Weltbild-Verlag vor dem Aus? | Kultur | DW | 10.09.2013
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Kultur

Weltbild-Verlag vor dem Aus?

Viele Bücher, viele Farben: Bunt wirkt die Website des Weltbild-Verlags. Turbulenter geht es jetzt im Verlag zu: Steht der zweitgrößte deutsche Buchhändler, der von der katholischen Kirche getragen wird, vor dem Aus?

Bildnummer: 56274881 Datum: 12.11.2011 Copyright: imago/Horst Galuschka Die Dürener Filiale der Weltbild Plus Medienvertriebs GmbH, einer Tochter der Verlagsgruppe Weltbild in Düren Wirtschaft xsp x1x 2011 quer o0 Buchhandel Einzelhandel Verlag

Eine Weltbild-Verkaufsstelle in Düren

Das Dementi aus Augsburg, dem Sitz der Verlagsgruppe Weltbild, ließ nicht lange auf sich warten: "Aus Sicht der Geschäftsführung ist der Fortbestand des Unternehmens in keiner Weise gefährdet", versicherte eine Sprecherin gegenüber der DW. Die FAZ schreibt hingegen, die "Geschäftsbanken einschließlich der kirchlichen Banken Liga und Pax" verhielten sich so, "dass die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens nicht ausgeschlossen ist". Konkreter wird das Blatt nicht.

Das Logo des Weltbild Verlages (Handout). Der Augsburger Weltbildverlag ist Deutschlands größter Buchhändler Foto: Weltbildverlag +++(c) dpa - Report+++

Das Logo des Verlags

Aus Sicht von Banken und Gesellschaftern liegt schon seit Jahren kein Segen mehr auf dem kirchlichen Verlag. Das Medienhaus - Jahresumsatz 2011/12: rund 1,6 Milliarden Euro - braucht frisches Geld. Wie viele andere Medienunternehmen steckt Weltbild im Umbau zum Online- und Digitalgeschäft. Das Verlagsgeschäft mit den Verlagen Droemer, Knaur, O.W. Barth und Pattloch wurde verkauft. "Das bringt zwar Geld in die Kasse", bilanziert die FAZ, "aber offenbar nicht genug, um die Umstrukturierung zu finanzieren."


Verlags-Dementi folgte prompt

"Dieser Umbau des Unternehmens führt zu einer vorübergehenden Verlustsituation", erklärt die Sprecherin auf DW-Anfrage. Der Grund: Weltbild schließt viele seiner Buchläden. Gleichzeitig müsse das Unternehmen hohe Investitionen stemmen, die sich erst später auszahlten. Wörtlich: "Die Parallelität von Rückbau einerseits und Neuaufbau andererseits stellt in seiner Dimension eine enorme Herausforderung und Anstrengung dar."

Bayern/ Eine Frau sieht sich am Montag (21.11.11) an einer Filiale der Buchhandelskette Weltbild plus in Muenchen ein Buch an. Die deutschen Dioezesanbischoefe beschaeftigen sich am.Montag mit der Zukunft des kircheneigenen Weltbild-Verlages. Die Augsburger Verlagsgruppe steht in der Kritik, weil sie unter anderem auch erotische und esoterische Literatur vertreibt. Der Koelner Kardinal Joachim Meisner hatte am Wochenende gefordert, die Kirche muesse sich von dem Unternehmen radikal trennen. Die Weltbild Plus Medien Vertriebs GmbH & Co. KG mit Sitz in Muenchen ist eine Unternehmenstochter der Verlagsgruppe Weltbild GmbH. (zu dapd-Text) Foto: Lukas Barth/dapd

Weltbild schließt viele Läden - und setzt auf den Internet-Vertrieb

Die strukturelle Krise des Buchmarkts trifft die Augsburger. Doch die größere Herausforderung sind die Eigentümer - zwölf katholische deutsche Diözesen, der Verband der Diözesen Deutschlands und die Soldatenseelsorge Berlin. Über die Gesellschafter möchte sich das Unternehmen nicht äußern.

Als Papst Benedikt XVI. sich vor zwei Jahren darüber empörte, dass Weltbild auch erotische und esoterische Bücher verkauft, beschlossen die Gesellschafter, das Verlagshaus in eine Stiftung zu überführen - um einen Verkauf abzuwenden. Die Stiftung gibt es bis heute nicht. Stattdessen drängen vier Diözesen auf Verkauf. Wortführer ist der Kölner Kardinal Meisner.


6800 Arbeitsplätze in Gefahr

In einer Filiale des Weltbild-Verlages in Augsburg liegt am Donnerstag (30.03.2006) ein Stapel der Enzyklika des Papstes. Interessierte können die Schrift über die christliche Liebe in den Filialen des Verlags kostenlos abholen oder über Internet bestellen, wie das Verlagshaus am Donnerstag mitteilte. Foto: Stefan Puchner (zu dpa/lby 0059 vom 30.03.2006) +++(c) dpa - Report+++

Auch die Enzykliken der Päpste sind bei Weltbild zu haben

Die Uneinigkeit macht die Banken offenbar nervös. Aber nicht nur die: Es geht um Tausende von Arbeitsplätzen. "So bräuchte Weltbild spätestens von der Bischofskonferenz Ende September ein eindeutiges Bekenntnis seiner Eigentümer zum Unternehmen, schreibt die FAZ, "verbunden mit der Zusage, das Eigenkapital zu erhöhen." In den Reihen der Bischöfe grassiere, so die FAZ, die Angst davor, in der Öffentlichkeit als Arbeitsplatzvernichter gebrandmarkt zu werden. Ein derart unchristliches Image könnte die katholische Kirche kaum gebrauchen. Die Deutsche Bischofskonferenz, so ihr Sprecher Matthias Kopp auf Anfrage der Deutschen Welle, "gibt derzeit keine Stellungnahme zum Thema ab."