Volltrunken ins neue Jahr | Deutschland | DW | 31.12.2013
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Deutschland

Volltrunken ins neue Jahr

Nicht nur Silvester trinken viele Jugendliche wieder bis zum Vollrausch. Auch während des Jahres verlieren viele die Kontrolle. Kinderärzte schlagen Alarm und fordern ein Verbot der Alkohol-Werbung.

Ein paar Bier zum Vorglühen, später Red Bull mit Wodka zum Wachbleiben und Einheizen, um Mitternacht natürlich Sekt und danach weiter mit harten Alkoholika: Gerade Silvester ist für viele Jugendliche ein Sauf-Marathon. "An solchen Tagen ist Alkohol noch leichter zugänglich", sagt der Pressesprecher des Berufsverbandes der Kinderärzte in Deutschland, Ulrich Fegeler im DW-Gespräch. Die Flaschen werden von Älteren besorgt oder stehen auf Partys zur freien Verfügung. Manche Jugendliche haben ihren Konsum jedoch nicht unter Kontrolle, trinken bis zur Besinnungslosigkeit. Alkoholvergiftungen gehören deshalb neben Brandverletzungen und Unfällen zu den häufigsten Gründen für einen Krankenhausbesuch in der Nacht vom 31. Dezember zum 1. Januar.

Wegbier in Hamburg. (Foto:dpa)

Die Jungen trinken viel - oft aus Imponiergehabe

Doch auch für das restliche Jahr legt das Statistische Bundesamt eine verheerende Statistik vor: Etwa 27.000 Kinder und Jugendliche wurden 2013 wegen übermäßigen Alkoholkonsums ins Krankenhaus eingeliefert. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung macht dafür zwei gegenläufige Trends verantwortlich: Der wöchentliche Konsum ist zwar dank eines gesteigerten Gesundheitsbewusstseins bei Jugendlichen etwas gesunken. Doch wenn getrunken wird - dann richtig. Das sogenannte Binge-Drinking, also der Konsum von mindestens fünf alkoholischen Getränken an einem Abend, ist weiterhin beliebt. Etwa 40 Prozent der Jugendlichen sind einmal im Monat betrunken.

Immer mehr Mädchen greifen zur Flasche

Besonders gefährdet für den zügellosen Alkohol-Exzess sind Jungen. Beim Binge-Drinking sind sie etwa doppelt so oft dabei wie Mädchen. "Es gehört zum Rollenverständnis von jungen Männern dazu, viel Alkohol vertragen zu können", sagt Michaela Göcke vom Suchtreferat der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung im DW-Interview. Bei Mädchen gibt es dieses Imponiergehabe in der Form zwar nicht. Doch auch sie holen auf, bevorzugt bei hartem Alkohol in Kombination mit süßen Säften oder Limonade. So ist die Zahl der Mädchen, die wegen Vergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert wurden, laut einer Studie der Krankenkasse AOK seit 2010 um 1,3 Prozent gestiegen.

Die gesundheitlichen Folgen gehen weit über einen kräftigen Kater mit Kopfschmerz hinaus: "Die Organe eines Jugendlichen sind im Vergleich zum Erwachsenen noch nicht so weit entwickelt", sagt Göcke. Der Alkohol kann also schwerer abgebaut werden. "Aber auch die Hirnentwicklung, die erst mit 20 Jahren abgeschlossen ist, wird beeinträchtigt." Das heißt, wer sich regelmäßig betrinkt, der kann mit dauerhaften Hirnschäden rechnen. Kinderarzt Fegeler warnt vor allem vor der Abhängigkeit, die durch regelmäßigen Konsum entstehen kann.

Kampagnen gegen das Trinken

Leere Alkoholflaschen in Baden-Baden. (Foto: dpa)

Kinderärzte fordern ein Werbeverbot

Mit großformatigen Plakaten versucht die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung deshalb schon seit einigen Jahren für gemäßigten Alkoholkonsum zu werben. Auch vereinzelte Länder versuchen, es den Jugendlichen schwer zu machen: So dürfen in Baden-Württemberg seit dem 1. März 2010 in Geschäften zwischen 22 und 5 Uhr keine alkoholischen Getränke mehr verkauft werden. Damit soll der nächtliche Rausch etwas eingedämmt werden.

In Frankfurt am Main sollen ab dem Frühjahr jugendliche Testkäufer in die Läden geschickt werden. Einzelhändler, die gegen das Gesetz verstoßen und den Jungen und Mädchen Alkohol verkaufen, erwartet ein Ordnungsgeld. Denn harte Alkoholika wie Schnaps und Wodka sind erst ab 18 Jahren erlaubt, Bier und Wein erst ab 16 Jahren.

Für Kinderarzt Fegeler gehen diese Maßnahmen noch nicht weit genug. Er fordert, dass die Politik sich noch stärker einmischt und ein Werbeverbot für Alkoholika erlässt. "Es darf nicht für Suchtmittel geworben werden", kritisiert er. "Auf die Alkoholflaschen müsste stattdessen - ähnlich den Zigarettenpackungen - ein Spruch gedruckt werden: Der Genuss von Alkohol kann tödlich sein."

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