VW-Aufsichtsrat streicht sich die Boni | Wirtschaft | DW | 09.03.2017
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

VW-Aufsichtsrat streicht sich die Boni

Der Abgasskandal hinterlässt weitere Spuren: Sind für die Vorstände bereits neue Vergütungsregeln beschlossen, ist nun der Aufsichtsrat an der Reihe. Bonuszahlungen fallen künftig weg.

Zwar lief das Jahr 2016 für Volkswagen bereits wieder hervorragend, die Kritik an hohen Vergütungen angesichts des Abgasskandals reißt aber nicht ab. Nun müssen bei VW auch die Aufsichtsräte künftig auf Bonuszahlungen verzichten. Dies habe der Aufsichtsrat auf seiner letzten Sitzung beschlossen, teilte Volkswagen mit..

Ziel sei, auf ein marktübliches System umzustellen, sagte ein VW-Sprecher. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung darüber berichtet. Die Hauptversammlung muss den Änderungen noch zustimmen, dies gilt als sicher. Künftig soll demnach ein normales Aufsichtsratsmitglied eine fixe Vergütung von 100.000 Euro pro Jahr bekommen. Der Aufsichtsratsvize erhält 200.000 Euro, der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch ein Festgehalt von 300.000 Euro. Pötsch bekommt für den Vorsitz des Aufsichtsratspräsidiums 100.000 Euro extra, damit erhält er künftig rund 400.000 Euro im Jahr. Das neue System soll vom Geschäftsjahr 2017 an gelten.

Pötsch sagte der "Bild"-Zeitung: "Die VW-Aufsichtsräte zählten in der Vergangenheit mit zu den Spitzenverdienern im Dax. Die Systematik war aber nicht mehr marktüblich. Deshalb haben wir es überarbeitet." Der frühere Volkswagen-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch kassierte dem Bericht zufolge 2014 noch deutlich mehr als eine Million Euro, davon seien fast 90 Prozent Bonus gewesen. "Zuvor war der variable Anteil sehr hoch. Dieser wurde nun abgeschafft", sagte Pötsch dem Blatt. "Jeder hat verstanden, dass wir uns da verändern müssen." Bisher setzen sich die Bezüge des Aufsichtsrats aus einer festen Vergütung zusammen sowie einer veränderlichen Vergütung, die von der Höhe der gezahlten Dividende abhängig ist.

Höchstens zehn Millionen

Deutschland Martin Winterkorn (picture alliance/dpa/B. von Jutrczenka)

Ehemaliger Spitzenverdiener: Martin Winterkorn

Zuvor hatte der Aufsichtsrat bereits die Bezüge der VW-Vorstände gedeckelt. Für die Top-Manager gilt nach dem Abgasskandal und massiver öffentlicher Kritik an hohen Gehältern und Bonuszahlungen künftig eine Obergrenze bei den Gehältern. Der Vorstandschef soll künftig höchstens zehn Millionen Euro im Jahr verdienen, die Vorstandsmitglieder maximal 5,5 Millionen Euro. Neben den Obergrenzen sieht ein neues Vergütungssystem vor, dass die Kriterien für die variable Vergütung, darunter umstrittene Bonuszahlungen, verschärft werden.

Hohe Managergehälter bei Volkswagen hatten schon immer für viel Kritik gesorgt. Der damalige Vorstandschef Martin Winterkorn war inklusive vieler Bonuszahlungen 2011 auf ein Einkommen von rund 17,5 Millionen Euro gekommen.

Auch in der Politik wird das Thema zunehmend diskutiert. Die SPD plant, den Spielraum der Unternehmen künftig einzuengen und den Steuerbonus bei hohen Managergehältern per Gesetz zu begrenzen.

nm/wen (dpa)