Was die Jungen in der CDU jetzt von ihrer Partei erwarten | Politik | DW | 17.11.2018
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Christdemokraten

Was die Jungen in der CDU jetzt von ihrer Partei erwarten

Die Jungen in Angela Merkels CDU erhoffen sich viel von dem oder der neuen Parteivorsitzenden. Manche trauen das am ehesten dem ältesten Bewerber zu. DW-Reporterin Marina Strauß war bei einem JU-Treffen dabei.

Noch hängt Angela Merkel in Gold gerahmt an der Wand - in dunkelblauem Blazer mit einem leichten Lächeln auf den Lippen, neben ihr Klaus-Dieter Gröhler, CDU-Bundestagsabgeordnete von Charlottenburg-Wilmersdorf, einem bürgerlichen Bezirk im Berliner Westen. Es ist ein Foto aus anderen Zeiten. Als die Noch-CDU-Parteivorsitzende, die Noch-Kanzlerin noch fest im Sattel ihrer Partei saß.

Philipp Dillmann (DW/M. Strauß)

Philipp Dillmann geht davon aus, dass Merkel nicht bis 2021 Kanzlerin bleiben wird

Jetzt ruckelt es aber gehörig und Merkel könnte stürzen, noch bevor sie die Ziellinie ihrer vierten Kanzlerschaft erreicht. Hier beim allwöchentlichen Treffen der Jungen Union Charlottenburg-Wilmersdorf, der Jugendorganisation von Merkels CDU, trauert aber keiner den alten Zeiten so wirklich hinterher. Aufbruch ist das Stichwort. Und den Aufbruch soll einer schaffen, der dreimal so alt ist wie die versammelten JUler im Raum: Friedrich Merz. Zumindest wenn es nach dem Vorsitzenden Philipp Dillmann geht. Blonde Kurzhaarfrisur, grauer Kapuzenpulli der Uni Potsdam, eine Stimme, die älter klingt als seine 20 Jahre. Merz sei nicht im Gestern stehengeblieben, er bringe frischen Wind in die Partei und verspreche glaubhaft Erneuerung, sagt der BWL-Student. "Er zeigt, dass die CDU auch anders kann als Merkel", pflichtet der 15-jährige Ben Lanz ihm bei. "Merz verkörpert die Zeit vor Merkel und wir vermissen die Leute, die nicht mehr CDU wählen."

Kramp-Karrenbauer liegt in Umfragen vorn

Beim CDU-Parteitag Anfang Dezember werden 1001 Delegierte darüber abstimmen, wer Angela Merkel als Parteivorsitzende ablösen und möglicherweise auch der oder die nächste Kanzlerin werden wird. Als aussichtsreichste Kandidaten gelten CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, Gesundheitsminister Jens Spahn und eben auch Friedrich Merz, ein ehemaliger CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender und Merkel-Rivale, der nach zehn Jahren in der Wirtschaft ein drittes Leben in der Politik starten will. Laut aktuellem Deutschlandtrend kann Kramp-Karrenbauer die CDU-Anhänger am meisten überzeugen. Fast die Hälfte würde für sie stimmen, ein Drittel für Merz und nur 12 Prozent für Spahn.

Philipp Amthor von der CDU (DW)

Philipp Amthor fordert Zukunftsmut und Debattenkultur von seiner Partei

Der jüngste-CDU Abgeordnete Philipp Amthor attestiert der Parteibasis eine große Begeisterung für Friedrich Merz. Auch er spricht von einem Aufbruchssignal. Denn bei den meisten sei kein "Weiter so" gewünscht. Bei Merz stelle sich die Frage, was Mythos sei, was Wirklichkeit. "Er hat zwar den Vorteil, dass er sich zehn Jahre nicht in der Politik bewähren musste, ist aber trotzdem im Heute."

Dass Merz nach seinem Rückzug aus der Politik in einer Kanzlei tätig war und 2016 den Aufsichtsratsvorsitz des deutschen Ablegers von Blackrock, dem größten Vermögensverwalter der Welt, übernahm, stört Amthor genauso wenig wie einen anderen jungen CDU-Abgeordneten: Mark Hauptmann, Vorsitzender der Jungen Gruppe der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag. Blackrock soll mit Steuertricks krumme Geschäfte gemacht haben, allerdings einige Jahre vor Merz Amtsantritt. Für Merz sei der Vorwurf in keinster Weise problematisch, findet Hauptmann. Es gebe keine zeitlichen Überschneidungen und die Anschuldigungen seien ein bewusster Versuch, den Kandidaten zu diskreditieren.

"Jeder der ganz oben steht, muss Kritiker einbinden"

Inwiefern Blackrock "was Schlimmes gemacht hat", müsse man noch sehen, sagt CDU-Mitglied, Autorin und Unternehmerin Diana Kinnert. Auch, ob Merz Aktivitäten selbst unmoralisch gewesen seien. Doch: "Es ist schade, dass jemand, der Millionen verdient, in Deutschland so kritisch gesehen wird." Das sei in Großbritannien etwa anders. Im Moment setzt auch sie auf Merz: Ihm traut sie zu, dass er die deutsche Volkswirtschaft auf Jahrzehnte fit machen kann. Er denke in Märkten, grenzüberschreitend und nicht nationalistisch, zum Beispiel was Umwelt- und Klimapolitik angehe.

Diana Kinnert (picture-alliance/Geisler-Fotopress)

Diana Kinnert wünscht sich neue Fragen, statt moderner Antworten auf alte Fragen

Wer auch immer am Ende das Rennen macht, Kinnert, Amthor und Hauptmann sind sich darin einig, dass die CDU nur stark sein kann, wenn sie Politiker vom Kaliber Kramp-Karrenbauer, Spahn und Merz gleichzeitig vereint. Jeder, der ganz oben steht, sollte begreifen, dass man andere Flügel und Kritiker einbinden müsse, sagt Kinnert.

Bei der JU Charlottenburg-Wilmersdorf beginnt der offizielle Teil des Abends mit dem Vortrag eines ehemaligen Oberst der Bundeswehr. Es geht um die deutsche Sicherheitspolitik, ein Thema mit vielen Unterthemen, das hier viele bewegt: Innere Sicherheit, die Stärkung der Polizei, aber auch Digitalisierung und Technologie.

Die jungen CDU-Mitglieder und -Politiker erwarten sich darauf Antworten - vor allem von dem oder der neuen Parteivorsitzenden. Hier in Charlottenburg-Wilmersdorf sind sie alle zu jung, um sich an die Zeit vor Angela Merkel bewusst erinnern zu können. Ja, eine Ära gehe jetzt schon zu Ende, sagen einige, aber dann fällt auch wieder das Wort Aufbruch. Eine von zwei Frauen im Raum blickt nachdenklich. Kristina Oganesyan kann sich einen Mann als Bundeskanzler gar nicht mehr vorstellen. Ihr wäre es am liebsten, wenn in Zukunft Annegret Kramp-Karrenbauer vom goldenen Rahmen aus auf die JU-Treffen blicken würde.

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