″Von Mossul nach Palmyra″: Zerstörtes Weltkulturerebe steht virtuell wieder auf | Kultur | DW | 29.08.2019
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Weltkulturerbe

"Von Mossul nach Palmyra": Zerstörtes Weltkulturerebe steht virtuell wieder auf

Mossul, Aleppo, Palmyra - das kulturelle Erbe im Nahen Osten und Norden Afrikas trotzt seiner Zerstörung. Eine virtuelle Schau zeigt das Vorher und Nachher.

Ausstellungsstücke sucht man in der Bundeskunsthalle vergeblich. Stattdessen lädt das Museum zu einer virtuellen Reise ein. Sie führt - mit Filmen, Animationen und aufgezeichneten Interviews - durch wichtige antike Stätten der arabischen Welt, die von der Terrormiliz IS in den letzten Jahren zerbombt oder gesprengt wurden oder auch, wie etwa Leptis Magna, ganz anderen Bedrohungen ausgesetzt sind: "Von Mossul nach Palmyra" folgt einer erschütternden Spur der Verwüstung. 

Staunend steht der Besucher vor riesigen Leinwänden, hebt ab mit kamerabewehrten Drohnen, folgt schnellen Kamerafahrten und erstaunlichen Rundblicken. Man fliegt über das zerstörte Mossul, die zweitgrößte Stadt des Irak, die von 2014 bis 2017 in der Hand des des IS war: Ruinen, soweit das Auge reicht, eingestürzte Häuser, Trümmer, Autowracks. Und ganz plötzlich erwächst aus der Steinwüste die vom IS gesprengte Große Moschee des an-Nuri mit ihrem berühmten schiefen Minarett. Virtuell entsteht neu, was eines Tages vielleicht auch in Wirklichkeit wieder aufgebaut werden könnte.

Virtuell auferstanden aus Ruinen: die Al-Nuri Moschee im irakischen Mossul.(Iconem/UNESCO)

Virtuell auferstanden aus Ruinen: die Al-Nuri Moschee im irakischen Mossul

Zerfall durch Vernachlässigung

Im Sommer 2015 musste die Weltöffentlichkeit erschüttert zuschauen, als IS-Terroristen vor laufenden Kameras die Tempel und Skulpturen von Palmyra zerstörten, der antiken Oasenstadt in Syrien. Schon damals geißelten Experten den Versuch, kulturelle Identität auszulöschen. "Kulturpolitisch ist diese Schau sehr wichtig", betont deshalb Museumschef Rein Wolfs, der Bonn Anfang Dezember an das Stedelijk Museums in Amsterdam wechseln wird, "denn sie liefert uns Instrumente für den Umgang mit der Zerstörung von Weltkulturerbe."

Auch das sagenhafte Leptis Magna, von antiken Zeitgenossen als "Rom Afrikas" gerühmt, ersteht auf diese Weise wieder auf. Die erst teilweise ausgegrabene römische Stadt an der libyschen Küste ist nicht durch Krieg oder Extremismus, sondern durch Vernachlässigung vom Zerfall bedroht, nicht zu vergessen die ungünstigen klimatischen Verhältnisse, die dem antiken Gestein zusetzen, wie Aurélie Clemente-Ruiz vom französischen "Institut du Monde Arabe" (IMA) betont. Das Pariser Institut hat die Ausstellung, die jetzt in Bonn zu sehen ist, konzipiert, und sich darür erfahrener Videospiel-Entwickler bedient. Ihre Animationen hätten womöglich auch auf der jüngsten Computerspielmesse Gamescom in Köln für Furore gesorgt.

Der Baal-Tempel nach der Zerstörung durch den ISApril 2016 Palmyra, Syrien. (ICONEM/DGAM)

Der Baal-Tempel in Palmyra, Syrien, nach der Zerstörung durch den IS im April 2016

Man wähnt sich mittendrin, alles wirkt ganz nah: Im Kameraflug bewegt man sich um die Ruinen von Aleppo herum, schwebt hinein, erkundet die Rekonstruktionen zerstörter Monumente. Die uralte Stadt mit ihren berühmten Suks-Basaren und Karawansereien, in Teilen dem Erdboden gleichgemacht, werden für heutige Augen vorstellbar. Der Abgleich mit historischen Aufnahmen zeigt das Ausmaß der Zerstörungen. Und eines haben alle Bewegtbilder gemeinsam: Die Menschen fehlen. "Kriegshandlungen bleiben hier außen vor", sagt Museumsleiter Wolfs, "wir bleiben auf der Ebene der Architektur."

Auf kleineren Bildschirmen berichten Einwohner und Archäologen von ihren Erlebnissen und Versuchen, die Schönheiten ihrer Städte zu retten. Einige Räume bieten die Möglichkeit, in die Geschichte und Kultur des jeweiligen Orts einzutauchen. Im Fall von Mossul geht es zum Beispiel um das multireligiöse Erbe der Stadt, in der Christen und Muslime unterschiedlicher Prägung mehr als 1000 Jahre zusammenlebten.

"Von Mossul nach Palmyra - Eine virtuelle Reise durch das Weltkulturerbe" - die Ausstellung in der Bonner Bundeskunsthalle ist bis zum 3. November 2019 zu sehen.

sd/ab (dpa/KNA/Bundeskunsthalle)

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