Weniger Feinstaub dank Umweltzonen | Wissen & Umwelt | DW | 10.07.2015
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Wissen & Umwelt

Weniger Feinstaub dank Umweltzonen

Umweltzonen waren umstritten, als sie 2008 eingeführt wurden. Seither dürfen "Dreckschleudern" nicht mehr in Stadtzentren fahren. Doch die Maßnahme hat sich bewährt. Das zeigt eine Studie der Uni Münster.

Hannover und Köln waren die ersten. Sie führten 2008 Umweltzonen und Feinstaubplaketten ein, um die Luft in ihren Innenstädten nachhaltig zu verbessern. Seither haben immer mehr Städte und Regionen wie das Ruhrgebiet nachgezogen.

Der Verwaltungsaufwand war anfangs hoch. Allein die Stadtverwaltung Köln stellte acht neue Mitarbeiter zum Ausstellen von Plaketten und Aufstellen der Verkehrsschilder ein. Auch war die Aufregung jener Autobesitzer groß, die einen Wertverlust für ältere Fahrzeuge, die nicht umweltgerecht ausgestattet waren, in Kauf nehmen mussten. Aus umweltpolitischer Sicht hat sich das umstrittene Modell allerdings bewährt, besagt eine Studie der Uni Münster.

Klimaschutz: Deutsche Autos

Gesundheitsschädlich: Feinstaub-Partikel aus Dieselabgasen

Es trägt erheblich zur Senkung der sogenannten Feinstaub-Werte (PM10) in der Luft bei. Das ist die Erkenntnis der Studie von Christiane Malina und Frauke Scheffler. Die beiden Verkehrswissenschaftlerinnen haben meteorologische Daten und Luftverschmutzungswerte des Umweltbundesamtes ausgewertet. Außerdem untersuchten sie die Auswirkungen der gesunkenen Feinstaubwerte auf die Gesundheit der Stadtbewohner.

Das Gemisch aus festen und flüssigen, höchstens zehn Mikrometer kleinen Partikeln (PM10, particulate matter) entsteht bei der Verbrennung fossiler Stoffe wie Benzin und Diesel in besonderem Maße. Dabei werden Schwefel-, Stickoxide und Ammoniak freigesetzt. Auch durch Bremsprozesse, Reifenabrieb und Staubaufwirbelung von der Straßenoberfläche verteilt sich der Feinstaub in der Luft. Er kann über die Nasenhöhle bis in Bronchien und Lungenbläschen dringen, Organe und das Herz-Kreislaufsystem schädigen.

Weniger Sterbefälle, gesunkene Kosten

Die Wissenschaftlerinnen kamen zu dem Ergebnis, dass die verbesserte Luftqualität mit dem Rückgang von Sterbefällen aufgrund der Umweltbelastungen einhergeht. Mit der Einführung von Umweltzonen der Stufe 1, in der alle Fahrzeuge mit roter, gelber und grüner Plakette fahren dürfen, starben statistisch 400 Menschen weniger pro Jahr, bei Stufe 2 sogar rund 1200 weniger im Vergleich zu einem vergleichbaren Gebiet ohne Umweltzone.

Die Smog- und Folge-Kosten des Straßenverkehrs in Deutschland verringern sich demnach um etwa fünf Prozent allein durch die Umweltzonen der Stufe 1. Um 16 Prozent reduzierte sich die Belastung in Stufe 2, die nur von Fahrzeugen mit gelber oder grüner Kennzeichnung befahren werden dürfen.

Außerdem konnten die öffentlichen Haushalte ihre luftverschmutzungsbedingten Kosten deutlich senken. Dies bedeutet umgerechnet einen volkswirtschaftlichen Nutzen in Höhe von etwa 760 Millionen Euro (Stufe 1) beziehungsweise ca. 2,4 Milliarden Euro (Stufe 2). Für Frauke Scheffler ist dies "eine umfassende Bestätigung und der Beweis, dass die viel diskutierten und gelegentlich umstrittenen Umweltzonen tatsächlich etwas bringen.“

Strenge Vorschriften

Benziner ohne geregelten Katalysator und ältere Dieselmodelle, die nicht wenigstens Schadstoffklasse Euro 2 erfüllen, haben keine Berechtigung zur Zufahrt in eine Umweltzone. Bestimmte Bereiche (Stufen) dürfen noch mit roter oder gelber Kennzeichnung befahren werden. Freie Fahrt in allen gekennzeichneten Zonen haben nur schadstoffarme Fahrzeuge mit grüner Plakette.

Feinstaubmessung Autos Smog Halle Deutschland

Feinstaubmessung gegen Smoggefahr

Fahrzeuge der Baujahre 1992 bis 1997 erhalten keine Umweltplakette, außer, sie wurden mit einem Rußpartikelfilter nachgerüstet. Der Aufkleber für die Einfahrt von Umweltzonen ist übrigens Pflicht. Auch im Ausland zugelassene Fahrzeuge benötigen eine Umweltplakette, um gekennzeichnete Zonen in Deutschland zu befahren. Der Nachweis der Schadstoffgruppe für ausländische Fahrzeuge und damit die Zuordnung einer Plakette ist in der sogenannten Kennzeichnungsverordnung geregelt. Aufschluss über die Zuordnung kann auch die Erstzulassung des Fahrzeuges ergeben.

Bei Verstößen droht ein Bußgeld von 80 Euro. Allerdings kontrollieren die zuständigen Kommunen die Umweltzonen gar nicht oder nur sporadisch.