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Warum Ratten ganz wunderbare Tiere sind

Katharina Peetz
7. September 2018

Ratten gibt es überall auf der Welt. Und ja: Sie können Krankheiten übertragen und Lebensmittel zerstören. Aber die Nagetiere haben auch positiv beeindruckende Eigenschaften.

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Pfeifratten (Parotomys brantsii)
Es gibt mehr als 4000 Ratten- und Mäusearten. Hier zum Beispiel ein Pfeifrattenweibchen mit Jungtieren in Südafrika.Bild: picture-alliance/dpa/imageBROKER

1.    Ratten sind interessante Forschungsobjekte

Für Biologen sind Nagetiere wie Ratten und Mäuse höchst spannend, weil sie so vielfältig sind. "Es gibt mehr als 4000 Ratten- und Mäusearten auf der Welt. Viele von ihnen leben im Urwald", sagt Rainer Hutterer vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn. Und die Forschung ist noch lange nicht abgeschlossen: Jedes Jahr werden neue Arten entdeckt und beschrieben, erklärt Hutterer. Während in Mitteleuropa vor allem die Wanderratte und die Hausratte verbreitet sind, leben in anderen Teilen der Welt ganz andere Arten. "Es gibt wahnsinnig viele verschiedene, sehr schöne Tiere, die auch in der Farbe sehr deutlich von unserer Wanderratte abweichen." So gebe es zum Beispiel in Afrika leuchtend rote Ratten oder Schwimmratten. 

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2.    Ratten sind beliebte Haustiere

"Mami, Papi, ich will eine Ratte!" Keine Angst: Ratten, die als Haustiere gehalten werden, sind speziell für diesen Zweck gezüchtet und stammen nicht aus dem Kanal. Bestimmte Eigenschaften werden "weggezüchtet", erklärt Zoologe Hutterer: "Sie sind zum Beispiel nicht mehr so scheu und haben sich an den Menschen gewöhnt." Meistens haben sie auch eine andere Farbe und heißen deshalb Farbratten. Ein weiteres schlagendes Argument: Sie sind extrem flauschig.

Ratte
Als Haustiere werden Farbratten gehalten. Sie sind weniger scheu und haben sich an den Menschen gewöhnt.Bild: picture-alliance/blickwinkel/H. Schmidt-Roeger

3.    Ratten sind sozial und intelligent

Zumindest einige von ihnen. Es gibt zwar Ratten, die keine Lust auf Gesellschaft haben, sehr isoliert leben und sich nur zum Paaren treffen. Aber andere Arten, wie die allseits unbeliebte Wanderratte, leben in großen sozialen Gruppen. Die Wanderratte gehört auch zu den besonders intelligenten Arten, erklärt Hutterer. Sie können sich beispielsweise sehr gut an der Oberfläche mit den Augen orientieren und Umwege laufen, wenn es erforderlich ist. Die Wanderratte hat sich an den Menschen angepasst und ist entsprechend flexibel: Sie frisst, was auch immer sie an Nahrung erwischen kann.

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Wanderratte
Die Wanderratte lebt in großen sozialen GruppenBild: picture-alliance/dpa/WILDLIFE

4.    Ratten sind eine Delikatesse

In weiten Teilen der Welt gehören Ratten wie selbstverständlich auf den Speiseplan. Aber nicht alle, erklärt Zoologe Hutterer: "In Asien beispielsweise wird klar getrennt zwischen den Ratten, die auf Bäumen leben und denen, die am Boden leben. Die auf den Bäumen sind weg von den menschlichen Exkrementen, und nur die werden gegessen. Die Ratten am Boden werden nicht gegessen." Die Tiere werden zum Beispiel gegrillt oder gebraten, mit Zitronengras oder Knoblauch zubereitet. Die Ratten, die im Urwald auf Bäumen leben, ernähren sich selbst meist vegetarisch von Früchten.

Indien | Rattenjagd in Assam
In vielen Ländern werden Ratten gebraten und gegessen. Hier werden sie auf einem Markt in Indien zum Kauf angeboten.Bild: picture-alliance/dpa/EPA/STR

5. Ratten werden verehrt

Zumindest in Indien. Im Karni-Mata-Tempel in der Region Rajasthan leben schätzungsweise 20.000 Ratten. "Sie werden gefüttert und weil sie nicht verfolgt werden, werden sie nach und nach zahm", erklärt Hutterer. Der Legende nach sind Ratten wiedergeborene Seelen, die unter dem Schutz der Göttin Durga stehen. Wie in hinduistischen Tempeln üblich, müssen Besucher die Schuhe ausziehen. Wem die Ratten über die Füße laufen, dem soll das Glück winken.

Heilige Ratten, Karni-Mata-Tempel oder Rattentempel, Deshnoke, Rajasthan, Indien, Asien
Schätzungsweise 20.000 Ratten leben im Karni-Mata-Tempel in IndienBild: picture-alliance/dpa/F. Bienewald

6.    Ratten schnüffeln Sprengstoff

Hunde, aufgepasst: Hier kommt Konkurrenz an der Spürnasen-Front. Bestimmte Rattenarten sind mindestens genauso gute Schnüffler wie Schäferhund und Co. Eine afrikanische Gattung von Riesenratten, Cricetomys, wird speziell geschult und trainiert, um Sprengstoff zu finden. Die Ratten sind etwa 40 bis 50 Zentimeter groß und nicht sehr scheu, erklärt Hutterer. Wenn sie Sprengstoff entdeckt haben, bleiben sie an der entsprechenden Stelle stehen. Mit Hilfe von Ratten wird so zum Beispiel in Thailand, Angola, Kambodscha und Mosambik nach Landminen gesucht. "Mit unseren Wanderratten würde das aber nicht gehen", erläutert Hutterer.