letzten zehn  Jahren um 180 Prozent zugelegt, während der Dax 'nur' 90 Prozent schaffte.

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