Warum Niger für Deutschland so wichtig ist | Afrika | DW | 12.11.2018
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Westafrikareise

Warum Niger für Deutschland so wichtig ist

Bereits zum vierten Mal ist Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen zu Besuch in Niger. Das zeigt, wie sehr die Sahelzone in den Fokus deutscher Politik geraten ist. Aus Niamey berichtet Udo Bauer.

Kalla Moutari trägt einen traditionellen Boubou, als er Ursula von der Leyen am Flughafen in Niamey begrüßt. Der Verteidigungsminister von Niger ist ein freundlicher älterer Herr und voller Dankbarkeit. Denn die Deutschen investieren reichlich in sein bitterarmes Land. In den Ausbau des Militärflughafens in der Hauptstadt Niamey und ihr "Camp Allemande" gleich nebenan hat die Bundeswehr viele Millionen gesteckt. Sie baut für die nigrische Armee eine Unteroffiziersschule und hat 53 riesige geländegängige Lastwagen "Made in Germany" spendiert. Die Bundeswehr braucht Niger als Verbündeten und ist bereit, dafür zu zahlen.

Zuverlässiger Partner

"Ihr Land ist uns ein wertvoller, zuverlässiger und entschlossener Partner im Kampf gegen den Terrorismus, gegen die organisierte Kriminalität und illegale Migration in der Region", sagt von der Leyen unter dem Applaus der nigrischen Honoratioren. Tatsächlich hat die Regierung des Niger aus deutscher Sicht vieles richtig gemacht: Sie steht zu Abmachungen, gilt als vergleichsweise wenig korrupt und neigt nicht zu politischem Abenteurertum. Und sie lässt zu, dass Hunderte Soldaten aus Amerika, Frankreich und Deutschland hier einen Stützpunkt für Lufttransporte aus dem Boden stampfen.

Verteidigungsministerin von der Leyen im Niger (picture-alliance/M.Kappeler)

Im "Camp Allemand" stehen die LKW, die als Unterstützungsleistung für die Armee des Niger gedacht sind

Niger ist eines der ärmsten Länder der Welt. Es ist Ausgangspunkt und Transitland für Westafrikaner, die in Europa eine bessere Zukunft suchen. Hier hat sich eine wahre Schlepperindustrie gebildet, ohne dass die Armee bisher viel dagegen unternehmen konnte. Gleichzeitig sickern ungehindert kriminelle Banden und Islamisten über die Grenze. "Die größte Frustration unserer Soldaten war die fehlende Mobilität", sagt Moutari, "die fehlende Möglichkeit, schnell zu reagieren, und Soldaten dorthin zu bringen, wo es nötig ist". In einem riesigen Land wie Niger, das sämtliche Grenzen bedroht sieht, sind islamistischer Terror, Bürgerkrieg und Anarchie nicht weit entfernt. Damit soll dank der Hilfe aus Europa nun Schluss sein.

Drehkreuz für den ganzen Sahel

Deutsche und Franzosen nutzen den Flughafen Niamey mittlerweile als Drehkreuz. Er gilt im Gegensatz zu den Flughäfen Bamako und Gao im Nachbarland Mali als sicher. In Bamako hat es Terroranschläge gegeben. Gao ist zu klein und sehr gefährlich bei Starts und Landungen. Trotzdem geht es in Niamey sehr oft um Mali, denn dort stehen Tausende internationale Soldaten bereit, um die Ausbreitung des islamischen Terrors zurückzudrängen.

Auch andere Länder können von hier aus gut erreicht werden. Die Staaten der G-5-Sahel zum Beispiel. Neben Mali und Niger haben sich Mauretanien, der Tschad und Burkina Faso zu einer Truppe zusammengeschlossen, die dem Terrorismus im Sahel den Garaus machen will.

Noch ist die gemeinsame Truppe mit Aufbau und Training beschäftigt. Doch die Europäer setzen große Hoffnungen in die G-5. Im Sahel soll sich Libyen nicht wiederholen.

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