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Waidmannsheil: Von Jägern und Gejagten

2. Februar 2018

Röhren bis der Hirsch kommt: Mit skurrilen Tröten treten bei der Deutschen Meisterschaft die Besten Hirschrufer gegeneinander an. Wir verraten, was man noch über die Jagd wissen sollte.

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Deutsche Meisterschaft der Hirschrufer in Dortmund
Bild: picture-alliance/dpa/B. Thissen

Das Hirschrufen ist eine ernste Angelegenheit und traditionelles Jäger-Handwerk. Es gilt, dem Platzhirsch während der Brunftzeit des Rotwildes einen Nebenbuhler vorzutäuschen, damit er aus der Deckung tritt - und ihn dann mit einem Blattschuss zu erlegen. Bei der Dortmunder Messe "Jagd und Hund" röhrten 15 Männer und eine Frau mit Tröten, Schneckenhäusern und Hörnern um die Wette, und das Publikum klatschte begeistert. Am Ende "erröhrte" sich Enrico Braun aus Brandenburg den Sieg. Der 47-jährige Hobby-Jäger hatte lange mit einer Gießkanne experimentiert, bevor er auf ein Ochsenhorn umstieg.

Rund 80.000 Besucher und 800 Unternehmen aus 38 Nationen besuchen noch bis zum 4. Februar Europas größte Jagdmesse. Die Fachleute sind unter sich. Laien verstehen hier oft nur "Jägerlatein", deshalb haben wir Ihnen acht Fakten aufgelistet, die helfen, um mitzureden.

1. Warum wird überhaupt gejagt?

Wenn es zu viele Rehe oder Wildschweine gibt, schadet das dem Wald und die Nahrungskonkurrenz der Tiere untereinander wächst. Jäger sorgen dafür, dass der Wildbestand konstant bleibt, erklärt einem jeder Waidmann. Und auf den heimischen Tisch komme dann auch noch biologisch hochwertiges Fleisch. Die Jäger müssen sich trotzdem gegen den Vorwurf wehren, archaische Triebe und ihre Lust am Töten auszuleben. 

2. Der Jagdschein

Es ist verboten, einfach so in den Wald zu gehen und ein Tier zu erlegen. Es bedarf einer Jägerprüfung, in Fachkreisen als "Grünes Abitur" bekannt. Mindestens 60 Stunden Theorie und Praxis stehen auf dem Lehrplan. Um eine Waffe benutzen zu dürfen, benötigen Jäger einen Waffenschein – und eine Jagdhaftpflichtversicherung, falls der Schuss mal daneben geht.

3. Das Jagdrecht

Auch mit einem Jagdschein in der Tasche darf nicht einfach losgejagt werden. Das Jagdrecht steht nur dem Besitzer eines Waldes zu. Jäger können aber ein Stück Land pachten; über 500 Millionen Euro lassen sich das die Grünröcke deutschlandweit jährlich kosten.       

4. Die Jagdsaison

Die Jagd- und Schonzeitenzeiten sind in Deutschland auf den Tag genau festgelegt. So dürfen Hirsche zum Beispiel nur von August bis Januar gejagt werden und Wildgänse nur im Winter, Kaninchen hingegen müssen sich das ganze Jahr über in Acht nehmen: für sie gibt es keine Schonzeit. Andere Tierarten wie Luchs oder Wachtel brauchen die Jäger nicht zu fürchten: Als bedrohte Art stehen sie ganzjährig unter Schutz. Aber Achtung: Haustierbesitzer sollten während der Jagdsaison unbedingt auf ihre Lieblinge achten. Jäger kennen kein Pardon, wenn diese wildern. Laut dem Tierschutzverein Rhein-Sieg-Kreis werden jährlich über 20.000 Hunde und über 200.000 Katzen erschossen.

Ein Jäger auf dem Hochsitz
Vom Hochsitz sieht der Jäger das Wild am besten Bild: picture-alliance/R. Schlesinger

5. Der Hochsitz

Am besten jagt es sich am frühen Morgen. Meist richten sich die Jäger schon vor der Dämmerung gut getarnt auf ihrem Hochsitz ein - unbemerkt von den Wildtieren, die erst bei Tagesanbruch aktiv werden. Von dort oben haben sie einen guten Überblick über das Gelände. Eine erfolgversprechende Jagd braucht vor allem Geräuschlosigkeit, weiß Torsten Reinwald, der Sprecher des Deutschen Jagdverbandes. "Es ist wichtig, den Wind zu vermeiden. Wenn dieser im Rücken steht, dann ist die Jagd gelaufen."  Nach erfolgreicher Jagd wird das erlegte Tier mit einem sogenannten Bruch, meist einem Fichtenzweig, geschmückt.  

6. Jäger haben eine eigene Sprache

Schon mal was von Allstrich, Terzel oder Balzspänen gehört? Das Fachvokabular der Jäger ist für einen Laien meist unverständlich, auch wenn Begriffe wie "Waidmannsheil", "anpirschen" oder "Zwinger" in der Alltagssprache angekommen sind. Rund 13.000 Ausdrücke gibt es, im Jäger-Alltag reicht es aber, 2000 bis 3000 dieser Fachwörter zu kennen. Ein Allstrich ist übrigens ein dunkler Strich auf dem Rücken von Hirsch- und Gamswild, ein Terzel ein männlicher Greifvogel und als Balzspäne bezeichnet man den Kot oder die Losung, wie ein Jäger sagen würde, von Waldhühnern.

7. Jägerlatein

Waidmänner brüsten sich gern mit ihrer Beute und übertreiben, wenn es um die Größe des erlegten Tieres geht. Schon Reichskanzler Otto von Bismarck sagte Ende des 19. Jahrhunderts: "Es wird nie so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd." Das belegt auch dieser beliebte Witz: Drei Jäger sitzen im Wirtshaus und erzählen von ihren Jagderfolgen. "Ich hab mal ein Wildschwein geschossen, das war so schwer, dass drei Traktoren nötig waren, es wegzuschaffen", sagt der erste. "Ich habe einmal einen so großen Hirsch erschossen, dass die Bäume um ihn herum geschlagen werden mussten, bevor man ihn bergen konnte", erwidert der zweite. Darauf der dritte: "Das ist noch gar nichts! Ich habe mal einen Silberreiher erlegt, und auf einmal stiegen 150 Leute aus!" 

Ein erlegtes Reh mit einem Fichtenzweig im Maul
Dem erbeuteten Wild wird ein Zweig ins Maul gelegtBild: picture-alliance/R. Schlesinger

8. Zahlen und Fakten aus Jägerkreisen

Dem deutschen Jägerverband zufolge gab es 2016 so viele Jägerinnen und Jäger in Deutschland wie noch nie zuvor: Rund 380.000 Menschen gehen hierzulande auf die Pirsch, deutschlandweit kommt damit ein Jäger auf 213 Einwohner. Der Frauenanteil liegt bei sieben Prozent, doch die Zahl wächst. "Jagen heißt aktiv und nachhaltig leben, das wird für viele immer wichtiger. Wir sind erfreut, dass sich die positive Entwicklung fortsetzt, so DJV-Präsidiumsmitglied Josef Schneider.

Vielleicht findet sich unter dem Jägernachwuchs ja auch der ein oder andere talentierte Hirschrufer.  Der diesjährige Sieger Enrico Braun hat schon angekündigt: "Heute lassen wir noch die Sau raus!" Na dann, Waidmannsheil! 

Suzanne Cords Weltenbummlerin mit einem Herz für die Kultur