Von Dakar in die Casamance - eine Reise in den Senegal | DW Reise | DW | 19.10.2018
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Reise

Von Dakar in die Casamance - eine Reise in den Senegal

Als Reiseziel ist das westafrikanische Land kaum bekannt. Dabei locken neben der Hauptstadt Dakar kilometerlange Sandstrände und riesige Mangrovenwälder. Zeit für einen Besuch.

"Die Straßen hier sind nach dem Vorbild von Paris angelegt", erklärt unser Stadtführer Babackar. Wir stehen mitten in Senegals Hauptstadt Dakar auf dem Place de l'Independance - ein merkwürdiger Ort, um auf das französische Vorbild zu verweisen, wo doch der Platz die Unabhängigkeit von der kolonialen Herrschaft feiert. Merkwürdig vielleicht auch, weil man hier vom Pariser Flair weit entfernt ist. Abgesehen von einzelnen Bauten im Kolonialstil finde ich wenig ansprechende Architektur.

Dakar - Metropole am Atlantik

Streifzug durch den Senegal (DW/M. von Wedelstädt)

Tradition trifft auf Moderne

Umso vielfältiger dagegen die Einwohner von Dakar: Geschäftsleute im Anzug, junge Menschen in bunter Sportkleidung, Gläubige in eleganten Kaftanen. Obwohl der Senegal vorrangig muslimisch ist, sind viele Frauen leger gekleidet oder tragen typisch afrikanische Gewänder. Unsere Stadtführung endet auf einer der beiden Mamelles, einer der "Brüste" von Dakar. Vom  Basaltberg kann man zum Cap Vert herüberschauen, der westlichsten Spitze Afrikas.

Dakar ist an drei Seiten vom Atlantik umgeben. Das zeigt sich vor allem kulinarisch: Fisch ist die wichtigste Ressource des Landes. In den zahlreichen Restaurants der Stadt, in denen man für wenig Geld oft sehr gut essen kann, steht vor allem Thiof auf der Karte, der hier dominierende Weiße Zackenbarsch.

Streifzug durch den Senegal (DW/M. von Wedelstädt)

Seit 1874 signalisiert der Leuchtturm von Dakar den westlichsten Punkt Afrikas

Spuren der Kolonialzeit

Durch die Überfischung des Atlantiks sind die Bestände allerdings stark zurückgegangen. Immer mehr verarmte Fischer und Bauern zieht es in die Großstadt, die mit ihrer Infrastruktur kaum noch hinterherkommt. Und so stehen wir auf der Rückfahrt ins Hotel mal wieder im Stau. Klassische Sehenswürdigkeiten findet man kaum in Dakar. Aber die bunten Märkte, Cafés, Bars und Nachtclubs bieten viele Gelegenheiten, um in die Kultur des Landes einzutauchen.

Ein Kontrastprogramm zur Millionenstadt Dakar bietet ein Ausflug zur vorgelagerten Insel Île de Gorée. Nach 30 Minuten Bootsfahrt landen wir in einer pittoresken Idylle: eine kleine Insel ohne Autos mit Kolonial-Architektur und Kopfsteinpflaster. Beeindruckend ist auch das Museum Maison des Esclaves. Es  dokumentiert, wie von hier und anderen Küstenorten Westafrikas über Jahrhunderte Sklaven nach Amerika verschifft wurden.

Senegal Goree Island (picture alliance/AP Photo/N. Evatt)

Île de Gorée, Hafen

Jenseits von Dakar

Um noch mehr über das Land zu erfahren, mache ich mich auf in den Süden des Senegal. Auffällig sind die sichtbaren Gegensätze. Die ersten 50 Kilometer geht es über eine neue Maut-Autobahn. Entlang der Strecke werden glänzende Technologieparks, Wohnviertel und eine Hochgeschwindigkeitstrasse aus dem Boden gestampft. Aber der Schein trügt, denn der Senegal ist ein Entwicklungsland. Was man hier sieht, ist Teil eines ehrgeizigen Konjunkturprogramms: Bis 2035 will das Land den Status eines Schwellenlandes erreichen. Doch an dem ebenfalls neuen Flughafen endet die Autobahn. Ab hier werden die Straßen stetig schlechter und die Dörfer ärmer. 

Streifzug durch den Senegal (DW/M. von Wedelstädt)

Der grüne Süden in der Casamance

Ich reise wie die meisten Senegalesen in einem Sept Place, einem zum Siebensitzer-Sammeltaxi umgebauten Kombi. Das ist nicht immer bequem und an den Umsteigeplätzen wird es auch mal laut, wenn es um Sitzplätze oder Preise fürs Gepäck geht. Ich bin froh, dass ich Badara kennenlerne, einen Fußballprofi im Anzug mit rosafarbenem Rollkoffer, der fortan alle Verhandlungen für mich übernimmt.

Am Strand

Nachdem wir die Enklave Gambia passiert haben, fühle ich mich wie in einem anderen Land. Die Casamance ist mit subtropischem Regenwald überzogen, weitaus weniger entwickelt als der Norden des Landes und hat einen sehr viel ursprünglicheren afrikanischen Charakter. Im grünen Delta des Casamance-Flusses mache ich eine Paddeltour durch endlos scheinende Mangrovenwälder und übernachte in einer Lehmhütte auf einer abgelegenen Insel im Flussdelta.

Streifzug durch den Senegal (DW/M. von Wedelstädt)

Genug Platz für alle - der Strand von Cap Skirring

Touristisches Highlight der Region ist das Cap Skirring an der Atlantikküste: weitläufige weiße Strände mit Palmen, kleinen Bars und Restaurants, die ihren Fisch direkt vom Boot beziehen. Die Grenzen zwischen Strand, Bauernhof und Geschäft sind hier fließend und so teile ich den Strand mit Kühen und fliegenden Händlern, die versuchen, Kunsthandwerk, frisches Obst und Erdnüsse - das Hauptexportprodukt des Senegal - an den Mann zu bringen. Während sich einige französische Urlauber auf die Verkaufsgespräche einlassen, genieße ich einige hundert Meter entfernt die Ruhe am Atlantik.