Weitere Tote bei Protesten in Nicaragua | Aktuell Amerika | DW | 13.06.2018
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Mittelamerika

Weitere Tote bei Protesten in Nicaragua

Bei Demonstrationen gegen die Regierung in Nicaragua sind mindestens fünf Menschen getötet worden. Die Opposition ruft nun zu einem Generalstreik gegen die sandinistische Regierung von Daniel Ortega auf.

Demonstrantinnen am Sonntag in Managua (Reuters/J. Cabrera)

Demonstrantinnen am Sonntag in Managua

In Nicaragua halten die Proteste gegen die Regierung an. Die Oppositionsbewegung "Allianz für die Demokratie" ruft zu einem 24-stündigen Generalstreik am Donnerstag auf, wie die regierungskritischen Zeitung "La Prensa" berichtete. Das Bündnis aus Teilen der Zivilgesellschaft, Studenten- und Kleinbauernverbänden fordert Nicaraguas sandinistischen Präsidenten Daniel Ortega zum Rücktritt auf.

Erneut wurden bei den Protesten Menschen getötet. In der Stadt Jinotega, rund 140 Kilometer von der Hauptstadt Managua entfernt, wurde ein 21-Jähriger erschossen, wie die Zeitung "El Nuevo Diario" am Dienstag meldet. Zudem sei später ein weiterer Toter gefunden worden. Im Nordosten des lateinamerikanischen Landes sei ein Bauer erschossen worden, berichtet die Zeitung. Dutzende seien außerdem verletzt worden. In der Stadt Jinotepe starben zwei Kriegsveteranen, die die Polizei unterstützen.

Oppositionsanhänger schießen am Samstag in der Stadt Masaya auf Polizisten (picture-alliance/AP Photo/O. Duarte)

Oppositionsanhänger schießen am Samstag in der Stadt Masaya auf Polizisten

Unterstützer des umstrittenen Präsidenten Daniel Ortega sowie Polizei und Schlägertrupps hatten am Dienstagmorgen in mehreren Städten des Landes Straßensperren angegriffen. Mehrere Dutzend Menschen wurden festgenommen, wie der Direktor der Vereinigung für Menschenrechte Nicaraguas, Alvaro Leiva, mitteilte. 

Die Proteste gegen den autoritären Präsidenten und dessen Ehefrau, Vizepräsidentin Rosario Murillo, dauern bereits fast zwei Monate an. Sie hatten sich ursprünglich an einer Sozialreform entflammt, die Ortega aber später zurückzog. Seither gehen die Menschen auf die Straßen, um einen Rücktritt des Politiker-Ehepaars und ein Ende der autoritären Regierung zu fordern. 

Trauernde begleiten den Sarg eines getöteten Demonstranten am Donnerstag zum Friedhof (Getty Images/AFP/I. Ocon)

Trauernde begleiten den Sarg eines getöteten Demonstranten am Donnerstag zum Friedhof

Bislang wurden bei den Protesten etwa 150 Menschen getötet. "In den vergangenen Tagen hat sich die Situation noch zugespitzt. Nahezu täglich kommen neue Opfer hinzu", teilte der Leiter der SOS-Kinderdörfer in Nicaragua, Benito Rivas, mit. "In vielen Straßen stehen Barrikaden, die die wichtigsten Verkehrsverbindungen blockieren. Viele unserer Mitarbeiter arbeiten von Zuhause aus, weil der Weg zur Arbeit zu gefährlich ist." Seit die Friedensgespräche zwischen den Parteien abgebrochen wurden, befänden sich die Menschen in Angst und Unsicherheit, "sie sind in Schockstarre", sagte Rivas.

Daniel Ortega hat bislang keinerlei Einlenken erkennen lassen (AFP/Getty Images/I. Ocon)

Daniel Ortega hat bislang keinerlei Einlenken erkennen lassen

Menschenrechtsorganisationen und die Opposition machen regierungsnahe paramilitärische Banden und die Sicherheitskräfte für die Gewalt verantwortlich, die Regierung wirft den Demonstranten vor für die Ausschreitungen verantwortlich zu sein. Auf einen Vermittlungsvorschlag der katholischen Bischöfe des mittelamerikanischen Landes hat Ortega bislang noch nicht reagiert.

"Die Aussichten sind niederschmetternd", sagte Benito Rivas. Die Organisation SOS-Kinderdörfer habe mit anderen Hilfsorganisationen einen dringenden Appell unter anderem an den Ombudsmann für Menschenrechte sowie an Kirchenvertreter in Nicaragua geschickt. Darin werde ein Report zur Situation der Kinder und eine Versammlung eingefordert, um sich gemeinsam für einen besseren Schutz der Kinder einzusetzen.

stu/AR (kna, dpa)

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