Währungen im Abwärtsstrudel: Warum Lira, Rubel & Co taumeln | Wirtschaft | DW | 12.04.2018
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Wirtschaft

Währungen im Abwärtsstrudel: Warum Lira, Rubel & Co taumeln

Lange profitieren aufstrebende Volkswirtschaften von den Niedrigzinsen in den Industrieländern. Massenweise fließt Kapital in Schwellenländer. Doch der Geldstrom lässt nach - mit erheblichen Auswirkungen.

Seit Jahren locken Schwellenländer Geldgeber, die wegen der historisch niedrigen Zinsen in den Wirtschaftsmächten auf der Suche nach Profit auch Risiken in Kauf nehmen. Doch jetzt sorgen der US-Handelsstreit mit China, neue Russland-Sanktionen sowie die Zuspitzung im Syrien-Krieg für Verunsicherung. Anleger ziehen ihr Geld aus aufstrebenden Ökonomien ab - und bringen deren Währungen ins Taumeln. Die türkische Lira fällt von einem Rekordtief zum nächsten, der russische Rubel stürzt ab. Auch andere Schwellenländerwährungen geraten unter Druck. Neben dem globalen Umfeld trägt aber auch die Politik der Länder erheblich zu den Problemen bei.

RUBEL

Nach der Ankündigung neuer US-Sanktionen hat die russische Währung allein diese Woche mehr als 10 Prozent ihres Wertes verloren. Am Mittwoch mussten für einen Dollar erstmals seit Ende 2016 über 65 Rubel gezahlt werden. Die Sanktionen treffen Russland ins Mark. Sie richten sich gegen 38 Firmen und Einzelpersonen, darunter sieben Oligarchen. Betroffen sind einige der reichsten Russen und deren Firmen, die eng mit Präsident Wladimir Putin verbunden sind. "Die Sanktionen sollen es den Unternehmen so gut wie unmöglich machen, ihre Geschäfte in Dollar abzuwickeln", sagt Eugen Weinberg, Experte bei der Commerzbank.  Auch der Staat ist betroffen. Das Finanzministerium hat bereits eine für Mittwoch vorgesehene Anleiheauktion abgesagt. Warnungen Trumps, Raketen nach Syrien zu schicken, sorgten zuletzt für zusätzlichen Druck.

LIRA

Die türkische Währung stürzt ins Bodenlose. Am Mittwoch mussten für einen Dollar bis zu 4,19 Lira und für einen Euro 5,19 Lira hingeblättert werden - beides ist so viel wie nie zuvor. Die globale Verunsicherung macht der Währung zu schaffen, aber das eigentliche Problem liegt tiefer. Experten verweisen darauf, dass die türkischen Importe die Exporte chronisch übersteigen. Zudem ist die Inflation mit über zehn Prozent extrem hoch, ohne dass die Notenbank die Zinsen deutlich anhebt. Trotz einer guten Konjunktur fordert Staatschef Recep Tayyip Erdogan sogar Zinssenkungen. Experten warnen: Es drohe eine Überhitzung der Wirtschaft, also eine durch günstige Kredite zu hohe Produktion, die die Nachfrage übersteigt und in eine Stagnation oder gar Rezession umschlägt. Die Zentralbank "hat und wird notwendige Maßnahmen ergreifen, wenn dies erforderlich ist", versicherte Ministerpräsident Binali Yildirim am Mittwoch.

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Schwellenländer werben um Investoren

REAL

Die brasilianische Währung hat innerhalb gut eines Monats sieben Prozent an Wert verloren und ist diese Woche auf den schwächsten Stand seit Ende 2016 bei 3,43 Real je Dollar gefallen. Zwar ist Brasiliens Wirtschaft nach zwei Jahren Rezession zuletzt wieder gewachsen. Das Land schreckt aber Anleger wegen einer hohen Verschuldung und vor allem wegen politischer Turbulenzen ab. Gegen Staatschef Michel Temer wird wegen Korruptionsvorwürfen ermittelt. Der laut Umfragen aussichtsreichste Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen im Oktober, Ex-Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva, ist bereits wegen Korruption zu einer Haftstrafe verurteilt. Seine Arbeiterpartei (PT) hält aber trotzdem an seiner Kandidatur fest. Wirtschaftlich bedrohen zudem die US-Strafzölle Brasilien als zweit wichtigsten Stahllieferanten der USA.

RAND

Südafrikas Währung geriet zuletzt unter Druck und verlor innerhalb von gut zwei Wochen rund vier Prozent an Wert. Ähnlich wie in Brasilien war der Kurs der Landeswährung in Südafrika lange Zeit stark durch politische Skandale bestimmt. Unter anderem durch unberechenbare Personalwechsel im Finanzministerium hatte Ex-Präsident Jacob Zuma die Landeswährung immer wieder stark unter Druck gebracht. Seit dem Amtsantritt seines Nachfolgers Cyril Ramaphosa im Februar hat sich die Lage zwar beruhigt. Jetzt ist der Rand aber wieder auf den schwächsten Stand seit Zumas Sturz gefallen.

 

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