Viele Tote durch Schlammlawinen in Kolumbien | Aktuell Amerika | DW | 20.04.2017
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Lateinamerika

Viele Tote durch Schlammlawinen in Kolumbien

Erst Anfang des Monats kamen weit über 300 Menschen durch einen Erdrutsch ums Leben. Nun trifft es eine Stadt im Westen - in der gebirgigen Kaffeezone des Landes. Und es könnte noch schlimmer kommen.

Der Schauplatz: Manizales, rund 170 Kilometer von der Hauptstadt Bogotá entfernt. Hier leben die Menschen von drei Gütern: Kaffee, Kakao und Gold. Die knapp 400.000 Einwohner der Großstadt können den Nevado del Ruiz noch sehen, den zweithöchsten aktiven Vulkan auf der nördlichen Erdhalbkugel.

Gleich in 25 Vierteln von Manizales gingen nach heftigen Regenfällen Dutzende Erdrutsche ab, sagt José Cardona, der Bürgermeister. Mindestens 16 Menschen kamen ums Leben. Und die Zahl dürfte noch steigen, da zahlreiche weitere vermisst werden.

Strom- und Wasserversorgung tot

75 Häuser sind völlig zerstört. 400 Familien wurden vorsorglich aus ihren Wohnungen gebracht. In den betroffenen Stadtteilen ist der Strom ausgefallen. Während draußen alles überschwemmt ist, fließt aus den Leitungen kein Wasser mehr.

Kolumbien Zahlreiche Tote durch Schlammlawine (Getty Images/AFP/Stringer)

Retter suchen nach Verschütteten - viele können nur noch tot geborgen werden

Staatschef Juan Manuel Santos sagt alle Termine ab, eilt ins Katastrophengebiet und bahnt sich den Weg durch Straßen, die vom Schlamm geflutet sind. Die Erdrutsche, sagt der Präsident, seien eine Folge des Klimawandels.

Mitarbeiter der nationalen Katastrophenschutzbehörde UNGRD untersuchen nicht nur die entstandenen Schäden. Vor allem prüfen sie, ob hier, in der Hauptstadt des Departments Caldas, wo umgestürzte Bäume und Trümmer ein Bild der Verwüstung abgeben, weitere Unglücke drohen.

Denn die Erdrutsche sind tückisch. Die Schlammlawinen überfallen die Menschen förmlich. "Ich weiß nicht, um wieviel Uhr - plötzlich habe ich Lärm gehört, wie einen Knall", beschreibt ein Anwohner die tödliche Naturgewalt.

Kolumbien Manizales Schlammlawine (picture-alliance/Xinhua/ZUMAWire/Colprensa)

Mit kleinen Schaufeln gegen die Macht der Natur

Der Schock in Kolumbien sitzt noch tief. Denn erst Anfang April waren durch heftige Überschwemmungen und Erdrutsche mindestens 323 Menschen ums Leben gekommen, darunter viele Kinder und Jugendliche. Mehr als hundert Einwohner werden weiter vermisst. Damals hatte es die Kleinstadt Mocoa getroffen, ganz im Süden, nicht weit von der Grenze zu Ecuador.

Aus für die Industrie

Die Behörden hatten dort umgehend eine Schutzzone ausgerufen: Jegliche industrielle Aktivität sei im Katastrophengebiet künftig verboten, kündigte Umweltminister Luis Alberto Murillo an. Das soll die Abholzung der Wälder verhindern, die mutmaßlich zu dem Unglück beitrug.

Beruhigen kann das allerdings kaum. Denn eine Studie der Staatlichen Universität von Kolumbien mit Hauptsitz in Bogotá brachte ein alarmierendes Ergebnis: Katastrophen wie in Mocoa, so die Experten, könnten sich in fast 400 weiteren Orten des Landes wiederholen.

jj/se (dpa, afp)

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