Vom Goldanwärter zum Wackelkandidaten | Sport | DW | 10.08.2016
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Sport

Vom Goldanwärter zum Wackelkandidaten

Zum Auftakt der Bahnwettbewerbe ist eigentlich eine Goldmedaille für Deutschland eingeplant. Doch die Teamsprinter müssen umbauen. Mit einem krankheitsbedingten Ausfall ist das sensible Gefüge ins Wanken geraten.

18 Monate lang tüftelte der Bahn-Bundestrainer mit seinen Sprintern an seiner Idealbesetzung. Es wurde getestet, gefeilt und optimiert. Das Trio René Enders, Max Niederlag und Joachim Eilers war perfekt aufeinander abgestimmt und zeigte zum Beispiel beim Weltcupsieg im kolumbianischen Cali, dass in Rio de Janeiro, auf einer Bahn mit ähnlich engen Kurven-Radien, mit ihnen zu rechnen ist. Die Goldmedaille war das Ziel des minutiös geplanten Projekts - und dann das: Max Niederlag holte sich in Rio einen grippalen Infekt und fällt aus. Für ihn rückt nun Maximilian Levy nach, der eigentlich als Straßenfahrer nominiert ist. "Alles ist von heute auf morgen auf den Kopf gestellt. Wir müssen Kompromisse machen. Das ist alles andere als ideal", schränkte Bundestrainer Detlef Uibel ein. "Unsere Medaillenchancen sind damit klar gesunken."

Plötzlich ist das Prunkstück der deutschen Bahnradsportler eine Baustelle. Vor dem Olympia-Finale im Teamsprint am Donnerstag (ab 21.00 Uhr MESZ) muss mit Levys Nachnominierung nämlich nicht nur die Besetzung, sondern auch die Reihenfolge der drei Sprinter getauscht werden. In einer Disziplin, in der es um Tausendstel geht, ist das so kurz vor dem Saisonhöhepunkt ein herber Rückschlag. Hinter dem gedrungenen Anfahrer Enders rückt Eilers nun vor auf die zweite Position und hofft, an seinem antrittsschnellen Teamkollegen dranbleiben zu können, dann sei "alles möglich", so Eilers. Levy springt an dritter Position ein und soll eine schnelle Endzeit sichern. Personalrochade hin oder her: "Meine Jungs sind heiß", verspricht Uibel. 'b#

"Viel Staub weggeatmet"

Das gilt zum Beispiel für Ersatzfahrer Maximilian Levy. Er gewann bereits 2008 und 2012 jeweils Bronze mit dem Sprintteam und verbreitet Optimismus: "Wir sind nicht in Rio, um uns die Copacabana anzuschauen. Wir sind alle in Form und kriegen das schon hin." Ein Fragezeichen steht auch noch hinter der Sportstätte. Das Olympia-Velodrom von Rio ist nagelneu und auf den ersten Blick in bestem Zustand. Die Athleten kritisieren aber, dass das Holzoval noch nicht richtig eingefahren ist. Seit zwei Wochen trainieren die Schützlinge von Bundestrainer Uibel schon hier und waren zu Beginn etwas geschockt: "Das war noch eine halbe Baustelle hier als wir ankamen. Wir haben alle eine Menge Staub weggeatmet", berichtet Levy.

Favoriten sind die Weltmeister aus Neuseeland, die aufstrebende Mannschaft aus den Niederlanden sowie das Team aus Großbritannien, das die Heimspiele von London 2012 dominierte. Eine Erfahrung aus eben diesem Wettkampf sollte dem durcheinander gewirbelten deutschen Team Hoffnung machen: Auch in London musste man unmittelbar vor dem Wettkampf wegen der Verletzung von Stefan Nimke umstellen und dennoch schaffte es das deutsche Trio noch auf den Bronzerang.

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