Was tun gegen Waffen-Drohnen? | Wissen & Umwelt | DW | 07.08.2018
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Luftabwehr

Was tun gegen Waffen-Drohnen?

Drohnen werden eingesetzt, um Menschen zu verletzen oder sogar zu töten. Von ihnen geht eine potentielle Gefahr aus. Doch es gibt Möglichkeiten, sie unschädlich zu machen. Zum Beispiel durch Störsender oder Greifvögel.

Tschechien Prag DeDrone Präsentation (picture-alliance/CTK/R. Vondrous)

Mit dem Fangnetz gegen die feindliche Drohne.

Es soll ein fehlgeschlagener Mordanschlag auf den venezuelanischen Präsidenten Nicolás Maduro gewesen sein - aber der Vorfall vom Samstag (4. August 2018) zeigt, wie leicht es anscheinend ist, handelsübliche Fluggeräte in potentiell tödliche Waffen zu verwandeln.

In diesem Fall hatten die Täter laut offiziellen Angaben zwei Drohnen mit jeweils einem Kilogramm Sprengstoff bestückt und offenbar versucht, sie möglichst dicht an den Präsidenten heranfliegen zu lassen, als dieser vor Soldaten eine Rede hielt. Innenminister Nestor Reverol erklärte danach, dass das Militär eine Drohne "elektronisch" vom Kurs abgebracht hätte. Die zweite sei weit entfernt vom eigentlichen Ziel gegen eine Hauswand geprallt.

Im Irak Krieg schon verwendet

Schon länger ist bekannt, dass bewaffnete Gruppen, wie die Terrorgruppe "Islamischer Staat", handelsübliche Drohnen nutzen, um Hand- oder Mörsergranaten zielgenau auf ihre Opfer fallen zu lassen. Im April 2017 setzten IS-Kämpfer solche improvisierten Waffen in der Schlacht um Mossul ein. Die Fluggeräte kosten meist weniger als 1000 Dollar.

Das Internet steckt voller Beispiele für den Einsatz von Drohnen zu Tötungszwecken. Zusätzlich gibt es jede Menge Videos von Waffenfanatikern, die ihre selbstgebastelten, bewaffneten Drohnen vorstellen.

Ein fliegendes Maschinengewehr

Darunter ist etwa ein Video eines Bastlers, der seinen Quadrokopter mit einem fernsteuerbaren Maschinengewehr ausgestattet hat und auf Puppen schießt. Es scheint, als hätte er dieses allerdings zur Verstärkung des Aha-Effekts mit Sprengstoffen präpariert. [Seit der ersten Veröffentlichung dieses Artikels hat uns eine Leserzuschrift erreicht, die nahelegt, dass es sich bei dem Video um eine Animation - also eine Fälschung handelt]. 

Ob Realität oder reine Show [oder Fälschung], die Beispiele machen jedenfalls deutlich, dass gute Drohnenabwehr sowohl für Personenschützer als auch Militärs im Einsatz lebenswichtig ist. 

Bei der [vermeintlichen] selbstgebastelten Drohne mit dem Maschinengewehr stellt sich die Frage, wie sicher sie in einem realen Einsatzszenario überhaupt wäre. Möglicherweise kann sie bereits durch einen gezielten Wurf mit einem schweren Stein oder einen gezielten Schuss mit einer Schrotflinte zum Absturz gebracht werden.

Bei den Drohnen, die aus relativ großer Höhe leichte Granaten abwerfen, ist dies schon schwieriger. Erstens sind sie relativ leise, zweitens nur für geübte Schützen zu treffen. 

Von Drohnen geht potentiell eine große Gefahr aus

Spezialisierte Unternehmen wie das Kasseler Start-Up Unternehmen Dedrone, das mit der Deutschen Telekom zusammenarbeitet, setzt auf eine elektronische Drohnenabwehr.

Dazu gehört zunächst ein Sensorsystem, das elektronische Funkdaten empfängt und mit Videokameras den Luftraum beobachtet. Drohnen, die in einen vorab definierten Luftraum eindringen, erkennt das System. 

Mehr zu Heimwerker-Waffen: Wie realistisch sind Waffen aus dem 3D-Drucker?

Deutschland Langen Firma Dedrone (picture-alliance/dpa/A. Arnold)

Luftraumüberwachung mit Kameras und Sensoren - etwa für Gefängnisse

Das System identifiziert die Flugobjekte über typische Steuerbefehle, die per Funk oder Mobiltelefonsignal an die Drohnen übertragen werden. Und es registriert sofort Typ und Bauart der Drohne. So kann das System sie etwa von Vögeln, Drachen oder Hubschraubern unterscheiden. Auf einem Videobild verfolgt die Software die Drohne automatisch. 

Elektronisch außer Gefecht setzen

Dann können Störsender zum Einsatz gebracht werden, die die Drohne steuerungsunfähig machen und zur Landung zwingen. Solche Systeme baut der deutsche Mittelständler H.P. Marketing und Consulting Wüst GmbH. 

Die Firma baut Mobilfunkunterdrückungssysteme, mit denen etwa verhindert werden kann, dass Strafgefangene innerhalb der Gefängnismauern mit eingeschmuggelten Mobiltelefonen telefonieren. Nach demselben Prinzip kann das System auch verhindern, dass Drohnen in der Nähe der Gefängnismauern von einem Smartphone aus kontrollierbar sind und etwa Päckchen an Strafgefangene liefern.

Während bei Gefängnissen, die Drohnen-Erkennungs-Technik fest installiert wird, braucht man für Großveranstaltungen wie Fußballspiele oder öffentliche Auftritte gefährdeter Politiker mobile Systeme. Ein solches mobiles Antennen- und Kamerasystem hat etwa die Telekom Sparte Magenta Security entwickelt.

Fliegende Fangnetze oder Raubvögel

Eine andere Form der Drohnenabwehr bietet dieFirma Skywall an. Hierbei handelt es sich entweder um ein schultergestüztes Schussgerät, mit dem ein Fangnetz auf die Drohne geschossen wird. Hat sich das Netz um die Drohne gelegt, segelt diese an einem Fallschirm zum Boden

Frankreich Steinadler zur Drohnenabwehr (Getty Images/AFP/G. Gobet)

Im Dienst der französischen Luftwaffe. Dieser Adler ist auf Drohnen abgerichtet.

Und last, but not least setzen verschiedene Armeen auf Greifvögel zur Drohnenabwehr. So trainiert etwa die französische Luftwaffe Adler darauf, Drohnen gezielt im Flug zu packen und herunterzuholen.

Im privaten Sektor hat die niederländische Firma Guard from Abovedie tierische Drohnenabwehr zu einem Geschäftsmodell gemacht. Sie richtet sich an Militär und Polizeibehörden auf der ganzen Welt und arbeitet nicht nur mit Adlern, sondern auch mit anderen Greifvögeln.

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