Warum vergießen wir eigentlich Tränen? | Wissen & Umwelt | DW | 15.08.2019
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Psychologie

Warum vergießen wir eigentlich Tränen?

Wir weinen, wenn wir trauern, wenn wir Liebeskummer haben, uns etwas berührt oder wenn wir uns freuen. Unser Weinen beruht auf Emotionen. Aber hinter einer Träne steckt mehr als wir vielleicht ahnen.

Manch einer hat nah am Wasser gebaut, der kleinste Anlass reicht, und schon geht es los: Scheinbar unaufhaltsam strömen die Tränen übers Gesicht, manchmal bis die Augen rot sind. Jeder hat seine eigene Art zu weinen, manchmal von Schluchzen begleitet, von kurzen, heftigen Atemgeräuschen, manchmal ganz still und leise. 

Der Stoff, aus dem die Tränen sind

Es ist die Tränendrüse, die die Flüssigkeit erzeugt. Sie sitzt zwischen Augapfel und Augenlid. Die Träne legt sich wie ein Film über das Auge. Wird es irgendwann zu viel der Flüssigkeit, dann läuft das Fass über, dann kullern die Tränen - aus den Augen, über die Wangen, manchmal sogar bis übers Kinn hinaus - egal was denn nun der eigentlich Grund für die Kaskade ist. 

Infografik Tränenapparat des Auges DE

Hauptbestandteil von Tränen ist schlicht Wasser. Proteine, Enzyme und Substanzen, die Stickstoff enthalten, kommen hinzu. Zu neun Prozent bestehen Tränen aus Salz, und so schmecken sie auch: Tränen schmecken immer salzig. Aber es gibt unterschiedliche Zusammensetzungen - je nachdem, ob wir aus Trauer oder aus Liebeskummer weinen oder Freudentränen vergießen. 

Basale Tränen

Tränen produziert unser Körper nicht nur, wenn wir weinen, sondern permanent. Wäre das nicht der Fall, würden unsere Augen austrocknen. Das kennen viele Menschen. Oft ist die Luft in den Räumen, in denen wir uns aufhalten sehr trocken. Die Tränendrüsen sorgen dafür, dass das Auge feucht gehalten wird. Die Tränenflüssigkeit schützt unsere Augen vor kleinen Fremdkörpern, spült sie aus dem Auge und der regelmäßige Lidschlag funktioniert wie ein Scheibenwischer. Das Sekret enthält unter anderen keimtötende Stoffe. Diese Tränen sind sogenannte basale Tränen. Wir brauchen Tränenflüssigkeit also nicht nur, um unseren Emotionen freien Lauf zu lassen.

Zwiebel auf einem Holzbrett (picture-alliance/dpa/J. Schierenbeck)

Beim Zwiebelschneiden kommen einem die Tränen

Reflextränen

Schauspieler halten sich angeblich eine Zwiebel unter die Nase, bevor sie eine sehr traurige Szene spielen müssen, in der sie weinen sollen. Die wissenschaftliche Erklärung ist allerdings eher nüchtern: Bei einer frisch aufgeschnittenen Zwiebel setzt ein Enzym eine schwefelhaltige Aminosäure frei, die bringt die Tränen ins Rollen.

Um keine Tränen beim Zwiebelschneiden zu vergießen, gibt es jede Menge Tipps: Zum Beispiel eine Taucherbrille anziehen, die Zwiebeln unter Wasser schneiden, Durchzug in der Küche machen oder einen Kontaktlinsenträger bitten, sich um die beißende Arbeit zu kümmern. Die Kontaktlinse dient als eine Art Barriere und hindert den Reizstoff daran, überhaupt erst an die Hornhaut des Auges zu gelangen.

Weinen Tränen Trauer (Colourbox)

Die meisten von uns weinen, wenn sie trauern

Emotionale Tränen

Trauer- oder Freudentränen sind für uns die bekanntesten. Ein Teil des Gehirns ist für Emotionen zuständig. Das ist das limbische System, vor allem der Hypothalamus. Das limbische System ist mit dem vegetativen Nervensystem verbunden, das wir nicht kontrollieren oder steuern können. Die Emotionen lösen einen Reiz dieses Nervensystems aus, das dann wiederum die Stelle aktiviert, die Tränen erzeugt.

Gefühlstränen entstehen also, wenn starke Emotionen das vegetative Nervensystem stimulieren. Diese emotionalen Tränen enthalten wesentlich mehr Proteine als etwa Reflextränen. Auch die Wissenschaft beschäftigt sich mit den Tränen. Laut der Untersuchung eines deutschen Instituts für Augenheilkunde dauert der Tränenfluss bei Frauen etwa sechs Minuten. Bei Männern dauert es nur etwa zwei bis vier Minuten bis eine tränenreiche Phase vorbei ist.

Tränen unter die Lupe genommen 

Die amerikanische Fotografin Rose-Lynn Fisher hat Tränen unter dem Lichtmikroskop fotografiert und festgestellt: Tränen unterscheiden sich im Aussehen – je nachdem, was der Grund für unseren übermäßigen Tränenfluss ist. Verlust, Erleichterung, Freude oder die Tränen, die uns beim Zwiebelschneiden übers Gesicht rollen - jede Träne sieht unter dem Mikroskop anders aus. Darunter ist die Struktur um das 100 bis 400-fache vergrößert. 

Können Tiere weinen?

Ob ein Tier weinen kann, also imstande ist, Gefühle zu äußern - darüber ist die Wissenschaft noch immer uneins. Einige Forscher sind der Auffassung, dass Tiere durchaus in der Lage sind, Emotionen zu zeigen. Diese Wissenschaftler sind davon überzeugt, dass beispielsweise trauernde Elefanten durchaus Tränen vergießen, etwa wenn ein Artgenosse verstorben ist.

Elefant Tränen Auge (Colourbox)

Weinen Elefanten wirklich?

Die meisten Wissenschaftler vertreten die These, dass einzig und allein der Mensch in der Lage ist zu weinen. Aber: Krokodilstränen gibt es tatsächlich. Die Tiere weinen jedoch nicht, weil Emotionen sie übermannen. Die Erklärung ist eher nüchtern: Krokodile haben ein drittes Augenlid, in dem sich besonders viel Sekret ansammelt und das entsprechend auch wieder nach außen tritt. Weint ein Mensch Krokodilstränen, dann ist das einfach nur Heuchelei, Tränen können also durchaus lügen. 

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