Vollgas oder Scheitern | Nahaufnahme - Die aktuelle Reportage | DW | 02.09.2019
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Nahaufnahme

Vollgas oder Scheitern

Deutschlands Autoindustrie ist vom Innovationstreiber zum Getriebenen geworden. Der Fortschritt in Sachen E-Mobilität ist zu langsam, zu zögerlich. Das kann nicht gut gehen. Denn der Weltmarkt hat sich längst entschieden.

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In Norwegen fahren bereits 65 Prozent aller Neuwagen elektrisch oder als Hybrid. In Deutschland sind es ganze sieben Prozent. Die Norweger haben den Wandel als Chance erkannt: Sie wollen vorne mit dabei sein bei neuen Technologien und der Ladeinfrastruktur. Ein E-Auto ist in Norwegen günstig, weil Steuern wegfallen. Es ist komfortabel, weil man die Busspur benutzen kann. Es ist praktisch, weil in vielen Tiefgaragen Ladebuchsen in ausreichender Zahl vorhanden sind. Der gigantische Automarkt China will zukünftig ein Viertel seiner Neuwagen elektrisch fahren lassen. Es tut sich etwas in der automobilen Welt, eine Zeitenwende. Warum tut Auto-Deutschland nicht alles dafür, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu sein? Der ehemalige Vorstandsvorsitzenden der Opel AG, Karl-Thomas Neumann, erklärt: Wenn man erfolgreich sei, sei es schwer, diesen Erfolg zu zerstören, um etwas Neues zu schaffen. "Es muss eine Haltung entwickelt werden. Da werden Arbeitsplätze verloren gehen, aber es werden auch neue geschaffen werden." Schuld daran sei auch eine Politik, die sich zu lange schützend vor Veränderungen gestellt habe. Und die jetzt keine Leitlinien, keine Idee präsentiere. Es geht um Millionen Arbeitsplätze, die jedoch, wenn man Experten glaubt, in der alten Auto-Welt ohnehin keinen Bestand hätten. Uwe Cantner, Vorsitzender der Expertenkommission Forschung und Innovation des Bundes, warnt: "Auf Teufel komm raus Jobs zu erhalten - in Bereichen, wo ich merke, dass der Weltmarkt schon entschieden hat (...) ist der größte Fehler, den ich machen kann." Auf dem globalen Markt sind die Weichen längst gestellt. Die Welt ist bereit für eine neue Mobilität. Sind es die deutschen Autobauer auch?