Viele Tote bei Friedenstreffen in Afghanistan | Aktuell Asien | DW | 16.06.2018
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Islamismus

Viele Tote bei Friedenstreffen in Afghanistan

Das hatte sich die Regierung in Kabul anders gedacht. Geplant war ein Friedenstreffen, auch Kämpfer der Taliban waren eingeladen. Tatsächlich gab es aber ein Blutbad. Verantwortlich soll die Terrormiliz IS sein.

Bei dem Anschlag auf das sogenannte "Friedenstreffen" zwischen radikalislamischen Taliban, Sicherheitskräften und Zivilisten in Ostafghanistan wurden nach jüngsten Angaben der Regierung mindestens 36 Menschen getötet. 65 weitere seien verletzt worden, sagte der Chef der Gesundheitsbehörde.

Bekennerschreiben des IS

Der Anschlag fiel auf den zweiten Tag einer landesweiten Feuerpause zwischen Taliban und Regierung. Nangarhar ist die Hauptbasis der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), die mit den Taliban verfeindet ist. Kurz nach der Tat gab es ein Bekennerschreiben des IS. Die Taliban wiesen jede Verantwortung von sich. Vielmehr erklärten sie, es habe auch Opfer unter ihren Kämpfern gegeben.

Ungeachtet der neuen Selbstmordattacke verlängerte die afghanische Regierung ihren Waffenstillstand mit den Taliban. Dies bestätigte Präsident Aschraf Ghani in einer Fernsehansprache. Seit Dienstag waren die afghanischen Sicherheitskräfte zu einer einwöchigen Feuerpause aufgerufen.

Afghanistan Taliban feiern Waffenstillstand mit Einwohnern in Kabul (Reuters/M. Ismail)

Während es in Nangarhar ein Blutbad gab, wurde in der Hauptstadt Kabul der Waffenstillstand gefeiert

Die Taliban hatten ihrerseits alle eigenen Kämpfer aufgefordert, zum Ende des Ramadan die Angriffe auf afghanische Sicherheitskräfte einzustellen. Die US-geführten NATO-Truppen sollten aber weiterhin bekämpft werden. Es war das erste Mal in dem seit 2001 andauernden Konflikt in Afghanistan, dass die Taliban einer Waffenruhe mit der Regierung zustimmten.

Gegen niemand

Im Rahmen der aktuellen Vereinbarung besuchten zahlreiche Kämpfer der Miliz auch die afghanische Hauptstadt Kabul. Sie wurden begeistert begrüßt. "Wir sind hier für den Frieden", sagte einer der Taliban-Vertreter. "Wir sind heute gegen niemanden. Das ist die Zeit für Frieden." Anwohner sangen, "Gott ist groß", und unterhielten sich mit den Besuchern. 

Innenminister Wais Barmak traf in einer außergewöhnlichen Aktion ebenfalls mit Taliban zusammen. Örtliche Medien wie Tolo TV und Ariana News zeigten Bilder des Ministers in einer Gruppe von Talibankämpfern im Kabuler Stadtteil Kompani.

Der friedliche Besuchstag war besonders bemerkenswert, weil Kabul seit Monaten Ziel blutiger Überfälle der Taliban und der IS-Terrormiliz ist. Allein in diesem Jahr gab es 13 schwere Anschläge. Mehr als 300 Zivilisten wurden getötet.

haz/jj (rtr, dpa, afp)

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