Weltmeister Carlsen rettet sich nach 80 Zügen | Sport | DW | 16.11.2018
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Schach-WM

Weltmeister Carlsen rettet sich nach 80 Zügen

Die Schach-WM zwischen Magnus Carlsen und Fabiano Caruano entwickelt sich zu einer Nervenschlacht. In der sechsten Runde ist der Titelverteidiger in der bisher spannendsten Partie an den Rand einer Niederlage geraten.

 Schach-WM in London (Getty Images/K. Betancur)

Auf Augenhöhe: Nach sechs Runden steht es 3:3 zwischen Weltmeister Magnus Carlsen (Norwegen) und Fabiano Caruana (USA)

Nach über sechs Stunden hatte Magnus Carlsen es geschafft: Mit einer Figur weniger hatte er auf dem Schachbrett eine Verteidigungsstellung aufgebaut, die von Fabiano Caruana nicht mehr eingenommen werden konnte. Während Carlsen sich nach dem langen Kampf sehr erleichtert zeigte, nahm Fabiano Caruana es gewohnt gelassen: "Ich hatte während der Partie das Gefühl, dass ich eine 50:50-Chance habe, die Partie zu gewinnen - aber es war an keiner Stelle der Partie einfach für mich". Auf jeden Fall war es dem Herausforderer in der sechsten Runde eindrucksvoll gelungen, den Weltmeister unter Druck zu setzen.

Carlsen verliert den Faden

Vielleicht lag dies auch daran, dass Fabiano Caruana zum ersten Mal in London seine Lieblingseröffnung auf das Brett brachte. Die altehrwürdige "Russische Verteidigung", eine solide Zugfolge,  hat der US-Großmeister  in den letzten Jahren wieder populär gemacht. Carlsens Team hatte sich intensiv auf diese Verteidigung vorbereitet und schon vierten Zug wartete der Weltmeister mit einem Springerzug auf, der nur sehr selten gespielt wird. Doch der erhoffte Überraschungseffekt blieb aus. Denn auch Caruana hatte sich den ungewöhnlichen Springerzug zu Hause angeschaut und konnte die Komplikationen umschiffen, ohne viel nachdenken zu müssen. Einmal mehr hatte bei dieser WM der Schwarzspieler das Eröffnungsduell für sich entschieden.

In der Folge manövrierten beide Spieler in einer ausgeglichenen, sehr symmetrischen Stellung hin und her. "Nicht viel los" lautete das Urteil der Experten in dieser Phase. Doch Zug für Zug zeigte sich, dass Magnus Carlsen in London  immer noch nicht in Topform ist. Während Fabiano Caruana gradlinig seine Position schrittweise verbesserte, fanden sich die Figuren des Weltmeisters auf einmal auf passiven Feldern wieder. Carlsen war nun gezwungen, in den Krisenmodus zu wechseln.

Reicht die Mehrfigur zum Sieg?

Schachweltmeisterschaft 2018 | Magnus Carlsen vs. Fabiano Caruana | 1. Partie (Reuters/P. Childs)

Man of the Match: Fabiano Caruana stand knapp vor dem Sieg gegen den Weltmeister

Nach rund 50 Zügen spitzte sich die Lage auf dem Brett dann noch mehr zu. Um nicht völlig überspielt zu werden, opferte Carlsen seinen verbliebenen Springer für drei Bauern. "An dieser Stelle machte ich mir große Sorgen", berichtete der Weltmeister nach der Partie. Zu recht, denn die Frage lautete: Schafft es Caruana mit seiner Mehrfigur die verbleibenden Bauern zu erobern und die Partie zu gewinnen? In der dramatischen Schlussphase verpasste Fabiano Carauna eine sehr schwer zu findende Gewinnmöglichkeit und ließ Carlsen knapp zu entwischen.

Mit der sechsten Runde haben die beiden besten Schachspieler der Welt die erste Hälfte ihres WM-Titelkampfs absolviert. Wie schon vor zwei Jahren bei seiner knappen Titelverteidigung gegen den Russen Sergej Karjakin hat der amtierende Weltmeister Carlsen es bisher nicht geschafft, zur Halbzeit einen Vorsprung herauszuspielen. Zuletzt hat Caruana den Weltmeister sogar unangenehm unter Druck setzen können. Immer mehr zeichnet sich ab, dass Konzentrationsfähigkeit und Nervenstärke diese WM entscheiden werden. Herausforderer Caruana wird ab jetzt etwas riskanter spielen müssen, denn ein 6:6 nach zwölf Runden und eine Entscheidung im Schnellschach will er sicherlich vermeiden. Schließlich gilt der Weltmeister in Partien mit verkürzter Bedenkzeit als fast unschlagbar.

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