Von der Welt vergessen: Kinderarbeiter in Bangladesch
Sie schuften unter gefährlichen, oft katastrophalen Bedingungen: Ungefähr 4,5 Millionen Kinderarbeiter gibt es in Bangladesch. DW-Korrespondent Mustafiz Mamun erzählt einige ihrer Geschichten mit seinen Fotos aus Dhaka.

Ballons anfertigen - nicht damit spielen
Die extreme Armut treibt viele Familien dazu, ihre Kinder zur Arbeit zu schicken. Meist sind es schlecht bezahlte Jobs, beispielsweise als Müllsammler, auf Baustellen, in Ziegelbrennereien - oder auch wie hier in einer Ballon-Fabrik. In diesem Unternehmen in einem Vorort der Hauptstadt Dhaka sind viele Kinder angestellt, so wie dieser zehnjährige Junge.
Fehlende Kontrollen
Oft müssen Kinder - wie hier in der Fabrik in Kamrangi Char - im Umfeld gefährlicher Chemikalien arbeiten. Die Regierung des südasiatischen Landes hat zwar Richtlinien erlassen - darin sind 38 verschiedene Tätigkeiten aufgelistet, die Kinder nicht ausüben dürfen. Bislang werden diese Richtlinien allerdings noch so gut wie nirgendwo umgesetzt.
Abgeschirmt von der Außenwelt
Kinder verdienen weniger als ihre erwachsenen Kollegen. Und: Viele arbeiten bis zu zwölf Stunden pro Tag. Genau das ist auch ein Grund, warum in den Fabriken so viele Kinder angestellt sind. Meist verrichten sie ihre Tätigkeiten in Räumen, die man von außen nicht einsehen kann. Urlaub haben die Kinder nicht. Nur Freitags nachmittags zur traditionellen Gebetszeit bekommen sie frei.
Gefährliches Arbeitsumfeld
Ali Hossain arbeitet fast rund um die Uhr in Dhaka in einer Silberfabrik. Die vielen Überstunden und der ohrenbetäubende Lärm machen ihn krank - und ruinieren so auch seine Zukunft. Vollzeitbeschäftigung bei Kindern treibt auch die Zahl der Schulabbrecher in Bangladesch in die Höhe.
Schuften zwischen Chemikalien
Offiziell dürfen Jugendliche in Bangladesch erst mit 14 Jahren anfangen zu arbeiten. So zumindest ist es im Arbeitsgesetz von 2006 festgeschrieben. Aber in der Praxis sieht es anders aus: Der 12-jährige Asif ist nur ein Beispiel von vielen. Um für seinen und den Lebensunterhalt seiner Mutter zu sorgen, arbeitet er mindestens zwölf Stunden täglich in einer Gerberei.
Gleicher Arbeitsplatz für Mutter und Sohn
Rabbi Chandpur arbeitet zusammen mit seiner Mutter in einer Fabrik, in der Plastik verarbeitet und Flaschen hergestellt werden. Der Besitzer der Fabrik sei eigentlich ein Gegner von Kinderarbeit, heißt es. Rabbi habe den Job nur bekommen, weil seine Mutter explizit darum gebeten hätte, ihn arbeiten zu lassen - ihr Einkommen allein würde zum Überleben nicht reichen.
Gefährlicher Service auf den Straßen
Über 90 Prozent der Kinderarbeiter sind im informellen Sektor beschäftigt: in kleinen Fabriken, privat geführten Geschäften, im Haushalt oder auf der Straße. So wie diese Kinder in Dhaka: Sie helfen beispielsweise anderen beim Einsteigen in Busse oder Lieferwagen. Ein gefährlicher Job, denn immer wieder passieren Unfälle, bei denen Kinder verletzt oder sogar getötet werden.
In der Ziegelei
Zu den klassischen Beschäftigungen zählt auch die Arbeit in den Ziegeleien des Landes. Dort müssen die Kinder schwere körperliche Arbeit verrichten. Sie tragen bis zu 16 Ziegelsteine auf einmal - jeder davon wiegt ungefähr drei Kilogramm. Und das Ganze für einen Hungerlohn: Für tausend Steine verdienen sie umgerechnet nur bis zu 1,20 Euro.
Gefahren für Leib und Seele
Rahim arbeitet in einer Bleifabrik. Nicht nur die körperliche Gesundheit ist aufgrund der harten physischen Arbeit in Gefahr. Auch die Psyche der Kinder leidet, beispielsweise durch die Isolation. Darüber hinaus werden Kinderarbeiter auch oft zu Opfer von Diskriminierung: Sie werden misshandelt oder sexuell missbraucht.