Vietnamesischer Tathelfer verurteilt | Aktuell Welt | DW | 25.07.2018
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Entführung in Berlin

Vietnamesischer Tathelfer verurteilt

Es war ein filmreife Entführung im Juli 2017 - jetzt ist ein Tathelfer verurteilt worden. Dem vietnamesischen Entführungsopfer hilft das nicht viel: Xuan Thanh Trinh muss in Hanoi zwei Mal lebenslänglich absitzen.

Deutschland Berlin - Prozess um Entführung eines Vietnamesen Geschäftsmann (picture alliance/dpa)

Ein Mitglied des vietnamesischen Geheimdienstes muss drei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis

Der spektakuläre Fall erinnere an einen "Krimi aus der Zeit des Kalten Krieges", sagte die Vorsitzende Richterin Regine Grieß bei der Urteilsverkündung. Was war passiert? Nach Überzeugung des Berliner Kammergerichts hat ein ausländischer Geheimdienst am Vormittag des 23. Juli 2017 den vietnamesischen Geschäftsmann Xuan Thanh Trinh und eine Begleiterin auf offener Straße im Berliner Tiergarten in einen VW-Minibus gezerrt. Fünf Personen seien aus dem Auto gesprungen, hätten sie an Armen und Beinen ergriffen und in das Fahrzeug geworfen. Der Wagen sei anschließend auf das Gelände der vietnamesischen Botschaft gefahren.

Vietnamesischer Geheimdienst beteiligt

Danach wurde der Verschleppte erst wieder in Hanoi gesehen, als er im vietnamesischen Staatsfernsehen vorgeführt wurde. Die Regierung in Hanoi erklärte, Thanh sei freiwillig zurückgekehrt. Nach Erkenntnissen des Gerichtes wurde er über den Landweg nach Bratislava gebracht, dann mit einem Regierungsflieger nach Moskau und schließlich nach Hanoi.

Jetzt hat das Berliner Kammergericht einen Tathelfer zu drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt - schuldig der Beihilfe zur Freiheitsberaubung und geheimdienstlichen Agententätigkeit. Für den Staatsschutzsenat des Gerichts stand fest: Es war eine rechtswidrige Operation des vietnamesischen Geheimdienstes, an der der 47-jährige Landsmann bewusst mitwirkte, wenn auch nicht als Ideengeber oder Organisator. 

Trinh Xuan Thanh (Reuters/VNA/Doan Tan)

Das Entführungsopfer Trinh Xuan Thanh bei seinem Schauprozess in Hanoi. Seine Strafe: Zwei Mal lebenslänglich muss der Geschäftsmann hinter Gitter

Der nun verurteilte Long N. H. hatte laut Urteilsbegründung das Entführungsfahrzeug und zwei weitere Fahrzeuge in Prag angemietet, nach Berlin gebracht und später wieder zurückgefahren. Vor seiner Festnahme hatte er in Prag gelebt. Er besitzt die vietnamesische und die tschechische Staatsangehörigkeit. Im August 2017 wurde er in Tschechien festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert.

Vietnam gilt als eines der korruptesten Länder der Welt

Das Entführungsopfer Trinh Xuan Thanh war vormals Chef eines vietnamesischen Staatskonzerns, dem die Regierung in Hanoi Korruption zur Last legte, Thanh war 2016 ins Ausland geflohen, als Korruptionsvorwürfe gegen ihn laut wurden. Derzeit befindet er sich in vietnamesischer Haft. Der Unternehmer und Ex-Funktionär der Kommunistischen Partei ist in Hanoi zu zwei Mal lebenslänglich wegen Korruption verurteilt worden. Er sieht sich als Opfer eines Machtkampfes innerhalb der Partei. Vietnam gilt als eines der korruptesten Länder der Welt.
 
Der Fall hatte zu einer Eiszeit zwischen Deutschland und Vietnam geführt. Das Auswärtige Amt sprach von "Menschenraub" und "Rechtsbruch". Vietnamesische Diplomaten wurden ausgewiesen und die strategische Partnerschaft mit Vietnam ausgesetzt.

nob/gri (dpa, epd, afp)

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